Analyse der IHK zum Jahreswechsel

Analyse der IHK zum Jahreswechsel
© industrieblick / Adobe Stock

Stand: 20.12.2019

„Die wirtschaftliche Lage wird schwieriger – in Krefeld genauso wie in der gesamten Region“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, und fasst damit die Kernaussage einer Analyse der IHK zum Jahreswechsel zusammen. 42 Prozent der Unternehmen in Krefeld befanden sich bei der vergangenen Konjunkturumfrage im Herbst in einer guten, nur 16 Prozent in einer schlechten Geschäftslage. „Obwohl die Lage der Wirtschaft im Jahr 2019 gut war, bewerten die Unternehmen die Geschäftslage inzwischen nicht mehr so gut wie noch zu Jahresbeginn“, so Steinmetz. Schließlich ist der Geschäftslageindex, also die Differenz von Positiv- und Negativ-Meldungen, im Jahresverlauf von 33 auf 26 Punkte gesunken. Die Analyse basiert auf eigenen Daten und auf amtlichen Statistiken für das Jahr 2019.


Die Industrieumsätze lagen in den ersten drei Quartalen in Krefeld 10 Prozent unter dem Wert der Jahre 2018 und 2017. Insbesondere bei den Auslandsumsätzen meldeten die Krefelder Unternehmen im laufenden Jahr Verluste. Diese Umsätze gingen um 17 Prozent zurück. „Das lag auch an den internationalen Krisen“, so Steinmetz. Er warnt allerdings, die vergangenen Jahre der Hochkonjunktur zum Maßstab zu nehmen. „Wir sind eben wieder bei einer Normalauslastung. Der Industrieumsatz liegt etwa auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen zehn Jahre“, so Steinmetz.


Die Zahl der Beschäftigten ist in Krefeld von März 2018 bis März 2019 um 2 Prozent gestiegen, die Arbeitslosenquote ist stabil geblieben. Im November 2019 lag die Arbeitslosenquote in Krefeld noch immer bei 9,8 Prozent und damit doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig hat die Zahl der Arbeitslosen in Krefeld entgegen dem Bundesdurchschnitt um 2,2 Prozent zugenommen.


Die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen bleiben trotz Konjunktursorgen weiter positiv, wenngleich nicht mehr so stark wie zuvor. Auch der Fachkräftemangel bereitet den Unternehmen weiterhin Sorgen. Rund die Hälfte der Krefelder Betriebe meldeten im Spätsommer 2019 noch Personalbedarf. Mehr als die Hälfte davon können ihre offenen Stellen längerfristig nicht besetzten.


Sorgen bereiten den Unternehmen die politischen Verwerfungen auf internationaler Ebene, wie der Brexit, Zölle und Embargos. „Für das kommende Jahr bleiben die Erwartungen der Unternehmen zurückhaltend“, erklärt Steinmetz. 25 Prozent der Krefelder Unternehmen gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage im nächsten Jahr verbessern wird, 15 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus.


„In Zeiten einer sich gegebenenfalls eintrübenden Konjunktur zeigt sich, wie wettbewerbsfähig und krisenresistent Wirtschaftsstandorte sind“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Deshalb hat sich unsere Vollversammlung in diesem Jahr unter anderem mit Themen wie dem Strukturwandel im Rheinischen Revier und den Steuersätzen in unserer Region beschäftigt.“ Erfreulich sei, dass in einigen Städten über Steuersenkungen gesprochen wird.


Ein entscheidendes Datum für die Zukunft der Region wird der 13. September sein. „Auch bei den Kommunalwahlen wird über die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Kommunen entschieden. Wir werden uns mit sehr detaillierten Forderungen einmischen“, so Steinmetz.