Schließungen vermeiden

Schließungen vermeiden
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Stand: 16.11.2021

Angesichts zunehmender Neuinfektionen und einer steigenden Hospitalisierungsrate sorgt sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein um ihre Mitgliedsunternehmen. „Neuerliche Schließungen von Wirtschaftszweigen müssen unbedingt vermieden werden, die Unterstützungsleistungen für die von Umsatzeinbußen betroffenen Betriebe sollten verlängert werden, und die Arbeitgeber sollten mehr Möglichkeiten erhalten, Infektionsschutzmaßnahmen innerhalb des Unternehmens zu ergreifen“, formuliert IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz seine Erwartungen an die Ministerpräsidentenkonferenz und die Debatte zum Infektionsschutzgesetz im Bundestag in dieser Woche.

Aus Sicht von Steinmetz wäre es der „worst case“, wenn es im Dezember wieder – wie im Vorjahr – zu Schließungen von Geschäften oder dem Verbot von Weihnachtsmärkten oder Veranstaltungen kommen würde. „Damit dies vermieden werden kann, sind sinnvolle Eindämmungsmaßnahmen richtig. Mögliche Verschärfungen sollten durch Personenbegrenzungen, 3- und 2G oder eine Testpflicht für alle geregelt werden. Es muss jetzt auch für die kommenden Wochen unmissverständlich festgelegt werden, bei welcher Hospitalisierungsrate welche Beschränkungen gelten“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Dann würden die Betriebe nicht kurzfristig von Neuregelungen überrascht werden.

Klar ist aus Sicht von Steinmetz aber auch. „Es kommt auf das regionale Infektionsgeschehen und die Hospitalisierungsrate vor Ort an. Deswegen sollten Beschränkungen nicht bundesweit, sondern regional gelten. In Nordrhein-Westfalen ist die Lage weniger dramatisch, deswegen sollten die Beschränkungen hier auch weniger strikt ausfallen als in anderen Bundesländern.“

Steinmetz appelliert an die IHK-Mitgliedsunternehmen der Gastronomie, der Veranstaltungsbranche und des körpernahen Dienstleistungsbereichs, die notwendigen Nachweise konsequent zu kontrollieren. „Es ist nicht gut, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, die Impf-, Test- und Genesenennachweise werden nicht gründlich kontrolliert. Wer nicht kontrolliert, schadet damit der gesamten Branche.“

Nichtsdestotrotz werden die betroffenen Branchen nach IHK-Einschätzung alleine durch das erhöhte Infektionsgeschehen auch ohne weitere Schließungen bereits Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. „Viele Menschen schränken sich freiwillig ein. Es wird kein normaler Winter für Gastronomie, Handel und die Veranstaltungsbranche werden“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Deswegen sei es von Nöten, die Unterstützungsmaßnahmen jetzt schnell über den 31. Dezember hinaus zu verlängern. „Wir möchten, dass zum Beispiel auch kleine Theater, Cafés und Veranstaltungstechnikbetriebe Planungssicherheit haben und den Winter überstehen“, so Steinmetz.

Außerdem plädiert er dafür, den Arbeitgebern mehr Möglichkeiten zu geben, das Pandemiegeschehen einzudämmen. Steinmetz spricht sich für eine freiwillige 3G-Regelung am Arbeitsplatz aus: „Die Arbeitgeber wissen am besten, in welchen Bereichen ihres Betriebs 3G notwendig und zu kontrollieren ist. Deswegen sollten sie – auch durch Einholung von Informationen zum Impfstatus der Beschäftigten – Möglichkeiten erhalten, dies eigenverantwortlich umzusetzen.“ Schließlich hätten die Arbeitgeber ein ureigenstes Interesse daran, das Virus aus dem Betrieb herauszuhalten, damit das Unternehmen arbeitsfähig bleibt. Dies sei auch besser als eine pauschale bundesweite Homeoffice-Pflicht.

Mit Blick auf den unterdurchschnittlich niedrigen Anteil Geimpfter auf den Intensivstationen bekräftigt Steinmetz die Aussage, dass die Impfung nach wie vor der Ausweg aus der Pandemie sei. „Bei der Impfkampagne wurden die Betriebsärzte bisher eher stiefmütterlich behandelt. Ich bin mir sicher: Hätten die Betriebsärzte eine andere Funktion in der Kampagne erhalten, wäre die Impfquote besser.“ Aus Sicht der IHK sollten bei den notwendigen Booster-Impfungen betriebliche Impfaktionen viel mehr als bisher mitbedacht werden. „Dann werden vielleicht auch bisherige Impf-Skeptiker noch überzeugt. Die Industrie- und Handelskammern unterstützen betriebliche Impfaktionen“, betont Steinmetz.