Bachelor Professional: IHK übergibt erstes Zeugnis

Bachelor Professional: IHK übergibt erstes Zeugnis
© IHK Mittlerer Niederrhein

Stand: 02.03.2021

„Wer Bachelor oder Master werden möchte, muss studieren.“ So lautete bisher das Credo. Dabei sind die Abschlüsse der Höheren Berufsbildung – zum Beispiel Industriemeister, Fachwirt oder Betriebswirt – schon lange gleichwertig mit den akademischen Titeln. Doch das wusste bisher so gut wie niemand. Das ändert sich nun. Die Bundesregierung hat mit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes im Januar 2020 die Fortbildungsstufen „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ eingeführt. Und etwa ein Jahr nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein nun Anna-Lena Schröder als eine der ersten nach der neuen Verordnung das Zeugnis „Geprüfte Bilanzbuchhalterin – Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung“ übergeben.  

Anna-Lena Schröder hat die Prüfung nach der alten Verordnung begonnen. „Weil sie die Voraussetzungen – jede der drei Aufgabenstellungen musste mindestens 50 Punkte erzielen – erfüllte, konnte sie in die neue Rechtsverordnung wechseln“, erklärt Cigdem Vural, IHK-Prüfungskoordinatorin Fortbildung. Anna-Lena Schröder, die zuvor eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten absolviert hat, erhofft sich dadurch Vorteile auch im Hinblick auf ein eventuelles späteres Masterstudium. „Nach meinem Abitur habe ich – gegen den Wunsch meiner Eltern, eine Ausbildung zu machen – Wirtschaftswissenschaften studiert. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das erst einmal nichts für mich ist. Eine Ausbildung war tatsächlich genau mein Ding“, sagt die 24-Jährige rückblickend.

Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, hebt die durch die Novellierung nun deutlich bessere Vergleichbarkeit von akademischer und dualer Ausbildung hervor: „Für die Absolventen der Höheren Berufsbildung sind das gute Nachrichten. Nun wird auf den ersten Blick deutlich, welch hohes Bildungslevel sie erreicht haben.“ Bisher sei der Nachweis über die Einstufung des Abschlusses im sogenannten Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) eher umständlich gewesen.

Neben den Bilanzbuchhaltern können ab sofort auch Medienfachwirte, Fachwirte für Einkauf, Industriemeister der Fachrichtung Printmedien und Meister für Veranstaltungstechnik die zusätzliche Abschlussbezeichnung Bachelor Professional erwerben. Für den IHK-Hauptgeschäftsführer kann das nur ein Anfang sein: „Es wäre wünschenswert, dass alle Absolventen der Höheren Berufsbildung so bald wie möglich auch den Professional-Titel in der Abschlussbezeichnung tragen dürfen. So macht schon die Abschlussurkunde klar: Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig.“ Hierfür seien aber noch Beschlüsse der jeweiligen Sozialpartner, die für die Neuregelung dieser Weiterbildungsprofile zuständig sind, notwendig.

Anna-Lena Schröder startet jetzt richtig durch. Die vergangenen Monate seien zwar sehr anstrengend gewesen. Aber es habe sich gelohnt. Und das nicht nur beruflich, sondern auch persönlich. „Der Zusammenhalt in unserer Gruppe war einfach toll – und es sind sogar Freundschaften daraus entstanden.“ Im März beginnt sie in einer neuen Steuerkanzlei – mit neuem Titel und jeder Menge Ehrgeiz. So würde sie gerne ehrenamtlich im IHK-Prüfungsausschuss arbeiten, Klausuren korrigieren oder auch Dozentin in der Erwachsenenbildung werden.

Weitere Informationen zur Höheren Berufsbildung und dem Weg zum Bachelor und Master Professional gibt es unter:
www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/7217

BILDUNTERSCHRIFT:
Anna-Lena Schröder darf sich jetzt als eine der ersten „Geprüfte Bilanzbuchhalterin – Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung“ nennen.  IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und IHK-Geschäftsführerin Daniela Perner (r.) haben ihr das dazugehörige Zeugnis überreicht.     Foto: IHK