Blick über den digitalen Tellerrand

Blick über den digitalen Tellerrand
© IHK Mittlerer Niederrhein

Stand: 22.05.2018

An die Produktion von morgen werden hohe Anforderungen gestellt. Regierungen in der ganzen Welt haben die Relevanz des Themas längst erkannt. Was in Deutschland die Plattform Industrie 4.0 ist, ist in Frankreich die „Alliance Industrie du Futur“, in Italien die „Piano Industria 4.0“, und Japan hat die „Robot Revolution Initiative“ und die „Industrial Value Chain Initiative“. Es ist das erklärte Ziel, die länderübergreifenden Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung gemeinsam anzugehen. Aber welchen Nutzen hat der Niederrhein von diesen internationalen Kooperationen? Wie können sich Unternehmen einbringen? Diese und weitere Fragen haben Unternehmer vom Niederrhein mit Experten der Auslandshandelskammern (AHKs) Japan, Frankreich und Italien diskutiert.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein hatte zu diesem Treffen unter dem Motto „Digital@Lunch“ eingeladen. „Die meisten Unternehmen wissen, dass wir in Deutschland etwas tun müssen, um fit für die digitale Welt zu werden“, sagte Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. „Wie genau die Weichen gestellt werden müssen, kann man gut von denjenigen lernen, die schon besonders weit sind.“ Elke Hohmann, Leiterin des IHK-Bereichs Innovation/Umwelt, ergänzte: „Die digitale Transformation revolutioniert nicht nur die Wertschöpfungsketten nahezu aller Unternehmen und Branchen, sie verändert auch den Arbeitsalltag und unser Freizeitleben. Digitalisierung ist ein globaler Trend – Grund genug, heute mal über den digitalen Tellerrand des Niederrheins zu blicken.“

Den Anfang machte Alexander Angerer. Der Team-Leader International Business der Deutsch-Italienischen Handelskammer schilderte, wie sich in Italien durch umfangreiche Investitionsprogramme vor allem im Bereich Digitalisierung und Industrie 4.0 der Investitionsstau, der im Zuge der Krise entstanden sei, auflöse. „Dementsprechend gut sind die Marktchancen für deutsche Technologieanbieter“, sagte Angerer.

Das Thema Industrie 4.0 genießt auch in Frankreich einen hohen Stellenwert. Jörn Bousselmi, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer: „Die Stärken und Hürden sind andere als in Deutschland, die beiden Länder können sich daher gut ergänzen. Deutschland hat unter anderem einen ausgezeichneten industriellen Automatisierungsgrad, und der deutsche Maschinenbau ist weltweit gefragt. Digitale industrielle Kooperationsplattformen entwickeln sich, die Prozesssteuerung ist eine anerkannte deutsche Stärke.“ Frankreich könne beispielsweise im Bereich Software-Entwicklung punkten und verfüge über eine innovative Start-up-Szene. „Die Normierung und das Setzen von europäischen Standards sind dabei ein besonders wichtiges deutsch-französisches Kooperationsfeld im weltweiten Wettbewerb.“

Welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Gesellschaft hat, schilderte Dr. Lucas Witoslawski, stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer in Japan. „Japan durchläuft, ähnlich wie Deutschland, starke gesellschaftliche Veränderungen, und man erwartet, mit der Erhöhung des Digitalisierungsgrads sowie der Einführung neuer Technologien einigen dieser Probleme aktiv entgegenwirken zu können. Die Akzeptanz neuer Technologien ist in der japanischen Gesellschaft, trotz des zunehmenden Durchschnittsalters der Bevölkerung, sehr hoch.“ Dies führe dazu, dass neue Technologien auch gerne erprobt und genutzt würden. „Tätigkeiten, für die aus westlicher Perspektive der Mensch vorbestimmt ist, weil empathische Komponenten bei der Durchführung der Arbeit eine Rolle spielen – etwa in der Krankenpflege –, könnten aus Sicht der Japaner zum Teil von Robotern übernommen werden, solange es sich um Hilfstätigkeiten handelt.“

Abschließend stellte Dr. Gerd Bachmann die Plattform Industrie 4.0 aus Berlin vor und zeigte, wie durch Länderkooperationen Marktzugang, Wissenserweiterung und Cyber-Sicherheit verbessert werden können. Die Plattform Industrie 4.0 ist das zentrale Netzwerk in Deutschland, um die digitale Transformation in der Produktion voranzubringen. Im Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Verbänden wirken über 300 Akteure auf der Plattform mit. „Die Plattform entwickelt und koordiniert Informations- und Vernetzungsangebote, um Industrie-4.0-Lösungen bei Unternehmen bekannt zu machen“, so Dr. Bachmann. „Mit zahlreichen Praxisbeispielen, konkreten Handlungsempfehlungen und durch die Vermittlung von Testumgebungen gibt sie besonders den kleinen und mittelständischen Unternehmen Orientierung bei der Einführung digitaler Produktionsverfahren.“

Weitere Informationen zur Digitalisierung und Industrie 4.0 sind im Internet zu finden: www.ihk-rheinland-wirtschaft40.de

Bildunterschrift:
Blickten über den digitalen Tellerrand (v.l.n.r.): Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein), Alexander Angerer (AHK Italien), Dr. Gerd Bachmann (Plattform Industrie 4.0), Elke Hohmann (Leiterin des IHK-Bereichs Innovation/Umwelt), Jörn Bousselmi (AHK Frankreich) und Dr. Lucas Witoslawski (AHK Japan).     Foto: IHK