DIHK-Umfrage im Netzwerk Industrie 2020

DIHK-Umfrage im Netzwerk Industrie 2020
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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Industrieunternehmen geben der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit ihres Industriestandorts mit 3,9 nur eine eher schlechte Bewertung – und damit eine ganze Notenstufe schlechter als noch vor drei Jahren (2017: 2,9). Die Bewertung berücksichtigt nicht die vielfältigen Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung der Corona-Krise, offenbart aber große strukturelle Probleme des Industriestandorts Deutschland, von denen das Netzwerk Industrie als enger Verbund von Herstellern, Zulieferern und Dienstleistern unabhängig von der Krise betroffen ist.
  • Die Beurteilung der 24 Standortfaktoren durch die Unternehmen hat sich innerhalb der letzten drei Jahre insgesamt verschlechtert – und das in Folge. Der Mittelwert aller „Schulnoten“ rutscht auf 3,6 (2017: 3,3; 2014: 3,2) – sie ist sogar die schlechteste Bewertung seit Umfrage-beginn 2008. So gibt es spürbare Rückschritte in etlichen Schlüsselbereichen, z. B. bei den bürokratischen Hürden und den Energiekosten. Allein die staatlichen Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden leicht verbessert eingeschätzt (3,3; 2017: 3,4).
  • Schlusslichter bei den Standortfaktoren sind mit einer mangelhaften Bewertung die „Fülle und Verständlichkeit von bürokratischen Auflagen“, mit denen Unternehmen tagtäglich zu kämpfen haben (4,8) sowie die „Dauer und Komplexität von Planungs- und Genehmigungsverfahren“. Bei letzterem verschlechtert sich die Bewertung gegenüber der Vorumfrage so stark wie bei keinem anderen Standortfaktor (4,7; 2017: 4,2). Hier besteht nach wie vor großer Handlungsbedarf. Erste Erfahrungen während der Pandemie zeigen, dass Verfahren durch Digitalisierung beschleunigt und Vorschriften sowie Fristen näher an der Praxis ausgerichtet werden können – Learnings, die in die Zeit nach der Krise mitgenommen werden sollten.
  • Schon fast traditionell landen die Komplexität des Steuerrechts (4,6; 2017: 4,5) und die Energiekosten auf den hinteren Plätzen. Viele Sondervorschriften und zum Teil sehr kurzfristige Steuerrechtsänderungen führen zu Rechtsunsicherheit und zu vermeidbaren Kosten bei der Befolgung der Gesetze. Bei den Energiekosten (4,5; 2017: 4,0) bestätigt die Bewertung durch die Unternehmen in noch stärkerem Maße, dass hier ein strukturelles, langfristiges Risiko für den Industriestandort Deutschland besteht.
  • Die Unzufriedenheit der Industrieunternehmen mit der digitalen Infrastruktur nimmt stetig zu (4,0; 2017: 3,7; 2014: 3,1; 2011: 2,5; 2008: 2,3) – und die Corona-Krise verdeutlicht, wie notwendig eine leistungsfähige Breitbandanbindung für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Industrie ist. Gerade der ländliche Raum, häufig Sitz von international erfolgreichen mittelständischen Industrieunternehmen („Hidden Champions“), ist unzureichend mit breitbandigen Internetanschlüssen versorgt.
  • Auf Platz 1 der Bewertung der Standortfaktoren landet mit einem Wert von 2,6 erneut die Energieversorgungssicherheit, allerdings hat sich auch dieser Faktor in der Einschätzung der Unternehmen gegenüber 2017 merklich verschlechtert (2,3). Ein rascher Netzausbau ist von entscheidender Bedeutung, um auch zukünftig die Versorgung mit Strom sicherzustellen. Positiv wird auch die Verfügbarkeit von Zulieferunternehmen und Kunden vor Ort (2,7) bewertet. Bei aller Internationalisierung bleibt die regionale Nähe von Dienstleistern und Zulieferern für das produzierende Gewerbe ein wichtiges Standbein – gerade auch in Krisenzeiten.