RWE-Vorstand Schmitz bei den Wirtschaftsgesprächen

RWE-Vorstand Schmitz bei den Wirtschaftsgesprächen
© IHK Mittlerer Niederrhein

Stand: 23.11.2018

Unter welchen Voraussetzungen kann die Energiewende gelingen? Wie lassen sich Klimaschutz und Versorgungssicherheit miteinander verbinden? Was bedeutet der Ausstieg aus der Kernenergie und der Kohlverstromung für die Unternehmen am Niederrhein und für einen Energieerzeuger wie RWE? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Rolf Martin Schmitz. Rund 300 Gäste waren zu den Mönchengladbacher Wirtschaftsgesprächen gekommen, um den Vorstandsvorsitzenden der RWE AG zu hören. Dazu hatten die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, die Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH (WFMG), die Rheinische Post und die Stadtsparkasse Mönchengladbach in den Hugo Junkers Hangar eingeladen.

Beim Begrüßungstalk stimmten IHK-Präsident Elmar te Neues und Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners das Publikum auf das Thema ein. „In der Diskussion um die Energiewende müssen ökologische Belange wie der Klimaschutz und wirtschaftliche Interessen wie die Sicherung von Arbeitsplätzen und wettbewerbsfähige Strompreise sorgfältig abgewogen werden“, sagte Reiners. Der IHK-Präsident stimmte dem zu und betonte, wie wichtig die Versorgungssicherheit für die Unternehmen ist: „Die Betriebe sind für ihre Anlagen und digitalen Prozesse auf eine permanente Energieversorgung angewiesen“, sagte te Neues. „Stromausfälle können für die Unternehmen sehr teuer werden.“

Wie die Energiewende aus Sicht von RWE gelingen kann, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden, erläuterte anschließend der gebürtige Mönchengladbacher Schmitz: „Erneuerbare und konventionelle Energien sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten einer Medaille: Kohle und Gas werden gebraucht, um Strom zu erzeugen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.“ Denn noch seien weder die notwendige Speichertechnologie noch die Netze für die erneuerbaren Energien vorhanden, so Schmitz. Gleichzeitig erlebe RWE einen tiefgreifenden Wandel: „Wir werden zum drittgrößten Erzeuger von erneuerbarer Energie in Europa.“

Nicht nur sein Unternehmen, sondern ganz Deutschland befinde sich durch die Energiewende in einem beispiellosen Transformationsprozess. „Das hat noch kein Industrieland vorher gewagt.“ Für Schmitz kann die Energiewende gelingen – wenn vier Voraussetzungen erfüllt werden: Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit der Strompreise, Ausbau der Netze und Gestaltung des Strukturwandels. „Gleichzeitig aus der Kernkraft und der Kohleverstromung auszusteigen – das ist zu viel.“ Das werde auf Kosten der Versorgungssicherheit gehen, so Schmitz, der für ein „vernünftiges Umbautempo“ plädierte, „damit die Energiekosten nicht noch weiter steigen“. Er verwies auf eine Studie des Instituts Frontier Economics, die von den Industrie- und Handelskammern der Region in Auftrag gegeben worden war. Demnach sind allein in Nordrhein-Westfalen    bis zu 300.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der energieintensiven Industrie abhängig.

„Der entscheidende Baustein bei der Energiewende ist der Ausbau der Netze“, erklärte der RWE-Chef. „Das ist der Schrittmacher der Energiewende.“ Leider seien erst 12 Prozent der geplanten Leitungen gebaut. „Wir brauchen eigentlich keine Kommission, die sich um den Ausstieg aus der Kohle kümmert, sondern eine Kommission, die sich um den Ausbau der Netze und der Erneuerbaren Energien kümmert“, sagte Schmitz mit Blick auf die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“, die derzeit erarbeitet, wie die Klimaschutzziele erreicht werden können und unter welchen Bedingungen eine schrittweise Reduzierung der Kohleverstromung möglich ist. Am Ausstieg aus der Kohle gebe es für RWE keinen Zweifel: „Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie.“ Zu einem möglichen früheren Ausstiegsdatum sagte Schmitz: „So weit liegen die Positionen nicht auseinander, es geht um acht Jahre.“ Aber die Regionen bräuchten genügend Zeit, um den Strukturwandel erfolgreich gestalten zu können.

„Wenn die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, könnte die Energiewende eine Erfolgsstory und ein Vorbild für andere Länder werden“, sagte Schmitz abschließend, „und dann wird sie auch einen großen Beitrag für den Klimaschutz leisten.“


Bildtext: Sie begrüßten Dr. Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender der RWE AG (3.v.l.), zu den Mönchengladbacher Wirtschaftsgesprächen (v.l.): Dr. Ulrich Schückhaus (WFMG), Elmar te Neues (IHK Mittlerer Niederrhein), Denisa Richters (Rheinische Post), Hans Wilhelm Reiners (Oberbürgermeister), Jürgen Steinmetz (IHK Mittlerer Niederrhein) und Hartmut Wnuck (Stadtsparkasse Mönchengladbach).     Foto: IHK