Brexit: Mehrheit der Unternehmen glaubt nicht an Einigung

Brexit: Mehrheit der Unternehmen glaubt nicht an Einigung
© Andrey Kuzmin - Fotolia.com

Stand: 12.10.2020

Die Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien um ein Freihandelsabkommen sind ins Stocken geraten. Die Unternehmer der Region Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein glauben mehrheitlich nicht mehr an eine Einigung der beiden Parteien und gehen inzwischen von einem harten Brexit aus. „Wir sehen allerdings auch: Viele Betriebe haben dies bereits eingepreist“, erklärt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie-  und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. „Deutlich weniger Betriebe als bei einer Umfrage vor einem Jahr befürchten negative Folgen eines ungeregelten Austritts Großbritanniens.“

71 Prozent der Betriebe am Mittleren Niederrhein rechnen nicht damit, dass die weiteren Verhandlungen zu einem Erfolg führen und ein Abkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich erzielt wird. Sie gehen von einem harten Brexit aus. Die Großhändler sind noch relativ optimistisch. Von ihnen rechnet immerhin ein Drittel mit einem positiven Abschluss der Gespräche. „Zwar hoffen die Unternehmen noch auf eine Einigung, aber sie haben sich inzwischen auch schon mit dem worst case auseinandergesetzt“, kommentiert Steinmetz die Stimmungslage.

Wie auch im vergangenen Jahr hatte die IHK die Betriebe danach gefragt, wie sie die Auswirkungen des Austritts des Vereinigten Königreichs aus dem Binnenmarkt einschätzen. Die Zahl der Betriebe, die derzeit mit negativen Auswirkungen rechnen, liegt bei etwa 20 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es noch gut 30 Prozent gewesen. „Die Unternehmer hatten Zeit, sich auf die Lage vorzubereiten“, erläutert Steinmetz. „Viele haben die Übergangszeit genutzt, um ihre Geschäftsbeziehungen anzupassen, und vielfach sind die negativen Auswirkungen schon spürbar geworden.“
Ob harter oder weicher Brexit – die IHK-Umfrage zeigt, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU den Geschäftsbeziehungen zwischen den Unternehmen der Region und dem Vereinigten Königreich schadet. Im Frühsommer hatten 37 Prozent der Industrieunternehmen Großbritannien als wesentliches Exportziel benannt. Inzwischen sagen dies nur noch 24 Prozent. „Die Zahlen könnten Anhaltspunkte sein, dass die traditionell gute Partnerschaft unserer Unternehmen mit Großbritannien unter dem Brexit leiden könnte – das wäre sehr bedauerlich“, erklärt Steinmetz. „Umso wichtiger ist es, nach dem Austritt aus dem Binnenmarkt mittelfristig praktikable Lösungen für Warenverkehr und Handel zu finden, etwa in Form eines Freihandelsabkommens.“

Bei der Vorbereitung auf den Brexit unterstützt die IHK Mittlerer Niederrhein die Unternehmen mit diversen Beratungsangeboten und Informationen, darunter auch eine Checkliste zur Vorbereitung auf den Austritt Großbritanniens: www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/20314