IHKs legen Konjunkturumfrage vor

IHKs legen Konjunkturumfrage vor
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Stand: 20.10.2020

„Weder die Corona-Pandemie noch die dadurch ausgelöste Wirtschaftskrise sind im Spätsommer 2020 bereits überwunden. Wirtschaftlich zeigen sich aber seit der Jahresmitte deutliche Erholungstendenzen“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. „Über viele Branchen hinweg ist die Mehrheit der Unternehmen zuversichtlich, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzt“, ergänzt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Gleichwohl befürchten die Unternehmen, dass es länger dauern wird, an das Vorkrisenniveau wieder anzuknüpfen. Voraussichtlich werde das vor 2022 nicht der Fall sein. Das sind wesentliche Erkenntnisse aus der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein. Rund 850 Betriebe mit zusammen 82.500 Beschäftigten haben sich daran in der zweiten Septemberhälfte beteiligt.

„Die gute Nachricht ist: Die Unternehmen lernen mehr und mehr, ihre Wirtschaftstätigkeit trotz der pandemiebedingten Restriktionen aufrechtzuerhalten“, sagt Berghausen. „Allerdings gibt es auch eine schlechte Nachricht: Das Infektionsgeschehen hat sich wieder so verschlimmert, dass statt weiterer Lockerungen erneut Einschränkungen verhängt werden mussten, die vor allem die Gastronomie, die Freizeit- und Eventbranche sowie den Tourismus schwer treffen.“ Von einem baldigen Ende der Pandemie war die Wirtschaft nicht ausgegangen – viele Betriebe haben länger anhaltende Schwierigkeiten befürchtet. „Wenn es gelingt, einen flächendeckenden Lockdown zu verhindern, sollte sich die allmähliche Aufwärtsbewegung weiter fortsetzen können“, erklärt Steinmetz.

Mit aktuell 23 Prozent melden wieder etwas mehr Betriebe als noch zur Jahresmitte eine gute (+5 Punkte) und mit 32 Prozent deutlich weniger Betriebe eine schlechte Geschäftslage (-13 Punkte). Der Lageindikator – also die Differenz von Gut- und Schlecht-Meldungen – ist damit von seinem Rekordtief (-27 Punkte) deutlich auf jetzt nur noch -9 Punkte zurückgegangen. Darüber hinaus schlagen die erwarteten Umsatzeinbrüche für das laufende Jahr nicht so stark zu Buche, wie noch im April prognostiziert. „Dennoch ist die aktuelle Wirtschaftslage alles andere als befriedigend“, sagt Berghausen. Folglich rechnen die Unternehmen mehrheitlich auch nicht mehr mit einer raschen Erholung. Nur etwa jeder fünfte Betrieb geht aktuell davon aus, bereits zum Jahresende sein Vorkrisenniveau wieder erreicht zu haben. Im Juni war davon noch fast jeder Dritte ausgegangen.

„In der Industrie hat sich die Lage zwar wieder leicht entspannt. Dennoch präsentiert sie sich mit dem zweitschlechtesten Wert der vergangenen zehn Jahre“, erklärt Steinmetz. Während die Produzenten von Ge- und Verbrauchsgütern von besseren Exportperspektiven und damit höheren Zukunftserwartungen ausgingen, sähen die Aussichten bei den Produzenten von Investitionsgütern eher verhalten aus.

Im schwer von der Krise getroffenen Einzelhandel hellt sich das Klima etwas auf, dennoch sind die Erwartungen der Einzelhändler weiterhin gemischt. Während Pandemie-Gewinner wie Baumärkte profitieren, gehören beispielweise Bekleidungsgeschäfte zu den Verlierern.
Darüber hinaus trüben sich die Aussichten für Gastronomie, Hotellerie, Freizeit- und Tourismuswirtschaft angesichts steigender Infektionszahlen und weiterer Beschränkungen weiter ein. Ihnen ist es kaum möglich, ihre Geschäftsmodelle wirtschaftlich aufrechtzuerhalten. Folglich sind die Geschäftserwartungen der Wirtschaft für das Jahr 2021 insgesamt zwar etwas optimistischer, aber verhalten. Das wirkt sich lähmend auf das Investitionsverhalten aus und wird auch den Arbeitsmarkt weiter in Mitleidenschaft ziehen.

„Insgesamt dürfte die Unsicherheit über potenziell noch schärfere Restriktionen und weniger Konsum in Folge von Arbeitsplatzsorgen oder gar -verlusten eine wesentliche Rolle spielen“, so Steinmetz. „Nicht zu vergessen, dass es neben Corona weitere Herausforderungen zu meistern gilt. Etwa das Problem stationärer versus Online-Handel und die strukturelle Krise der Automobilbranche. Verschärfte Emissionsziele beim Klimaschutz belasten die regionale Wirtschaft zusätzlich. Der weltweit zunehmende Protektionismus, der drohende, vermutlich harte Brexit und die weitere Entwicklung der USA nach den Präsidentschaftswahlen machen unseren international engagierten Unternehmen darüber hinaus das Leben schwer“, so Steinmetz abschließend.