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IHK Mittlerer Niederrhein feiert ihre Gründung

IHK Mittlerer Niederrhein feiert ihre Gründung
© IHK Mittlerer Niederrhein

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Lutz Mäurer
Lutz Mäurer

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Stand: 22.06.2017

„Es war keine Zwangsehe – aber Liebe auf den ersten Blick war es sicherlich auch nicht.“ Mit diesen Worten kommentierte IHK-Präsident Elmar te Neues den Zusammenschluss der Industrie- und Handelskammern Krefeld, Mönchengladbach und Neuss zur IHK Mittlerer Niederrhein vor 40 Jahren. „Diese vier Jahrzehnte waren für die IHK und für unsere Region eine Erfolgsgeschichte, zu der viele beigetragen haben“, ergänzte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Dafür möchten wir uns heute bedanken.“ Anlässlich ihres Gründungstages hatte die IHK im Anschluss an die Sitzung der Vollversammlung zu einem Sommerfest eingeladen.

Elmar te Neues erinnerte an die besonderen Umstände der Fusion: „Der Zusammenschluss von Industrie- und Handelskammern wurde Anfang der 70er-Jahre in Nordrhein-Westfalen zum Trend.“ Verschiedene Fusionsmodelle wurden diskutiert, unter anderem auch ein Zusammengehen mit Aachen, Düsseldorf oder Wesel. „Nach vielen Sitzungen, Gesprächen und Briefen bahnte sich dann aber doch die Verbindung an, die wir heute als IHK Mittlerer Niederrhein kennen“, so te Neues. „Der neue Kammerbezirk sollte die kreisfreien Städte Krefeld und Mönchengladbach sowie die Kreise Neuss und Viersen umfassen.“

Mit Dr. de Weldige-Cremer, dem ersten Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, war auch einer der maßgeblichen Akteure der „Kammer-Hochzeit“ von 1977 zu Gast beim Sommerfest. „Man kann sagen, dass Sie als Trauzeuge ein glückliches Händchen gehabt haben“, bedankte sich te Neues.

Anschließend blickte er auf wesentliche Meilensteine der IHK-Arbeit zurück: „Damals wie heute ist die Duale Berufsausbildung eines der wichtigsten Themen für uns. 516.000 Menschen haben in den vergangenen vier Jahrzehnten eine IHK-Prüfung gemacht.“ Te Neues erinnerte an die Erfolgsgeschichte des von der IHK initiierten dualen Studiums, das als Krefelder Modell in ganz Deutschland bekannt wurde.

Neben der beruflichen Bildung gehörte der Einsatz für eine leistungsfähige Infrastruktur und ein ausreichendes Angebot an Gewerbeflächen zu den Daueraufgaben der vergangenen 40 Jahre. Te Neues nannte beispielhaft die Initiative „Zukunft durch Industrie – Krefeld“, die Gründung der Metropolregion Rheinland und die Aktion „Heimat shoppen“ als weitere Meilensteine der vielfältigen IHK-Arbeit.

„Nach diesem Rückblick stellt sich die Frage: Was haben wir von den kommenden vier Jahrzehnten zu erwarten?“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz zur Begrüßung der Trend- und Zukunftsforscherin Birgit Gebhardt. „Wie entwickeln sich Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Gesellschaft angesichts des demografischen Wandels, einem veränderten Mobilitätsverhalten, fortschreitender Digitalisierung und Industrie 4.0?“

Gleich zu Beginn ihres Vortrags machte die Hamburger Trendforscherin eines unmissverständlich klar: „Die Digitalisierung, wie wir sie heute erleben, ist weit mehr als nur ein weiteres Update, wie manche glauben.“ Vielmehr würden herkömmliche Fertigungsprozesse und Handelsmodelle grundlegend infrage gestellt. Nicht mehr die Produkte seien entscheidend, sondern die Daten der Konsumenten. „Damit wird demnächst das Geld verdient.“ Amazon, Google und Co. bezeichnete Gebhardt als „gatekeeper“ dieses Datenschatzes. „Die Macht dieser Unternehmen wird noch zunehmen – darauf sollten wir uns einstellen.“

Sie schilderte die Eindrücke von ihrer jüngsten Reise ins Silicon Valley. „Deep Learning“ sei das alles beherrschende Thema. „Es geht darum, Maschinen intelligent zu machen – das treibt alle großen Unternehmen um.“ Nachdem Roboter den Menschen die körperliche Arbeit abgenommen hätten, gehe es jetzt darum, dass die Maschinen die geistige Arbeit der Menschen übernehmen. „Operationsroboter sind heute besser als der Mensch in der Lage, komplexe und schwierige medizinische Eingriffe zu tätigen“, beschrieb Gebhardt ein Beispiel. „Ein solcher Roboter kann hier, in Krefeld, operieren und dabei von überall in der Welt aus gesteuert werden.“

Für die Arbeitswelt seien die Folgen des digitalen Wandels gravierend. „Digitalisierung bedeutet vor allem Vernetzung“, so Gebhardt. „In der Arbeitswelt der Zukunft werden Hierarchien und interdisziplinäre Gräben an Bedeutung verlieren, Kollaboration, Verhandeln und Austarieren dagegen immer wichtiger.“

Bildtext: Anlässlich ihrer Gründung 1977 feierte die IHK Mittlerer Niederrhein 40 Jahre „Kammer-Ehe“: Präsident Elmar te Neues (r.) und IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz schneiden die Torte an.