Bundesbeste Auszubildende 2019 geehrt

Bundesbeste Auszubildende 2019 geehrt
© DIHK / Jens Schicke

Die Geschäftsführerin des Bereichs Berufliche Bildung und Fachkräftesicherung der IHK Mittlerer Niederrhein, Petra Pigerl-Radtke (l.), mit „ihren“ Super-Azubis Julia Wessig, Khoa Mike Nguyen, Jannik Küppers, Erol Semo, Oliver Hantel und Simon Klein (v.l.).

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Wenn Erol Semo auf seine berufliche Entwicklung zurückschaut, ist der 24-Jährige zurecht stolz auf das Geleistete: „Meine Kollegen sagen oft, dass ich mich vom Tellerwäscher zum Millionär entwickelt habe. Das zeigt mir, dass ich alles richtig gemacht habe“, berichtet Semo. Als einer von insgesamt sechs Bundesbesten aus dem Bezirk der IHK Mittlerer Niederrhein war er zu Gast bei der Bundesbestenehrung in Berlin. Hier trafen auch in diesem Jahr wieder die besten Auszubildenden eines Jahrgangs aus dem gesamten Bundesgebiet zusammen. Dass Erol Semo auch dabei war, hat er seinem überragenden Abschluss zu verdanken. Mit der Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik mit dem Schwerpunkt Draht- und Umformungstechnik in dem Mönchengladbacher Unternehmen Reiners + Fürst GmbH & Co. KG hat alles begonnen. Dabei sah es zunächst erst einmal nach einem ganz anderen Bildungsweg aus: „Ich hatte eigentlich immer vor gehabt zu studieren, aber daraus ist dann damals irgendwie doch nichts geworden“, erinnert sich der Bundesbeste. Nach einer kurzen Zeit der Besinnung fiel dann schließlich der Entschluss, sich für einen Aufnahmetest bei seinem späteren Ausbildungsbetrieb zu bewerben. Nachdem der erfolgreich bestanden war, folgte zunächst eine Zeit als Produktionshelfer, die beiden Seiten ausreichend Zeit für eine umfassende Orientierung gab. „Als ich dann die Ausbildung begann, habe ich einfach Vollgas gegeben, wollte so viel wie möglich lernen“, sagt Semo. Welche positiven Konsequenzen dieser Tatendrang haben sollte, war auch für ihn nicht absehbar. Doch wer denkt, dass Erol Semo nun genug vom Lernen haben könnte, der irrt sich gewaltig: „Ich habe auch meinen Meister begonnen, will mich also noch einmal weiterqualifizieren und so weiter an mir arbeiten“, beschreibt der 24-Jährige seine weiteren Ziele und merkt augenzwinkernd an, dass er auch die Idee eines technischen Studiums noch lange nicht aufgegeben hat.

Wenn die Chemie stimmt

Aufgegeben hat auch Oliver Hantel nie. „Zugegebenermaßen kam der Wechsel etwas spät“, beschreibt der heute 40-Jährige seine Entscheidung, den erlernten, handwerklichen Stuckateur-Job aufzugeben und in die Chemiebranche zu gehen – und damit eine Ausbildung im traditionsreichen Unternehmen Currenta GmbH & Co. OHG zu machen. Die Gedanken an die eigene Zukunft und insbesondere an die schwere, körperliche Belastung brachten den Bundesbesten schließlich zu dem Entschluss, sich doch noch einmal auf die Suche nach einer neuen, beruflichen Perspektive zu begeben. Damals bestehende Wissenslücken konnten Hantel dabei nicht aufhalten: „Ich habe nie in der Schule das Fach Chemie gehabt, aber in der folgenden Zeit haben die Berufsschullehrer mir die Materie einfach nur klasse vermittelt“, erinnert sich der frischgebackene Preisträger. Den „Sprung ins kalte Wasser“ bereut er bis heute nicht, hat sich mehr noch dazu entschieden, sich noch einmal weiterzubilden. „In Essen werde ich jetzt zusammen mit acht Kollegen zum Kraftwerker ausgebildet – ein Job, den mein Ausbildungsunternehmen eigens geschaffen hat. Das vermittelt natürlich auch ein Gefühl der Sicherheit, endlich angekommen zu sein“.

Neugierig, was in den Produkten steckt

Angekommen ist auch Julia Wessig. Nach einem begonnenen Studium hat sie sich dann doch letztendlich für eine Ausbildung entschieden. „Ich hatte mich schon immer dafür interessiert, was in den Produkten steckt, die man tagtäglich in den Regalen der Drogeriemärkte sieht. Also habe ich mich einfach im Internet schlau gemacht, wo und welche Ausbildungschancen bestehen“, beschreibt sie den ersten Angang hin zu einer Ausbildung zur Drogistin bei der dm-drogeriemarkt GmbH & Co. KG in Neuss. Mit ihrer persönlichen Vorbildung in Sachen Drogerieprodukt-Bestandteile im Gepäck fiel ihr dann auch die Berufsschulzeit nicht wirklich schwer. Und da es mit der Ausbildung schon so gut funktioniert hat, hat sich Julia Wessig auch schon das nächste Ziel gesteckt: „Ich absolviere jetzt eine Weiterbildung zur Handelsfachwirtin und möchte meinem Ausbildungsbetrieb sehr gerne treu bleiben. Immerhin hat man mir hier die Chance gegeben, noch einmal ganz von vorne zu beginnen.“

Zurück auf Anfang?

Ganz von vorne muss man auch bei Jannik Küppers beginnen. Auch er ist als Bundesbester nach Berlin gereist, und auch er blickt auf eine überdurchschnittlich erfolgreich beendete Ausbildung zurück. Seinen hervorragenden Abschluss sieht er selbst schon in seiner frühen Kindheit begründet: „Mein Vater hatte bereits ein eigenes Unternehmen in der Metallbranche, und so konnte ich schon als kleines Kind mit dem Geschehen aufwachsen und vieles beobachten. Wahrscheinlich hat das auch nachhaltigen Einfluss auf meine heutige Tätigkeit gehabt?“, überlegt Küppers schmunzelnd. Aufbauend auf ein zunächst tiefer in die Materie führendes Praktikum im heimischen Betrieb, entschied er sich dazu, eine Ausbildung in dem Mönchengladbacher Unternehmen Trützschler GmbH & Co. KG zu beginnen, wo er in nur zwei Jahren sein Wissen rund um den Beruf der Fachkraft für Metalltechnik mit dem Schwerpunkt Konstruktionstechnik verfeinern konnte. Nach dem überwältigenden Erfolg hat sich auch Jannik Küppers dazu entschieden, sich noch einmal weiterzuqualifizieren: „Ich lasse mich jetzt zum Konstruktionsmechaniker und parallel dazu zum Industriemeister Metall ausbilden, was aber sicherlich noch einmal weitere zwei Jahre in Anspruch nehmen wird“, sagt Küppers.

Reine Impulsentscheidung

Blickt man auf die Geschichte von Simon Klein, könnte man schnell darauf schließen, dass die Dynamik des jungen Mannes nur zu einem überdurchschnittlichen Ausbildungsabschluss führen konnte: „Ich habe mich schon immer für die Organisation von Veranstaltungen interessiert, habe in der Schule schon als Tour-Koordinator für eine Band gearbeitet, da war die Entscheidung für eine Ausbildung im Bereich des Veranstaltungsmanagements eine reine Impulsentscheidung“, fasst es Simon Klein dann auch locker zusammen. Bis nach Berlin war er auch schon damals gekommen, als er sich im Rahmen einer Band-Tournee bis an das Brandenburger Tor heranarbeitete. Heute ist er selbst als Preisträger und Ausgezeichneter zu Gast im Maritim-Hotel. „Die Ausbildung im Neusser Dorinth Hotel“, sagt Simon Klein, „zeigt dir einfach, wie abwechslungsreich und individuell die Anforderungen der Kunden und Gäste sein können. Es ist ein Job mit Herausforderungen und keineswegs einer von der Stange.“

Vom Minijobber zum Elektroniktalent

„Ich wollte einfach nicht nur zu Hause sitzen und meine Zeit vertun, wollte etwas Sinnvolles machen“, so beschreibt Khoa Mike Nguyen seine Motivation, eine zu ihm passenden Ausbildung zu finden. Spontan war seine Entscheidung jedoch nicht. „Nach dem Abitur habe ich erst einmal einen Minijob bei einem Leiterplattenhersteller angenommen, ohne zu ahnen, dass es mich bald darauf in eben jenen Betrieb ziehen würde, in dem auch meine Eltern beschäftigt sind“, blickt Nguyen zurück auf den Beginn seiner Ausbildung. Bei der Scheidt & Bachmann GmbH in Mönchengladbach fühlt sich das Elektroniktalent sehr wohl und hat nun auch noch ein Elektronikstudium begonnen, um sich weiterzuentwickeln. Seine Ausbildung will er dennoch nicht missen: „Man ist einfach hautnah an der Materie und wird jeden Tag auch in der Praxis mit dem konfrontiert, was man in der Berufsschule nur in der Theorie lernt. Zudem denke ich, dass mich die Ausbildung auch charakterlich enorm gefördert und entwickelt hat“.