IHK-Regionalausschuss Viersen

IHK-Regionalausschuss Viersen
© tomertu / Adobe Stock

Stand: 26.11.2019

Der Kreis Viersen ist Teil der Metropolregion Rheinland, aber dennoch ländlich geprägt. Wie sollte er sich aufstellen, um digital nicht abgehängt zu werden, um beim Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte zu bestehen und um auch in Zukunft wirtschaftsstark zu bleiben? Damit wird sich der Regionalausschuss Viersen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein künftig schwerpunktmäßig auseinandersetzen und regelmäßig Experten auf diesem Gebiet einladen.

Bei der jüngsten Sitzung des Unternehmergremiums, die am neuen Standort von Hefe van Haag in Kempen stattfand, stellte Dr. Sebastian Elbe von der wissenschaftlichen Politikberatung SPRINT erste Ergebnisse des Forschungsprojekts „Strategische Kooperationsregionen in ländlichen Räumen“ vor, das er im Auftrag des Bundes bearbeitet. „Ein Thema, das die Unternehmen im Kreis Viersen umtreibt, ist die Frage nach gleichwertigen Lebensverhältnissen in der Stadt und auf dem Land“, sagte Ausschussvorsitzender Andreas Böhm. „Sie spielen vor allem bei der Akquise von Fachkräften eine enorme Rolle.“

Das bestätigte der Experte Elbe, der in seinem dreijährigen Forschungsprojekt sieben ländliche Kooperationsregionen wie die Ems-Achse, den Bodensee und das Allgäu untersucht. Die Fachkräftesicherung ist dabei einer der ersten Themenkomplexe, zu dem Ergebnisse und Handlungsempfehlungen vorliegen. „Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen müssen als Arbeitgeber sichtbarer werden und eine zielgruppengerechte Ansprache finden“, erklärte Elbe. „Doch das schaffen sie in der Regel nicht allein. Deshalb müssen sie sich stärker untereinander – zum Beispiel in Branchenclustern – sowie mit den regionalen und überregionalen Partnern vernetzen.“ So könne es gelingen, innovative Formate zu schaffen und gemeinsam potenzielle Arbeitnehmer auf die Region und damit auch auf sich aufmerksam zu machen. „Doch natürlich braucht es auch eine strategische Personalarbeit in den Unternehmen“, mahnte Elbe und riet den Ausschussmitgliedern: „Zeigen Sie, was Sie zu bieten haben, zum Beispiel bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Damit können sie bei Fachkräften punkten.“

Ein Partner im Kreis Viersen auf diesem Gebiet ist „Competentia“, das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Mittlerer Niederrhein, das Anke Erhardt dem Regionalausschuss vorstellte. Das Ziel des Zentrums ist es, die Erwerbstätigkeit von Frauen in der Region zu erhöhen. Deshalb unterstützt es kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kostenlos dabei, durch effektive und innovative Maßnahmen eine lebensphasenorientierte Personalpolitik zu etablieren und damit Frauen als Arbeitnehmer für sich zu gewinnen und an sich zu binden. „Sich beraten zu lassen, kostet nichts – der Fachkräftemangel aber schon“, sagte Erhardt. „Und gerade das Fachkräftepotenzial von Frauen ist immer noch nicht optimal ausgeschöpft.“

Das Kompetenzzentrum, das 2013 an den Start gegangen ist, setzt auf Beratung, Veranstaltungen und persönliche Kontakte zu den Personalverantwortlichen in den Unternehmen, um die Wirtschaft für dieses Thema zu sensibilisieren. Aktuell hat es sich die Etablierung eines Mentoring-Programms und die Stärkung der Tourismus- und Gesundheitsbranche, in denen besonders viele Frauen im Kreis Viersen beschäftigt sind, auf die Fahne geschrieben. Zudem will es Frauen als Fach- und Führungskräfte sichtbarer machen – auch, indem sie auf Führungsaufgaben vorbereitet werden. Den Ausschussmitgliedern riet Erhardt: „Seien Sie offen für neue Ideen und haben Sie Mut zu ‚Gedöns‘, also zu den kleinen Veränderungen, die nicht nur Frauen das Berufsleben erleichtern. Und kommen Sie gerne auf uns zu.“