„Was wir von digitalen Champions lernen können“

„Was wir von digitalen Champions lernen können“
© IHK Mittlerer Niederrhein

Stand: 03.12.2019

„Der sicherste Grund zu scheitern ist, es gar nicht erst zu versuchen.“ Unter anderem mit diesem Statement hat Erik Heinelt die Besucher des Wirtschaftsforums im Schloss in seinen Bann gezogen. Dazu hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein in Kooperation mit der Rheinischen Post ins Schloss Neersen eingeladen. Heinelt weiß, wovon er spricht: Als Digital Native hat er sein Publikum unter dem Titel „Speed is King – Was wir von digitalen Champions wie Rocket Internet, Amazon & Co. lernen können“ auf eine Reise in die Welt der „neuen Unternehmen“ mitgenommen. Er hat für die Rocket Internet AG an der Expansion des Zalando-Business-Modells nach Japan und Brasilien gearbeitet und 2012 mit einem Studienfreund den Online-Reifenhändler Tirendo gegründet. Drei Jahre später hat er das Unternehmen für 50 Millionen Euro an Delticom verkauft. 2015 gründeten die Studienfreunde den Online-Vermittlungsservice ask-Charlie.

„Wir sind zum dritten Mal hier im Schloss Neersen – nach rheinischer Zählweise ist das jetzt also Tradition“, sagte IHK-Präsident Elmar te Neues in seiner Begrüßung und stimmte auf das Thema des Abends ein: „Für uns Unternehmer ist die Digitalisierung eine besondere Herausforderung. Wir tun aber gut daran, die Digitalisierung in allen Bereichen voranzutreiben.“ Te Neues sieht dabei nicht nur Unternehmer, die sich digitales Know-how aneignen müssten, sondern vor allem auch die Politik in der Pflicht. „Sie muss schnelles Internet verfügbar machen und den Informationsaustausch zwischen Unternehmen und Verwaltung vereinfachen.“ Willichs Bürgermeister Josef Heyes griff die Gedanken seines Vorredners auf: „Wir können diese Veranstaltung gerne zu einem Brauchtum werden lassen“, erklärte er in seiner Begrüßung. „Das Thema des Abends ist für uns alle wichtig. Für Unternehmen ebenso wie für die Verwaltung. Auch wir beschäftigen uns intensiv mit der Digitalisierung.“ Inwiefern dies unabdingbar ist, erläuterte Heinelt in seinem Vortrag.

„Das Internet hat unser Leben drastisch verändert. Längst stellt sich nicht mehr die Frage, ob etwas digitalisiert wird, sondern wann“, sagte der Referent. Dadurch würden sich Berufe und Branchen drastisch wandeln. Dies sehe man schon jetzt unter anderem in der Medienbranche und im Einzelhandel. Dabei stehe man immer noch am Tag 1 des Internets, und das elf Jahre alte iPhone sei nicht mal ein Teenager. „Die Kundenerwartungen passen sich diesen Entwicklungen an, und die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt.“ Was ist also zu tun?

Heinelt betonte, dass sich manche Kundenansprüche in den kommenden zehn Jahren nicht ändern werden: „Der Kunde verlangt auch in Zukunft günstige Preise, eine große Auswahl und schnelle Lieferung.“ Unternehmern rät er, darüber nachzudenken, wie man etwas zehnmal besser machen kann. Dabei sei die Geschwindigkeit bei der Umsetzung der Idee das A und O. „Und viele Start-ups hatten nicht einmal eine große Idee, haben sie aber dennoch umgesetzt, weiterentwickelt – manchmal auch in eine ganz andere Richtung – und es geschafft, das Unternehmen auf die richtige Bahn zu lenken.“ Wichtig sei, dass man den Großteil seiner Zeit über die Chancen und nicht über die möglichen Probleme der Digitalisierung im Unternehmen nachdenke.

Schließlich wies Heinelt darauf hin, dass man Großes niemals alleine verwirklichen könne. „Man braucht ein Team.“ Dass die Rekrutierung von Mitarbeitern immer schwieriger wird, erlebt er in seinem eigenen Unternehmen. „Auch hier müssen Unternehmen schnell sein.“ Ein schnelles Bewerbungsverfahren würde etwa fünf Tage dauern. Die Qualität dürfe darunter natürlich nicht leiden. Darüber hinaus setzt Heinelt auf seine Mitarbeiter: „Die sind die besten Botschafter, und das versuchen wir zu fördern, wo es nur geht, etwa durch Events oder Extra-Urlaub, wenn jemand einen guten neuen Mitarbeiter mitgebracht hat.“

Bildtext: Begrüßten den Referenten Erik Heinelt (2.v.r.) beim Wirtschaftsforum im Schloss (v.l.): Willichs Bürgermeister Josef Heyer, IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und IHK-Präsident Elmar te Neues.             Foto: IHK