Krefelder Gewerbe- und Industriebestandsgebietsanalyse

Krefelder Gewerbe- und Industriebestandsgebietsanalyse
© Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Strücken

Stand: 04.05.2022

Krefelds bestehende Gewerbegebiete verfügen über eine tragfähige Struktur, müssen aber, um zukunftsfähig zu bleiben, ökologisch und energetisch saniert werden. Um so genannte „Trading-Down-Prozesse“, also den Abbau des Leistungs- und Qualitätsniveaus, zu verhindern und einen effizienten Umgang mit Flächen zu gewährleisten, sind die minder- und ungenutzten Flächenpotenziale innerhalb der Gebiete vorrangig zu entwickeln. Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse „Gewerbe- und Industriebestandsgebiete in Krefeld“. Diese wurde von der Stadt Krefeld, der GGK Grundstücksgesellschaft der Stadt Krefeld mbH & Co. KG sowie der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein bei den Experten des Dortmunder Planungsbüros „STADTRAUMKONZEPT GmbH“ in Auftrag gegeben. Die Analyse ist Teil des „Handlungsprogramms Gewerbebrachflächen“, das wiederum in den „Aktionsplan Wirtschaft“ eingebettet ist.

„Gewerbeflächen sind ein Jobmotor. Heute und in Zukunft. An Anfragen ansiedlungswilliger Unternehmen mangelt es uns in Krefeld nicht, wohl aber an der Verfügbarkeit passgenauer Wirtschaftsflächen. Da der Ausweitung von Wirtschaftsflächen Grenzen gesetzt sind, werden wir als GGK mit unseren Initialpartnern neue Wege beschreiten, um die Anfragen auch künftig bedarfsgerecht bedienen zu können“, fasst Eckart Preen, Leiter von KREFELD BUSINESS, die Zielsetzung zusammen. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Mittlere Niederrein, betont: „Um den Wirtschaftsstandort zukunftsfähig aufzustellen, braucht es neben der Neuausweisung weiterer Flächen eine clevere und am Bedarf orientierte Nutzung der vorhandenen Flächen.“ Gleichzeitig sei die Stadt Krefeld gefordert, die vorhandenen Flächen dauerhaft für die Wirtschaft zu sichern. „Es bedarf eines gemeinsamen Commitments für den Erhalt der Gewerbe- und Industriestandorte, das auch über Legislaturperioden hinweg Bestand hat“, appelliert Steinmetz. „Denn Unternehmen brauchen klare und verlässliche Rahmenbedingungen, um positive Investitionsentscheidungen treffen zu können. Nur so werden wir Arbeitsplätze in Krefeld erhalten, weil Bestandsunternehmen nicht abwandern, ihre Standorte erweitern oder innerhalb der Stadt verlagern können. Nur mit einer klaren Standortpolitik werden wir auch neue Unternehmen für den Standort Krefeld begeistern können.“

Marcus Beyer, Planungsdezernent der Stadt Krefeld, freut sich über die Bestandsaufnahme der Experten, macht aber auch die Konsequenz der Ergebnisse deutlich: „Die Analyse zeigt, dass wir weiter daran arbeiten können, unser Potenzial zu nutzen und sogar auszuweiten. Wir können Vorhandenes optimieren. Das bestätigt den von uns begonnenen Weg. Die Analyse zeigt aber auch, dass der aktuelle und auch zukünftige Bedarf von Gewerbeflächen in Krefeld nicht ausschließlich durch das vorhandene Potenzial gedeckt werden kann. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Wir müssen in Zukunft neue Gewerbegebiete ausweisen, wie beispielsweise südlich des Elfrather Sees.“


Quintessenz des Gutachtens, das vom Team der „STADTRAUMKONZEPT GmbH“ angefertigt wurde, sind exemplarische Handlungsempfehlungen, auf welche Weise die „unter die Lupe genommenen“ Gewerbegebiete zukunftsfähig weiterentwickelt werden könnten. 31 Gewerbegebiete sind dafür in Krefeld erfasst und nach unterschiedlichen Kriterien beurteilt worden. Zu den Parametern zählten unter anderen der „städtebauliche Gesamteindruck“, „störsensible Nutzungen“ – beispielsweise angrenzende Wohngebiete –, Flächenpotenziale in Gestalt von Leerständen oder Freiflächen, diverse Verkehrskriterien (Anbindung, Erschließung etc.) sowie die vorhandenen Versorgungsangebote und die Flächenversiegelung.


„Im Ergebnis attestieren die Gutachter den Gewerbe- und Industriegebieten des Wirtschaftsstandortes Krefeld eine Art und Güte, die ein gutes, tragfähiges Fundament darstellt. Das, was wir vorhalten, lässt sich zukunftsfähig weiterentwickeln. Insofern werden wir an den Bestand anknüpfen und darauf aufbauen“, sind sich Planungsdezernent Beyer, Wirtschaftsdezernent Preen und IHK-Hauptgeschäftsführer Steinmetz einig. Danach sind nahezu alle Gewerbe- und Industriegebiete innerhalb der Stadt voll funktionsfähig. Nennenswerte Missstände sind kaum erkennbar und der Optimierungsbedarf beschränkt sich in den Gebieten auf einzelne, spezifische Aspekte. Gerade viele der Gebiete, die in jüngerer Zeit entstanden sind, weisen einen guten Gesamteindruck auf.

Die Gewerbegebietsanalyse teilt die Krefelder Gewerbe- und Industriebestandsgebiete in ein „Ampelsystem“ (Grün, Orange, Rot) ein. Demnach zeigt die Ampel für acht Gebiete auf Grün. Dazu zählen sämtliche Gewerbegebiete, die von der GGK entwickelt und weiterhin vermarktet werden. Zu den Visitenkarten der Stadt zählen beispielsweise die vier modernen Gewerbegebiete im Krefelder Süden einschließlich des Businessparks Fichtenhainer Allee. Der Europark Fichtenhain wird ebenfalls positiv bewertet, da er verkehrlich gut angebunden ist und über eine hohe städtebauliche Qualität verfügt. Ähnlich verhält es sich mit dem Industriegebiet „Am Südpark“ aufgrund seiner „hervorragenden Mobilitätsstruktur“. Weiteren 18 Gewerbeparks wird laut Ampelbewertung eine Platzierung im Mittelfeld bescheinigt. Lediglich fünf von 31 Gebieten sind im unteren Drittel einzustufen. Mit fortführenden Analysen und Vor-Ort-Begehungen entwickelten die Akteure des Planungsbüros, darunter Raumplaner und Geographen, konkrete Handlungsansätze – und zwar exemplarisch für fünf Standorte. Dazu zählen das Gewerbegebiet Bockum-Nord / Gartenstadt, das Industriegebiet Hafenstraße / Linn-Ost, das Gewerbegebiet Dießemer Bruch, das Gewerbegebiet Breuershofstraße und das Gewerbegebiet Hüls.

Die Analysen und darauf aufbauenden Handlungskonzepte sind dabei repräsentativ für die gesamte Entwicklung der Krefelder Gewerbegebiete. Umfassender Neuplanungen oder tiefgreifender struktureller Veränderungen bedarf es demnach nicht; vielmehr könnten zum Teil bereits punktuelle Optimierungen die lokalen Gewerbegebiete enorm aufwerten. In Gegenwart und Zukunft sind etwa Flächenpotenziale zu aktivieren, Gebäudesubstanz zu sanieren und regenerative Energiequellen zu nutzen. Außerdem ist es unerlässlich, dass der Erhalt gewerblicher Nutzungsmöglichkeiten gewährleistet bleibt. Ökologische und gestalterische Aufwertungen durchzuführen, sei laut Gutachtern ebenso empfehlenswert wie Aktivitäten, die darauf abzielten, ein Profil zu bilden und das Standortimage zu stärken.

„Die anstehenden Aufgaben zur Weiterentwicklung der Bestandsgebiete“, so Sebastian Siebert, Projektleiter der STADTRAUMKONZEPT GmbH, „bedürfen des Engagements von Stadt, Eigentümern und Unternehmen. Insofern ist es nun wichtig, im Dialog gemeinsame Schritte zu konkretisieren, um auf dem vorhandenen Fundament aufzubauen, die Krefelder Gewerbe- und Industriegebiete an aktuelle und zukünftige Herausforderungen anzupassen und damit der lokalen Wirtschaft weitere Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Nicht zuletzt minimiert das den Druck zur Inanspruchnahme neuer, knapper Gewerbeflächen.“

Die Initiatoren des Gutachtens begrüßten die Anregung, den Dialog zwischen Eigentümern, Unternehmen und allen beteiligten Akteuren zu fördern und sicherten zu, diesen Austausch im Rahmen des „Aktionsplans Wirtschaft für Krefeld“ zu initiieren.

Wer das Gutachten „Gewerbe- und Industriebestandsgebiete in Krefeld“ im Detail einsehen will, der findet es online im Ratsportal der Stadt Krefeld in den Unterlagen zum am 4. Mai stattfindenden Planungsausschuss und auf der Website der IHK Mittlerer Niederrhein unter:
www.ris.krefeld.de
www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/28326

Bildunterschrift:
Stellten das Gutachten „Gewerbe- und Industriebestandsgebiete in Krefeld“ gemeinsam vor: (v.l.) Marcus Beyer (Planungsdezernent der Stadt Krefeld), Sebastian Siebert (Projektleiter der STADTRAUMKONZEPT GmbH), Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein) und Eckart Preen (Leiter von KREFELD BUSINESS).

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Strücken