Corona und Lieferprobleme bremsen Erholung

Corona und Lieferprobleme bremsen Erholung
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Stand: 22.02.2022


Die Wirtschaftslage im Rheinland bleibt zu Jahresbeginn 2022 positiv, auch wenn sie sich im Vergleich zum vergangenen Herbst nicht weiter verbessern konnte. Einen Dämpfer gab es bei den Erwartungen der Unternehmen. „Dies spiegelt sich in der Tendenz auch in den Einzelergebnissen der Leitbranchen am Mittleren Niederrhein wider. Die Lage ist aber nicht einheitlich“, so Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Gründe für die gebremste wirtschaftliche Erholung sind die unsichere Rohstoffversorgung und starke Preissteigerungen bei Energie und Rohstoffen. Außerdem haben die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie seit Herbst vergangenen Jahres das Wirtschaftsleben zum Teil erheblich belastet. Dies ist das Ergebnis des Konjunkturbarometers Rheinland der sieben IHKs im Rheinland. Mit gut 3.100 Betrieben war die Beteilung an der Befragung diesmal besonders hoch.

Die aktuellen Bewertungen der Unternehmen bleiben zwar hinter ihren Erwartungen aus dem vorigen Herbst zurück, zu einem stärkeren Einbruch ist es aber nicht gekommen. „Probleme verursacht dabei weniger die Nachfrageseite. Im Gegenteil, Produkte und Dienstleistungen aus dem Rheinland fragen die Kunden aus dem In- und Ausland weiterhin rege nach“, freut sich Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. 38 Prozent der beteiligten Betriebe bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als gut (zuvor 40 Prozent). Der Anteil schlechter Lageurteile ist auch nur um drei Punkte auf 18 Prozent gestiegen. Der somit leicht rückläufige Lageindex bleibt mit 21 Punkten deutlich positiv.

Eine überdurchschnittlich positive Stimmung herrscht in den meisten Industriebranchen, auch wenn sie ihre Lage teils weniger gut einschätzen als vor einem halben Jahr. Die Nachfrage im Baugewerbe zeigt sich weitgehend unbeeindruckt von Preissteigerungen, fehlenden Vorprodukten und Personalmangel. Der produktionsverbindende Großhandel profitiert von der Industrie, während die konsumnahe Sparte unter den flauen Geschäften der Einzelhändler leidet. Gastronomen und Hoteliers wurden seit Herbst durch die verschärften Corona-Auflagen erneut ausgebremst, während sich die IT- und die Beratungsbranche sehr zufrieden äußern.

„Ihre Konjunkturerwartungen für das Jahr 2022 hat die Wirtschaft aber deutlicher zurückgenommen“, so Berghausenweiter. Der entsprechende Indexwert ist um mehr als die Hälfte auf nur noch knapp positive 6,5 Punkte geschrumpft. Die Spanne zwischen den einzelnen Branchen ist beträchtlich. Sie reicht von plus 34 Punkten in der IT-Branche bis zu minus einem Punkt im Gastgewerbe sowie minus sieben Punkten im Einzelhandel. Beide befinden sich bereits jetzt in einer schwierigen Lage. Große Sorgen bereitet der Wirtschaft die weitere Entwicklung bei den Energie- und Rohstoffpreisen. „67 Prozent aller Betriebe sehen in diesem Bereich ein großes Konjunkturrisiko. Bei den Industriebetrieben sind es sogar 90 Prozent“, beziffert Berghausen diese neuen Höchstwerte.

Das Ergebnis der Leitbranchen am Mittleren Niederrhein ist ähnlich ambivalent. Besonders positiv sind die Lagebewertungen in der Chemischen Industrie, im Maschinenbau und in der Metallindustrie. Letztgenannte Branche konnte ihre Lagebewertung entgegen dem Trend sogar noch einmal verbessern. „Gleichzeitig sind diese Branchen auch deutlich zuversichtlicher als die Gesamtwirtschaft, obwohl die Rohstoffknappheit und die steigenden Energiepreise auch diese Branchen stark beeinträchtigen – aber die Auftragslage ist einfach sehr gut“, so Steinmetz.

Weniger positiv ist das Ergebnis in der Ernährungsindustrie. Keine Industriebranche meldet eine derart zurückhaltende Geschäftslage und so verhaltene Erwartungen. „In dieser Branche gibt es keine Dynamik in der Auftragslage. Gleichzeitig wird das Problem der Energie- und Rohstoffkosten von 95 Prozent der Unternehmen als wesentliches Geschäftsrisiko betont“, erklärt Steinmetz. Auch die Meldungen der am Niederrhein so wichtigen Logistikbranche sind eher verhalten. Die Geschäftslage konnte zwar leicht auf 13 Punkte gesteigert werden und liegt jetzt wieder knapp über dem langjährigen Durchschnitt, die Erwartungen lassen jedoch erahnen, dass sich dieser positive Trend nicht fortsetzt. „Die Branche fürchtet insbesondere die steigenden Kraftstoffpreise“, so Steinmetz. 78 Prozent der Logistikbetriebe sehen in den Energie- und Rohstoffpreisen dementsprechend ein aktuelles Geschäftsrisiko – einen so hohen Wert meldet keine Branche außerhalb der Industrie.

Entsprechend der insgesamt verhaltenen, aber positiven Erwartungen üben die Betriebe bei ihren Investitions- und Personalplänen etwas mehr Zurückhaltung als bislang. Dennoch überwiegen insgesamt mit 14 Punkten diejenigen mit gestiegenen Investitionsbudgets gegenüber jenen mit Einsparplänen. Kürzungen melden vor allem Unternehmen im Ernährungsgewerbe und im Gastgewerbe. Die Chemieindustrie dagegen möchte auf breiter Front investieren. „Als Investitionsmotiv nennen die Betriebe dieser Branche so häufig wie nie zuvor den Umweltschutz“, erklärt Steinmetz. Für mehr als die Hälfte der Betriebe in der Chemischen Industrie ist dies laut IHK-Umfrage das wesentliche Investitionsmotiv. „Die Anstrengungen, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, werden intensiviert“, erklärt Steinmetz.

Der Arbeitsmarkt ist insgesamt bislang sehr gut durch die Corona-Krise gekommen und mittlerweile wieder im Aufwärtstrend. Trotzdem wird das Instrument der Kurzarbeit noch häufig genutzt. Gleichzeitig steigen die Beschäftigtenzahlen. Auch die Personalpläne der Betriebe im Rheinland sind trotz der großen Konjunkturrisiken erneut positiv. Der Saldo zwischen den Betriebsmeldungen über positive und über negative Beschäftigungspläne liegt mit zwölf Prozentpunkten nur um drei Punkte unter seinem Wert im vergangenen Herbst. In der chemischen Industrie und in den IT-Branchen überwiegen die Expansionspläne am deutlichsten. „Das Gastgewerbe aber hat seine ursprünglichen Einstellungspläne für dieses Jahr angesichts seines coronabedingten Rückschlags aufgegeben“, so Berghausen abschließend.