Analyse der IHK zum Jahreswechsel

Analyse der IHK zum Jahreswechsel
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Stand: 28.12.2018

Die Unternehmen in Krefeld blicken auf ein gutes Jahr zurück, starten aber nur noch vorsichtig optimistisch ins neue Jahr. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer Analyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein auf Basis eigener Daten und amtlicher Statistiken. „Es war ein konjunkturell gutes Jahr für den Mittleren Niederrhein und auch für Krefeld“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. 38 Prozent der Unternehmen in Krefeld meldeten bei der vergangenen Konjunkturumfrage im Herbst eine gute, nur 14 Prozent eine schlechte Geschäftslage. In einer Umfrage zu Jahresbeginn war die Einschätzung der Krefelder Betriebe sogar noch besser. Damals bezeichneten 49 Prozent ihre Geschäftslage als „gut“, 9 Prozent als „schlecht“. Dass die Betriebe zweimal hintereinander eine derart günstige Geschäftslage meldeten, ist zehn Jahre her.

Die gute konjunkturelle Lage wirkt sich auch auf den Krefelder Arbeitsmarkt aus. Die Zahl der Beschäftigten in der Seidenweberstadt ist von März 2017 bis März 2018 um 1,5 Prozent gestiegen. Gleichzeitig schufen etwa die Bereiche „Verkehr und Lagerei“ sowie „freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen“ neue Arbeitsplätze. Einerseits ist die Zahl der Arbeitslosen im Jahresverlauf um 2,6 Prozent gesunken, andererseits ist die Arbeitslosenquote in Krefeld nach Angaben der Arbeitsagentur mit 9,7 Prozent doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Die verbesserte Lage auf dem Arbeitsmarkt stellt die Betriebe allerdings auch vor Herausforderungen. „Wie in keinem Jahr zuvor haben die Unternehmen 2018 den Fachkräftemangel zu spüren bekommen“, erklärt Steinmetz. Mittlerweile bezeichnen rund die Hälfte der Unternehmer den Fachkräftemangel als größtes Konjunkturrisiko. Aber auch internationale Entwicklungen wie neue Zölle, der drohende Handelskrieg der USA mit der Volksrepublik China, der sich zuspitzende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und der noch immer unklare Ausgang des Brexit sorgen für eine Verunsicherung, die Investitionen der Betriebe bremst.

Steinmetz ist zwar optimistisch, dass die Krefelder Unternehmen auch im Jahr 2019 noch von der positiven Konjunktur profitieren: „Wir rechnen allerdings für das Jahr 2019 zurzeit mit geringeren Wachstumsraten auf dennoch hohem Niveau.“ 25 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass die Geschäftslage sich in den kommenden sechs Monaten noch einmal verbessert, 11 Prozent befürchten eine Verschlechterung der Lage. Der Großteil der Unternehmen erwartet, dass die Geschäftslage auf dem aktuell sehr hohen Niveau bleibt. Zu Jahresbeginn waren die Erwartungen der Betriebe noch etwas optimistischer.

Für 2019 erhofft sich der IHK-Hauptgeschäftsführer durch den „Aktionsplan Wirtschaft für Krefeld“ positive Impulse und zukunftsweisende Projekte für den Standort. Dass dies notwendig ist, zeigt die Standortanalyse, die von der IHK 2018 veröffentlicht wurde. Insgesamt geben die Unternehmen ihrer Stadt die Note Drei plus. „Sie, sehen also durchaus noch Verbesserungspotenzial“, erklärt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Zufrieden sind die Krefelder Unternehmen vor allem mit der guten Lage und der überörtlichen Verkehrsanbindung der Stadt. Auch die Infrastruktur im Bildungs- und Berufsbildungsbereich wird in Krefeld gut bewertet. „Die Unternehmen sind mit dem Angebot an allgemeinbildenden Schulen und Berufsschulen, der Weiterbildung und mit den (Fach-)Hochschulen in der Region durchweg zufrieden“, so Steinmetz. Einige innerstädtische Standortfaktoren – insbesondere die Straßenverhältnisse, der Zustand der Straßen und das Stadtbild – dagegen werden von den Krefelder Unternehmern stärker kritisiert als in der Gesamtregion Mittlerer Niederrhein. „Deshalb ist der von der Stadt und IHK initiierte Aktionsplan der richtige Weg, den Standort Krefeld weiterzuentwickeln und das Image der Stadt zu verbessern“, erklärt Steinmetz. Das Ziel sind konkrete Projekte zur Stärkung des Standorts in den Bereichen „Infrastruktur, Mobilität und Flächen“, „Innovation, Gründung und Digitalisierung“, „Bildung, Fachkräfte und Arbeitsmarkt“ sowie „Lebensqualität und Urbanität“. Diese Projekte werden von zahlreichen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung im Jahr 2019 gemeinsam entwickelt und anschließend der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auch die IHK Mittlerer Niederrhein wird ihren Teil zu einer erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung der Region im kommenden Jahr beitragen. 37 Projekte hat die Vollversammlung in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Rund 1,26 Millionen Euro stellt sie dafür zur Verfügung. „Der digitale Wandel, Mobilität und berufliche Bildung – das sind wesentliche Themen, mit denen sich die Unternehmen in Krefeld, Mönchengladbach, im Rhein-Kreis Neuss und im Kreis Viersen auseinandersetzen müssen“, erläutert Steinmetz. „Dabei werden wir unsere Mitgliedsunternehmen auch 2019 unterstützen.“