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IHK verleiht Energieeffizienzpreis 2016

IHK verleiht Energieeffizienzpreis 2016
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Stand: 08.11.2016

Ein Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme- und Kältekopplung bei der Oettinger Brauerei GmbH, ein neuartiger Wärmetauscher bei der Laufenberg GmbH und ein innovatives Walzwerk bei der Nappo & Moritz GmbH – drei wegweisende Energieeffizienzprojekte hat die IHK Mittlerer Niederrhein im Campus 44 in Krefeld ausgezeichnet. Zum zweiten Mal vergab die IHK gemeinsam mit den Energieversorgern der Region ihren Energieeffizienzpreis. „Damit wollen wir Unternehmen ehren, die erfolgreich Energieeffizienzprojekte im eigenen Unternehmen umgesetzt haben. Wir wollen diese guten Beispiele mit unserem Preis bekanntmachen und ich hoffe, dass unsere Preisträger möglichst viele Nachahmer finden“, erklärte IHK-Präsident Heinz Schmidt, der gemeinsam mit Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen, und Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, die Preise überreichte.

Den ersten Platz sicherte sich die Mönchengladbacher Oettinger Brauerei. Das Unternehmen hat in ein Blockheizkraftwerk mit Kraft-Wärme- und Kältekopplung investiert. „Wir gehen davon aus, dass sich unser Verbrauch an extern angeliefertem Strom dauerhaft um etwa ein Drittel verringert“, erklärte Geschäftsführer Dr. Karl Liebl. Das Herz der derzeit im Probebetrieb laufenden Kraftwerksanlage ist ein 16-Zylinder-Erdgasmotor mit einer Leistung von 2.000 Kilowatt, der zunächst Strom und Wärme für verschiedene Prozesse in der Produktion erzeugt. Die Abgaswärme des Motors wird für die Nachheizung des Heißwassers eingesetzt, das für den Sudprozess ebenso benötigt wird wie für die Flaschenreinigung und die Reinigung der Rohrleitungen. Über einen weiteren geschlossenen Kreislauf lässt sich die Motorwärme in einer Ammoniak-Absorptionsanlage für die Erzeugung von Kälte nutzen, und schließlich kann die Restwärme noch das aus eigenen Brunnen geförderte Wasser für den Brauprozess auf Temperatur bringen. „So eine komplexe Anlage mit einem Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent kann eigentlich nur in der Lebensmittelbranche voll ausgenutzt werden, in der neben elektrischem Strom auch Wärme und Kälte in großen Mengen benötigt werden“, stellt Liebl fest. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass sich die Investitionskosten von rund 1,5 Millionen Euro in das Blockheizkraftwerk bereits in gut zwei Jahren amortisiert haben werden.

Auf dem zweiten Platz rangierte die Krefelder Laufenberg GmbH. Das Unternehmen produziert in Krefeld-Hüls Papiere und Folien, die als Trägermaterial für Klebebänder, Heftpflaster und Aufkleber dienen. Die Anlagen des Unternehmens benötigen zum Trocknen der Silikonbeschichtung Warmluft. Dabei setzt die Geschäftsführung auf Wärmetauscher. Ein jüngst in Betrieb genommener neuartiger Wärmetauscher ist besonders effizient. Die rund 150 Grad Celsius warme Abluft der Beschichtungsanlage wird in diesem Rotations-Wärmetauscher genutzt, um die eingeleitete Frischluft auf eine Temperatur von rund 127 Grad Celsius zu erhitzen, so dass nur vergleichsweise wenig Energie nötig ist, um die Luft im Trocknungsverfahren auf die erforderlichen 185 Grad Celsius zu bringen. Feinstaubfilter in Zu- und Abluft verhindern ein vorzeitiges Verschmutzen des Rotationsrades, sodass der Wirkungsgrad des Wärmerades nicht beeinträchtigt wird. Desweiteren ist eine vollautomatische Abreinigungseinrichtung mit einer Hochdruckpumpe für Wasserreinigung des Wärmerades installiert. Das sogenannte Abreinigungswasser wird in einem Container aufgefangen und fachgerecht entsorgt. „Wir sparen auf diese Weise rund vier Millionen Kilowattstunden im Jahr“, sagt Laufenberg-Geschäftsführer Jörg Soding. „Das sind umgerechnet 1.200 Tonnen CO2.“

Den dritten Platz erzielte die Nappo & Moritz GmbH in Kempen. Das Unternehmen stellt Eiskonfekt und Nougat her. Die Geschäftsführung hat jetzt in neue Technik investiert, um die Süßigkeiten in größeren Stückzahlen bei deutlich geringerem Energieaufwand herzustellen.  
Ein modernes Walzwerk hat die veralteten Mühlen abgelöst. Mit der neuen Anlage kann das Unternehmen nun 1,2 Tonnen Schokoladenmasse in der Stunde herstellen, bisher waren nur 800 Kilogramm möglich. Energieeffizienter ist die Neuanschaffung außerdem: Bei der Produktion von Eiskonfekt wird jetzt gut ein Viertel der bisher benötigten Strommenge eingespart – das sind pro Jahr 613 MWh, was eine CO2-Verringerung von 353 Tonnen bedeutet. Umgerechnet wären das rund 6 Millionen Lkw-Kilometer. „Unsere Investition in die neue Anlage hat sich in mehrfacher Hinsicht gelohnt“, stellt der Geschäftsführer von Nappo & Moritz, Berndt Bleser, zufrieden fest. „Zum einen haben wir so deutliche Energieeinsparungen, dass sich die Investition in gut drei Jahren amortisiert haben wird. Zum anderen konnten wir mit dem neuen Walzwerk die Qualität unserer Produkte weiter verbessern und die tägliche Produktionsleistung deutlich erhöhen.“

Zur Einstimmung auf die Preisverleihung sprachen Heinz Schmidt, Garrelt Duin und Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung Deutsche Energie-Agentur (dena). „Die Wirtschaft – auch am Niederrhein – hat ihren Beitrag zur Energieeffizienz geleistet und wird ihn weiter leisten“, sagte Schmidt und appellierte an die Adresse der Politik. „Wachen Sie bei aller Notwendigkeit zum Klimaschutz darüber, dass Industrie bei uns eine Zukunft hat!“

Wirtschaftsminister Garrelt Duin stimmte Heinz Schmidt zu und erinnerte an das energiepolitische Zieldreieck aus Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit: „Alle drei Ziele müssen gleichermaßen verfolgt werden, die Wirtschaftlichkeit darf nicht aus dem Blick geraten – das gilt vor allem für ein Industrieland wie Nordrhein-Westfalen.“ Die Energiewende sei mit großem Aufwand und Kosten verbunden. „Diese Kosten müssen wir im Griff behalten, wenn wir weiterhin die Unterstützung der Bürger und Unternehmen bei der Energiewende haben möchten“, sagte Duin und versicherte mit Blick auf die Debatte um den Klimaschutzplan, dass sich die nordrhein-westfälische Landesregierung für „vernünftige“ Lösungen und gegen „pauschale Verbote und Einschränkungen“ aussprechen werde. „Schließlich brauchen wir die Wirtschaft, wenn die Energiewende ein Erfolg werden soll.“

Andreas Kuhlmann erinnerte daran, dass Deutschland heute die „vielfältigste Energieversorung der Welt“ habe: „Jetzt geht es darum, die Vernetzung voranzubringen.“ Für den dena-Geschäftsführer ist die Energieeffizienz eines der Schlüsselthemen zum Gelingen der Energiewende. „Die Annahme, ohne Einsparungen auszukommen, ist illusorisch“, sagte Kuhlman. Er lobte das vorbildliche Engagement der Preisträger des IHK-Effizienzpreises und appellierte an die Unternehmen, bei der Suche nach neuen Einsparpotenzialen nicht nachzulassen.

Der IHK Energieeffizienzpreis wurde mit Unterstützung der Stadtwerke Krefeld, der Stadtwerke Neuss und der Mönchengladbacher NEW AG ausgelobt. Alle Mitgliedsunternehmen der IHK waren eingeladen, sich um den Preis zu bewerben. Aus 28 Bewerbungen hatte eine Fachjury drei Preisträger ermittelt. Weitere Informationen unter: www.ihk-energieeffizienzpreis.de. Dort sind auch Filme über die ausgezeichneten Energieeffizienzprojekte.

Bildtext: Preisträger, Ausrichter und Sponsoren des IHK-Energieeffizienzpreises.