IHK-Regionalausschuss Viersen zu Gast bei „action medeor“

IHK-Regionalausschuss Viersen zu Gast bei „action medeor“
© action medeor

Stand: 19.11.2018

Das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk „action medeor“ in Tönisvorst ist die Notapotheke der Welt. Es engagiert sich außerdem in der Katastrophenhilfe sowie Entwicklungszusammenarbeit und trägt mit der pharmazeutischen Fachberatung dazu bei, dass die medizinische Versorgung in Krisenländern nachhaltig verbessert wird. Das und vieles Weitere haben die Mitglieder des Regionalausschusses Viersen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein während ihrer jüngsten Sitzung bei „action medeor“ erfahren. „Für uns ist das IHK-Netzwerk besonders wichtig, weil wir unsere Arbeit zum größten Teil aus Spenden finanzieren“, erklärte Vorstandssprecher Bernd Pastors. „Gerade Kooperationen mit Unternehmen spielen dabei eine immer größere Rolle.“

In der Katastrophenhilfe liegen die aktuellen Einsatz-Schwerpunkte im vom Bürgerkrieg gebeutelten Jemen, in Syrien, im Nordirak sowie im Südsudan und Kongo. „Im Jemen ist die Situation für die Menschen unerträglich“, berichtete Pastor. „Und wir sind eine der wenigen Organisationen, denen es überhaupt noch gelingt, ins Land reinzukommen.“ Im Nordirak betreibt das Medikamentenhilfswerk ein kleines Büro mit einem Mitarbeiter. In Syrien liegt der Fokus momentan auf der eingekesselten Stadt Idlib, in die „action medeor“ erst kürzlich ein MRT-Gerät gebracht hat. „Katastrophen, Krieg und Vertreibung sind die Hauptgründe dafür, warum Menschen aus ihren Heimatländern fliehen“, sagte Ausschussvorsitzender Andreas Böhm.

Wie es gelingen kann, dass Geflüchtete in ihrem Ankunftsland Fuß fassen, zeigt das Projekt „Ankommen in Deutschland – Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten vor Ort“, das der Kreis als eine von deutschlandweit elf Modell-Kommunen und -Kreisen zusammen mit der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt hat. Katarina Esser, Dezernentin für Soziales, Gesundheit und Arbeit im Kreis Viersen, berichtete über das Projekt und über die wesentlichen Ergebnisse. „Die Arbeitsmarktintegration ist auch eine Aufgabe unseres Kommunalen Integrationszentrums“, sagte sie. „Dabei arbeiten wir mit Partnern wie der Arbeitsagentur oder der IHK zusammen. Mit ihnen und anderen haben wir uns an einen Tisch gesetzt.“

Am Anfang des neunmonatigen Prozesses habe eine Bestandsaufnahme gestanden: So haben viele Unternehmen im Kreis Viersen offene Stellen. „Gleichzeitig hatten wir einen Zuzug von rund 1.100 Menschen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren – alles potenzielle Auszubildende für unsere Betriebe“, so Esser. Konzentriert habe man sich auf die Zielgruppe der Geflüchteten aus Eritrea, Iran, Irak, Somalia, Syrien und Afghanistan, die allesamt eine gute Bleibeperspektive haben. „Wir wollten arbeitsfähige Netzwerke schaffen, ein Institutionenverzeichnis erstellen und eine Prozesskette etablieren, die von der Zuweisung des Geflüchteten in die Kommune über den Sprachkurs bis zur Ausbildung alle Schnittstellen zwischen den Kooperationspartnern aufzeigt und gleichzeitig auf ein Minimum reduziert.“

Zum Abschluss des Projekts im Juni 2018 hat das Kommunale Integrationszentrum 14 gelungene Beispiele von Integration in den Arbeitsmarkt aus dem Kreis Viersen in einer Broschüre zusammengetragen. Sie trägt den Titel „Ankommen im Kreis Viersen. Wege in Arbeit und Beruf“. „Es gibt genug Probleme, die Betriebe, Geflüchtete und ehrenamtliche Helfer haben, bis der Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag unterschrieben ist“, sagte Esser. „Aber es gibt eine Fülle von guten Beispielen, die Mut machen. Und einige wenige wollten wir zeigen.“

Dass junge Geflüchtete Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben, belegen auch die aktuellen Ausbildungszahlen, die Dr. Bettina Rademacher-Bensing, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Krefeld, vorstellte: Demnach haben in diesem Jahr von 145 Bewerbern mit dem Hintergrund „Flucht und Asyl“ 54 eine Lehrstelle gefunden. 52 sind in einer anderen berufsvorbereitenden Maßnahme wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr oder einem Praktikum untergekommen. „Ich freue mich, dass wir auf einem guten Weg sind“, sagte Ausschussvorsitzender Böhm. „Denn Arbeit ist der Schlüssel für eine gelungene Integration.“