Abgrenzung von Drittstrommengen

Abgrenzung von Drittstrommengen
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Mit dem Energiesammelgesetz aus dem November 2018 wurden im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Neuregelungen zur Abgrenzung von Strommengen, die unterschiedlich mit der EEG-Umlage belastet sind, eingeführt. Die Abgrenzung von Drittstrommengen, also Strommengen, die von einem Unternehmen auf dem eigenen Betriebsgelände an Dritte weitergeliefert werden, ist relevant für Unternehmen, die aufgrund von Eigenversorgung oder der Besonderen Ausgleichsregelung eine verringerte EEG-Umlage zahlen.

Die Abgrenzung der weitergeleiteten Strommengen muss nach §62a EEG 2017 mit einer mess- und eichrechtskonformen Messung sichergestellt werden. Bis zum 31. Dezember 2020 besteht nach §104 Abs. 10 EEG noch eine Übergangslösung, die es betroffenen Unternehmen erlaubt, Schätzungen der Drittstrommengen vorzunehmen. Ab dem 1. Januar 2021 sind die Unternehmen allerdings verpflichtet, entsprechende Messgeräte zu nutzen und ein Messkonzept zu besitzen, welches beschreibt, wie die Drittstrommengen abgegrenzt werden. Das Messkonzept sollte eine vollständige Auflistung der Drittverbraucher, eine Auflistung der vorhandenen Messmittel und die für die Erfassung verantwortlichen Personen enthalten.

Zur Sicherstellung, ob eine Strommenge dem eigenen oder einem anderen Unternehmen (Drittstrommenge) zuzuordnen ist, gibt der Leitfaden Eigenversorgung der Bundenetzagentur drei Kriterien an, an denen Unternehmen sich orientieren können:

  • Wer übt die tatsächliche Herrschaft (Sachherrschaft) über die elektrischen Verbrauchsgeräte aus? Konkret heißt das z. B.: Wem gehört eine Maschine?

  • Wer hat Zugriff darauf? Wer bestimmt ihre Arbeitsweise eigenverantwortlich? Konkret heißt das z. B.: Wer entscheidet, wann die Maschine zu welchem Zweck eingesetzt wird?

  • Wer trägt das wirtschaftliche Risiko? Konkret heißt das z. B.: Wer ist wirtschaftlich beeinträchtigt, wenn die Anlage ausfällt?

Können Sie alle diese drei Fragen mit: „Nicht (allein) mein Unternehmen“ beantworten, handelt es sich um eine Drittstrommenge.

Da es für die Verpflichtung zur Abgrenzung dieser Drittstrommengen zahlreiche Konstellationen gibt, hat die Bundesnetzagentur im Oktober 2020 den "Leitfaden zum Messen und Schätzen bei EEG-Umlagepflichten" veröffentlicht, der anhand von Beispielen den Unternehmen bei der Anwendungspraxis eine Hilfestellung geben soll. Neben unterschiedlichen Weiterleitungskonstellationen, werden hier auch Beispiele für Bagatellverbräuche vorgestellt. Der Leitfaden gibt für Bagatellverbräuche einen Orientierungswert von 3.500 kWh/Jahr und eine Leistungsaufnahme von 0,4 kW pro Gerät an. Den Leitfaden der Bundesnetzagentur finden Sie hier.

Die wichtigsten Punkte des Leitfadens wurden von der IHK Schwaben übersichtlich in einem Merkblatt zusammengefasst.

Eine ausführliche Beschreibung zur Abgrenzung von Drittstrommengen finden Sie auch in diesem Merkblatt des DIHK.