Überbrückungshilfen für Reisebüros und Reiseveranstalter

Überbrückungshilfen für Reisebüros und Reiseveranstalter
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Reisebüros und Reiseveranstalter sind von der Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Je mehr nationales und internationales Reisen eingeschränkt wird, desto schwieriger gestaltet sich die wirtschaftliche Situation in der Tourismusbranche. Die Überbrückungshilfe II der Bundesregierung hilft, die Ausfälle einzudämmen.

Welche Kosten sind förderfähig?

Förderfähig sind fortlaufende, im Förderzeitraum anfallende vertraglich begründete oder behördlich festgesetzte und nicht einseitig veränderbare betriebliche Fixkosten. Kosten gelten dann als nicht einseitig veränderbar, wenn das zugrundeliegende Vertragsverhältnis nicht innerhalb des Förderzeitraums gekündigt oder im Leistungsumfang reduziert werden kann, ohne das Aufrechterhalten der betrieblichen Tätigkeit zu gefährden.

Berücksichtigungsfähig sind ausschließlich Verbindlichkeiten, deren vertragliche Fälligkeit im Förderzeitraum liegt (inklusive vertraglich vereinbarte Anzahlungen). Verbindlich ist hierzu ausschließlich der Zeitpunkt der vertraglichen Fälligkeit, zu dem die Rechnung das erste Mal gestellt wird. Nicht relevant sind hingegen der Zeitpunkt weiterer Zahlungsaufforderungen, der Zeitpunkt der Zahlung oder der Zeitpunkt der Bilanzierung. Die betrieblichen Kosten dürfen jeweils nur einmalig angesetzt werden und nicht unter zwei Ziffern gleichzeitig.

Provisionen und Margen

Provisionen für Reisebüros oder Margen für Reiseveranstalter für Pauschalreisen, werden in der Überbrückshilfe anerkannt, wenn:

  • zwischen dem 18. März und 18. September 2020 gebucht wurden oder zwar vor dem 18. März gebucht, aber erst nach dem 31. August angetreten worden wären und
  • seit dem 18. März 2020 storniert wurden (Rücktritt des Reiseveranstalters oder des Reisenden vom Pauschalreisevertrag) und
  • bis zum 31. Dezember 2020 von den Reisenden angetreten worden wären.

Enthält u.a.

  • Reisebüros: Provisionen für stornierte Pauschalreisen. Es wird unwiderleglich vermutet, dass die Inhaber von Reisebüros den Reiseveranstaltern die Provisionen aufgrund Corona-bedingter Stornierungen zurückgezahlt oder zurückzuzahlen haben. Oder dass die Provisionen wegen einer coronabedingten Stornierung einer Pauschalreise ausbleiben. Reisebüros im Sinne der Überbrückungshilfe sind alle Vermittler von Pauschalreisen, unabhängig davon, ob die Vermittlung im stationären Vertrieb erfolgt.
  • Reiseveranstalter bis 249 Mitarbeiter: Kalkulierte Margen analog §25 UStG für stornierte Pauschalreisen. Es wird unwiderleglich vermutet, dass die Margen coronabedingt nicht realisiert werden konnten. Die kalkulierte Veranstalter-Marge ist um die kalkulierten Reisebüro-Provisionen zu vermindern, wenn die Reise über ein Reisebüro verkauft wurde.
  • Bei der Antragstellung sind die Provisionen bzw. die kalkulierten Margen für stornierte Reisen grundsätzlich im Monat des Reiseantritts geltend zu machen. Die Provisionen bzw. kalkulierten Margen für stornierte Reisen mit Reiseantritt bis 31. August sind den Fördermonaten September bis Dezember zu gleichen Teilen zuzuschlagen oder im ersten Fördermonat anzusetzen (Wahlrecht).

Diese Kostenposition kann nur von Reisebüros und Reiseveranstaltern geltend gemacht werden.

Beispiele:

1. Ein Kunde bucht am 3. Juni eine Pauschalreise mit Abreise am 16. Dezember. Der Kunde tritt vom Pauschalreisevertrag zurück bzw. der Reiseveranstalter sagt die Reise ab. Der Reiseveranstalter kann seine kalkulierte Marge (wie in §25 UStG Abs. 3) für diese Reise geltend machen - sowohl beim Direktvertrieb als auch beim Vertrieb über Reisebüros. Im letzteren Fall hat der Reiseveranstalter die für den Vertriebsweg Reisebüro kalkulierte Provision von seiner Marge abzuziehen, um sie dann geltend machen zu können. Das Reisebüro kann seinerseits die vereinbarte Provision geltend machen.

2. Ein Kunde bucht am 25. April eine Pauschalreise mit Abreise am 20. Juli. Bei Absage der Reise kann die Provision bzw. kalkulierte Marge (bei Vertrieb der Reise über ein Reisebüro abzüglich der Provision) geltend gemacht werden.

Gleiches gilt für eine Buchung vom 16. Februar mit geplantem Abreisetermin am 3. Oktober, die am 25. September storniert wurde.

Enthält nicht:

  • Provisionen/Margen für nach dem 18. September 2020 gebuchte Pauschalreisen.
  • Provisionen/Margen für Pauschalreisen, die nach dem 31. Dezember 2020 angetreten worden wären.
  • Provisionen/Margen für vor dem 18. März gebuchte Pauschalreisen, die bis zum 31. August 2020 angetreten worden wären.
  • Buchungen von Reiseeinzelleistungen oder sonstigen Reiseleistungen, die keine Pauschalreise darstellen (dies gilt auch bei Ausstellung eines Sicherungsscheins für Reiseeinzelleistungen).
  • Optionsbuchungen,
  • Umbuchungen,
  • Geschätzte Provisionen/Margen (nur Ist-Zahlen können berücksichtigt werden).

Beispiele:

Ein Kunde bucht im Reisebüro nur eine Hotelübernachtung in Griechenland. Die Provision kann nicht geltend gemacht werden, da nur eine Einzelleistung gebucht wurde.

Ein Reiseveranstalter hat eine Pauschalreise nicht in Eigenleistung (Direktvertrieb), sondern über ein Reisebüro verkauft (Bsp.: für 1.200 EUR Endkundenpreis). Die in seiner Marge (Bsp: 200 EUR bei Einkauf von Reisevorleistungen für 1.000 EUR) enthaltene Provision für das Reisebüro (Bsp.: 130 EUR) kann der Reiseveranstalter nicht geltend machen (sondern lediglich 70 EUR).