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IHK-Energiewende-Barometer 2016: Weiter auf steinigem Weg

IHK-Energiewende-Barometer 2016: Weiter auf steinigem Weg
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Jürgen Zander
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Die Energiewende ist für unsere Gesellschaft wie auch unsere Wirtschaft existenziell. Doch wie gut gelingt die Umsetzung? Um dieser Frage gezielt nachzugehen, hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ein jährlich stattfindendes Monitoring eingeführt. Die Ergebnisse für 2016 liegen jetzt vor.

1. Weniger kritisch, aber kein Selbstläufer

  • Die Chancen und Risiken der Energiewende gleichen sich 2016 über alle Unternehmen hinweg aus. Die durchschnittliche Bewertung der Auswirkungen der Energiewende auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wird als neutral gesehen.
  • Viele Möglichkeiten für Investitionen im Sinne der Energiewende werden derzeit nicht genutzt. Außerdem zeigt sich, dass der Anteil der Unternehmen, die aufgrund der Energiewende neue Absatzmärkte oder Geschäftsfelder erschließen, stagniert. Es ist fraglich, ob das Energiewende-Know-how „made in Germany“ weltweit nachgefragt wird.

2. Industrie spürt Energiewendekosten – Baubranche mit neuen Chancen

  • Die Industrie spürt die Energiewendekosten am intensivsten. Die energieintensiven Industrieunternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit vorerst nicht gefährdet, auch wenn sie sich bewusst sind, dass sie auf Entlastungen bei Stromsteuern, Netzentgelten und EEG-Umlage angewiesen sind. Mit der Umstellung der KWK-Umlage und die wieder anziehende EEG-Umlage kommen auf viele Betriebe neue Kosten zu.
  • Die Wirkung der Energiewende wird am positivsten im Baugewerbe angesehen. Fast die Hälfte der Bauunternehmen nutzt die Energiewende, um neue Geschäftsfelder zu erschließen. In den Branchen Handel und Dienstleistung ist der Anteil der Unternehmen, die von der Energiewende profitieren, dagegen weiter relativ gering. Für alle gilt: Bereits umgesetzte Maßnahmen zur Senkung der Stromkosten und das zuletzt stabile Strompreisniveau entfalten ihre Wirkung.

3. Chancen und Risiken zwischen Regionen ungleich verteilt

  • Die Energiewende verteilt Chancen und Risiken zwischen den Regionen und den Unternehmensgrößen weiter unterschiedlich. Während der Norden und der Süden eine leicht positive Bilanz ziehen, werden die Folgen der Energiewende im Westen und Osten etwas kritischer eingeschätzt - wenngleich deutlich weniger negativ als in den Vorjahren.

4. Energiepreise: Sinkender Ölpreis lässt Barometerwert klettern

  • Die weiterhin unkritische Situation auf den Energierohstoffmärkten kam deutlich zum Tragen und sorgte für einen Anstieg des Barometerwertes. Öl, Gas und Fernwärme wurden für nahezu die Hälfte aller Unternehmen billiger.
  • Durch den internationalen Handel der Energierohstoffe bleibt die Kostenbelastung vieler Unternehmen im internationalen Vergleich hoch. Dadurch ergibt sich aus den gesunkenen Energiekosten kein positiver Effekt für die eigene Wettbewerbsfähigkeit.

5. Versorgungsqualität auf hohem Niveau

  • Unterbrechungen der Stromversorgung hatten für Unternehmen im untersuchten Jahr eher eine abnehmende Bedeutung. Lediglich in Süddeutschland ist der Bedeutungszuwachs und -rückgang der Stromversorgungssicherheit ausgeglichen. Dort zeigen sich bei einem insgesamt weiter sehr guten Niveau der Versorgungssicherheit etwas mehr Probleme mit der Netzstabilität.

6. Energieeffizienz: Einsparpotenziale gehen zurück

  • Hohe Einsparpotentiale von mehr als 5 Prozent im Zeitraum der nächsten 5 Jahre werden von weniger als einem Viertel der Unternehmen gesehen. Dieser Rückgang liegt in den bereits durchgeführten Energieeffizienzmaßnahmen des letzten Jahres begründet. Bereits mehr als die Hälfte der Betriebe haben bereits in Energieeffizienz investiert.

7. Eigenerzeugung: Der Trend ist beendet

  • Die Zahl der Unternehmen, die auf Eigenerzeugung setzen oder den Einstieg planen, stagniert seit 2013. In diesem Jahr sank die Zahl der realisierten Maßnahmen erstmalig.

8. Alternative Antriebe: Angebot passt noch nicht

  • Die Nutzung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben ist in Unternehmen nicht weit verbreitet. Das liegt laut den Unternehmen vor allem an unzureichender Erfüllung der Anforderungsprofile und nicht zufriedenstellender Lade- und Tankstelleninfrastruktur.
  • Interesse an Fahrzeugen mit alternativen Antrieben besteht dennoch. Knapp ein Viertel der Betriebe beabsichtigen E-Fahrzeuge anzuschaffen, 12 Prozent der Unternehmen mit eigenem Fuhrpark nutzen bereits zumindest ein Elektrofahrzeug und 5 Prozent ein Erdgasfahrzeug.

9. Neue Netze – ja, bitte

  • Trotz des besseren Barometerwerts gibt es weiterhin viele Problematiken, die gelöst werden müssen. Einen Schwerpunkt setzen nun noch mehr Unternehmen beim Netzausbau. Die Energiewende kann nur ein Erfolg sein, wenn der Strom auch dort ankommt, wo er gebraucht wird.
  • Auch die hohen Stromkosten sind ein Anliegen, bei dem sich mehr als die Hälfte der Betriebe für eine Senkung der staatlichen Strompreisbelastung aussprechen.