english

Estland: Unternehmerreise in das digitale Tallinn

Estland: Unternehmerreise in das digitale Tallinn
© IHK Mittlerer Niederrhein

Ansprechpartner

Elke Hohmann
Elke Hohmann

Telefon: +49 2131 9268-571
Telefax: +49 2151 635-44571
E-Mail:
V-Card: Kontaktdaten speichern

Friedrichstraße 40
41460 Neuss

Silicon Valley Europas

Kein Staat in Europa ist so digital wie Estland. Und es gibt weit mehr interessante Unternehmen als nur Skype. Grund genug, sich die Digitalisierung und die damit verbundenen Möglichkeiten mal vor Ort anzusehen. Eine 15-köpfige Delegation vom Niederrhein und aus dem Bergischen Städtedreieck, Vertreter aus Unternehmen, Wirtschaftsförderung und Kommunen, machte sich vom 10. bis 12. Juni 2018 auf in die estnische Hauptstadt Tallinn.

Schon die erste Station der Unternehmerreise, der Besuch im e-Estonia Showroom, erfüllt alle Erwartungen. „Viele Staaten behaupten, beim Regieren auf E-Governance zu setzen. Sie setzen digitale Signaturen ein, wir Esten aber nutzen sie in unserem Alltag“, erklärt die Leiterin des Showrooms, Anna Piperal. Sie tritt den Beweis an und zeigt den Vertretern der Delegationsreise ihre digitale Bürgerkarte. Zu sehen sind auf dieser e-ID-Karte unter anderem Personalausweis, Führerschein, Gesundheitskarte. Alles kann digital unterzeichnet werden. Weitere Dienstleitungen des Alltags sind so abrufbar. „Nur drei Dinge machen die Esten nicht digital“, verrät Anna Piperal: „Heirat, Scheidung und den Kauf einer Immobilie.“

Für die Teilnehmer der Delegationsreise ist Datenschutz ein wichtiger Aspekt. Es wird erklärt, dass die ID-Nummer allein niemandem nützt, es braucht einen weiteren Code zur Identifizierung. Die Esten sehen in der Digitalisierung den Vorteil von mehr Transparenz und nicht den Nachteil des Missbrauchs: „Ich kann sehen, welche staatliche Stelle auf mein Profil zugreift. Alle Zugriffe werden getrackt“, erklärt Piperal. Grundlage für diese technische Lösung ist die Blockchain-Technologie. Auch verschreibungspflichtige Medikamente werden in Estland per digitalem Rezept geordert. Dies ist nur eine der digitalen Entwicklungen der Helmes AG.

Zur Steigerung der Kreativität bietet das Unternehmen seinen Mitarbeitern eine besondere Arbeitsatmosphäre. Moderne Büros, die das Zusammenarbeiten in Projektgruppen, aber auch die Arbeits- und Unternehmenskultur fördern, prägen das IT-Unternehmen. Die Helmes AG, zu dessen Kunden auch Kühne + Nagel, die estnische Energieagentur oder OECD gehören, hat sich, wie viele andere IT-Firmen, unweit des Zentrums von Tallinn im estnischen Silicon Valley, genannt Ülemiste City, angesiedelt.

Dass nicht nur Anwendungen für Dienstleistungen digital sind, erfährt die Gruppe beim Besuch der Firma Proekspert AG. Das Unternehmen hat den Deutsch-Estnischen Wirtschaftspreis 2017 zum Thema „Digitale Vernetzung – Fit für Industrie 4.0“ gewonnen. Beeindruckt hat die Präsentation von Geschäftsführer Henry Aljand nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch damit, dass das Unternehmen, das bereits seit 24 Jahren am Markt ist, immer noch das Flair eines Start-ups ausstrahlt. Den Wunsch von Henry Aljand nach einer stärkeren Kooperation mit deutschen Industrieunternehmen nimmt die Delegation gerne mit zurück nach Deutschland.

Digitale Bildung

Bildung ist für Estland sehr wichtig. Seit 1999 haben alle Schulen einen Internetanschluss. Rund 85 Prozent der Schulen sind an das Programm e-School angeschlossen. Ein Besuch beim Unternehmen eKool AS erlaubt Einblicke in diese Schulplattform, die Lehrern, Eltern und Behörden gleichermaßen einen Überblick über Lernprozesse gibt. So können Eltern Hausaufgaben und Noten ihrer Kinder online einsehen oder nachschauen, wann der nächste Schulausflug ansteht. Eltern werden online über Abwesenheiten informiert. Lehrer führen ein digitales Klassenbuch. Das nächste Ziel ist schon gesteckt – bis 2020 soll das Unterrichtsmaterial komplett digital sein.

Besuche des Business-Science-Parks Technolpol und des Innovationszentrums Mektory beweisen, dass Estland ein Hort für junge Unternehmen ist. Studierende und auch Schüler werden bei der Entwicklung von Ideen im Innovationszentrum Mektory aktiv begleitet und können Labore für die Weiterentwicklung ihrer Ideen nutzen sowie Möglichkeiten der Digitalisierung etwa in Programmierworkshops entdecken. Ein weiteres Highlight ist der Besuch des NATO Cooperative Cyber Defense Center of Excellence, das den Mitgliedstaaten Cybersicherheits-Expertisen in den Bereichen Technologie, Strategie und Recht anbietet. Abgerundet wird die Reise mit Gesprächen mit Vertretern des Estnischen Wirtschaftsministeriums, von Enterprise Estonia, E-Academy und Nortal AS