Konjunktur: Unternehmen sehen Entwicklung kritisch

Konjunktur: Unternehmen sehen Entwicklung kritisch
© Tino Neitz/Adobe Stock

Stand: 09.05.2019

Die Konjunktur in der Region Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein kühlt sich weiter ab, wird aber alles in allem noch als gut bewertet. Dies geht aus einer Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammern (IHK) Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf bei knapp 450 Unternehmen hervor. „Die Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage dabei weniger gut als zu Jahresbeginn“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. „Zudem weisen die Erwartungen der Betriebe darauf hin, dass zumindest in diesem Jahr keine Besserung mehr in Sicht zu sein scheint.“ Vor allem die weitere Entwicklung der Exporte sähen die Unternehmen kritisch.

Die gute Nachricht ist: Weiterhin beurteilen 38,7 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut und nur 13,9 Prozent als schlecht. Aber: Der Geschäftslagesaldo als Differenz der Gut- und Schlecht-Anteile ist mit 24,8 Punkten deutlich positiv, aber niedriger als noch zu Jahresbeginn (35,1 Punkte). „Dieser Rückgang betrifft alle Branchen – Industrie, Handel und Dienstleister – fast gleichermaßen“, erklärt Steinmetz.

Neben der aktuellen Geschäftslage haben die IHKs auch nach den Erwartungen für die kommenden Monate gefragt. Nur noch 22 Prozent der Betriebe rechnen mit besseren, aber jetzt 17 Prozent mit schlechteren Geschäften. Damit sind die Erwartungen noch einmal gedämpfter als zum Jahresbeginn. „Das bestätigt den bisherigen Eindruck, dass mit hohen Wachstumsraten in diesem Jahr nicht mehr zu rechnen ist“, sagt Steinmetz. Vielmehr sei die Wirtschaft trotz aktuell noch guter Lage in einer so schwierigen Phase wie schon lange nicht mehr. Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die Geschäftslage und die -erwartungen zusammenfasst, liegt bei einem Wert von 14,5 Punkten und ist damit so niedrig wie seit sechs Jahren nicht mehr.

Hatte die IHK zum Jahresbeginn noch davon gesprochen, dass die Konjunktur am Scheideweg sei, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer heute: „Das ist ein Rückschlag. Die Wirtschaft stemmt sich aber weiter dagegen.“

Ein Grund für die Konjunkturabkühlung liegt in der weiterhin stockenden Weltwirtschaft. Faktoren sieht die IHK insbesondere in den weiter schwelenden Handelskonflikten, in der wirtschaftlichen Schwäche Chinas und im weiterhin ungeklärten Brexit. Die Folge: 23 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem sinkenden Auslandsabsatz, nur noch 13 Prozent mit steigenden Exporten. „Auch dies betrifft alle Branchen“, betont Steinmetz. „So pessimistisch haben die Unternehmen die Exportentwicklung seit zehn Jahren nicht mehr eingeschätzt, und damals waren wir mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise.“

Zudem befürchten die Betriebe, dass die Exportentwicklung auch auf die Inlandsnachfrage übergreift. Diese wird mittlerweile von nahezu jedem zweiten Unternehmen als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung genannt. „Das ist ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen die Binnenkonjunktur als nicht mehr stabil einschätzen“, so Steinmetz.

Weiterhin sieht allerdings nahezu jeder zweite Betrieb im Fachkräftemangel ein wesentliches Konjunkturrisiko. Kaum verwunderlich also, dass trotz der Konjunkturabkühlung die Beschäftigungspläne der Unternehmen expansiv bleiben, wenngleich weniger ausgeprägt als zuvor. „Beim vergangenen Aufschwung wurden einige Unternehmen durch den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern gebremst. Wenn die Nachfrage wieder steigt, möchten sie jetzt gewappnet sein“, so Steinmetz. 21 Prozent der Betriebe möchten Mitarbeiter einstellen, 14 Prozent befürchten einen Beschäftigungsrückgang. Im Handel sind die Personalpläne im Vergleich zum Jahresbeginn sogar stabil geblieben. In der Industrie dagegen gibt es zum ersten Mal seit Spätsommer 2014 mehr Unternehmen mit Abbau- als mit Aufbauplänen.

Die Betriebe haben zudem ihre Investitionspläne leicht nach unten korrigiert. Diese bleiben aber aufwärtsgerichtet. 29,5 Prozent der Betriebe möchten ihre Budgets erhöhen, 22 Prozent möchten sie senken. Nur die Händler rechnen mit einer Senkung ihrer Investitionsbudgets.

Alle Ergebnisse stehen im Internet zum Download bereit:
www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/6934