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Sachkenntnis im Einzelhandel - freiverkäufliche Arzneimittel

Sachkenntnis im Einzelhandel - freiverkäufliche Arzneimittel
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Vanessa Conrath
Vanessa Conrath

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Voraussetzungen

Grundsätzlich dürfen Arzneimittel im Einzelhandel nur in Apotheken in den Verkehr gebracht werden. Sie sind in der Regel erkennbar durch die Aufdrucke „apothekenpflichtig“ oder „verschreibungspflichtig“.

Außerhalb von Apotheken dürfen nur sogenannte "freiverkäufliche Arzneimittel" vertrieben werden.

1. Welche Arzneimittel freiverkäuflich sind, ist im Einzelfall oft schwierig festzustellen; ein Anzeichen hierfür ist insbesondere das Fehlen der Vermerke „verschreibungspflichtig“ oder „apothekenpflichtig“ auf den Packungen. Einzelheiten ergeben sich aus:

  • den § § 43, 44 Arzneimittelgesetz
  • der Verordnung über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel

Demnach gehören  beispielsweise zu den freiverkäuflichen Arzneimitteln: Baldrian-Extrakt, Kamillen-Extrakt, Knoblauchöl, Pfefferminzwasser.

2. Für den Verkauf von freiverkäuflichen Arzneimitteln bedarf es der Sach- kenntnis des Unternehmers, einer von ihm mit der Leitung des Unternehmens oder mit dem Verkauf beauftragten Person; bei mehreren Betriebsstellen ist eine Person mit Sachkenntnis für jede Betriebsstelle erforderlich.

3. Ohne Nachweis der Sachkenntnis können jedoch folgende freiverkäufliche Fertigarzneimittel verkauft werden, die mit ihrem verkehrsüblichen deutschen Namen bezeichnet sind; in ihren Wirkungen allgemein bekannte Pflanzen oder -teile sowie Presssäfte aus frischen Pflanzen oder -teilen, sofern nur mit Wasser gelöst;

  • Mineral-, Heil- und Meerwasser und deren Salze in ihrem natürlichen Mischungsverhältnis oder ihre Nachbildungen sind;
  • als flüssige Verbandsstoffe nur zu ihrer Entkeimung mit nicht verschreibungspflichtigen Stoffen oder Zubereitungen versehen sind;
  • ausschließlich zum äußeren Gebrauch bestimmte Desinfektionsmittel sind.

Ausnahmen

  1. Einzelhändler, die vor dem 1. Januar 1978 freiverkäufliche Arzneimittel erlaubterweise verkauft haben, also entweder eine Erlaubnis für den Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln und ärztliche Hilfsmittel besessen oder einen Drogenschrank angezeigt hatten, dürfen diese Tä- tigkeit weiter ausüben (Art. 3 § 14, Gesetz zur Neuordnung des Arznei- mittelrechts).

  2. Als Sachkenntnisnachweis werden bestimmte Prüfungen und Nach- weise anerkannt (§ § 10, 11, VO über den Nachweis der Sachkenntnis im Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln). Hierzu gehören einmal z. B. das abgeschlossene Pharmaziestudium, die Kaufmannsge- hilfenprüfung als Drogist oder die Abschlussprüfung als Apothekenhelfer. Zum anderen gilt jedoch auch als sachkundig, wer nach Ablegung der Kaufmannsgehilfenprüfung eine praktische Tätigkeit von mindestens 3 Jahren in einem Handelsbetrieb mit freiverkäuflichen Arzneimitteln oder eine 5jährige kaufmännische Tätigkeit, davon 2jährige leitende, mit frei- verkäuflichen Arzneimitteln nachweist. Diese Bestandsklausel gilt jedoch nur für Unternehmen, die den Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln vor dem 1. Januar 1978 befugt ausgeübt haben.

Sachkenntnisprüfung

Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, muss eine Sachkenntnisprüfung vor einem Prüfungsausschuss einer Industrie- und Handelskammer ablegen. Der Prüfungsbewerber hat sich bei derjenigen Industrie- und Handelskammer anzumelden, in deren Bezirk sein Beschäftigungsort, seine Aus- oder Fortbildungsstätte liegt oder der Bewerber seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat oder zuletzt hatte. Die Prüfungen werden abgenommen bei folgenden Industrie- und Handelskammern:

  • Ostwestfalen zu Bielefeld für die Bewerber in den Bezirken der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold
  • zu Dortmund für die Bewerber in den Bezirken der Industrie- und Handelskammer Arnsberg, Hellweg-Sauerland Industrie- und Handelskammer zu Dortmund Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen, Münster Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen Industrie- und Handelskammer Siegen
  • für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen für die Bewerber in den Bezirken der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, Bochum Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf Niederrheinische IHK Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen zu Essen Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid
  • Mittlerer Niederrhein, Krefeld für die Bewerber in den Bezirken der Industrie- und Handelskammer Aachen Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg Industrie- und Handelskammer zu Köln Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein, Krefeld

Für diese Prüfung erhebt die IHK Mittlerer Niederrhein eine Prüfungsgebühr in Höhe von 56,00 €.

Die Prüfungsanforderungen ergeben sich aus § 4 der Verordnung über den Nachweis der Sachkenntnis im Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln. Die Kenntnis der für freiverkäufliche Arzneimittel geltenden Vorschriften umfasst insbesondere:

  •  § 1 - 5, 8 - 11, 13, 21, 38, 43 - 52, 55, 60, 64 - 69, 84, 94 - 98, Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln in der z. Zt. gültigen Fassung.
  • VO über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel in der z. Zt. gültigen Fassung.
  • VO über den Nachweis der Sachkenntnis im Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln in der z. Zt. gültigen Fassung.
  • Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens in der z. Zt. gültigen Fassung.
  • Richtlinien für die wissenschaftliche Information und für die Arzneimittelwerbung in der z. Zt. gültigen Fassung.
  • PO der IHK Mittlerer Niederrhein für die Durchführung der Prüfung über den Nachweis der Sachkenntnis im Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln

Die Sachkundeprüfung wird schriftlich durchgeführt. Die Dauer der Prüfung beträgt 75 Minuten und besteht aus einem Aufgabensatz mit 50 Single-Choice-Aufgaben und 5 offenen Aufgaben. Bei den offenen Aufgaben sollen Drogen definiert werden (Erkennen der Droge, die Benennung des Hauptinhaltstoffes sowie des Hauptanwendungsgebietes). Eine nichtbestandene Prüfung kann beliebig oft wiederholt werden.

Vorbereitungslehrgänge

Ausbildungsträger, die auf die Prüfung über den Nachweis der Sachkenntnis im Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln außerhalb von Apotheken vorbereiten:
 
Im Bereich der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein:

  • DCB-Seminare e. K., Ringstr. 5 b, 04720 Döbeln-Neudorf, Telefon 03431 617942, Kathrin Hartwig (Internet: www.dcb-seminare.de)

  • MediCom Service e.K., Kleepfädchen 27, 41516 Grevenbroich, Andrea Teichmann, Telefon 02182 570560, (www.medicomservice.de)

  • S-C-D Seminar-Centrum-Düsseldorf, Ikenstr. 66, 40625 Düsseldorf, Telefon 0211 9292557, Günther Landau (Internet: www.s-c-d.de)

  • Q-Kolleg GmbH Alsdorfer Akademie, Bahnhofstr. 54, 52477 Alsdorf, Telefon 02404 9579-870, Markus Joußen (Internet: www.alsdorfer-akademie.de)

  • Internetgestützte Kurse zur Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung "Freiver- käufliche Arzneimittel" eBildung AG, Höhlsgasse 5 (und 2b), 35039 Marburg, Melanie Lessing, Telefon 06421 92250, (www.ebildung.de)

  • 4b Bundesweite berufliche Bildung & Beratung, Gabelsbergerstr. 10, 33604 Bielefeld, Telefon 0521 3043544, Christine Hartmann (Internet: www.4xb.eu)

  • Seminare-Weiterbildung-Verkauf Elisabeth Th. Huxel, Kommunikationstrai- nerin/Dozentin im Gesundheitswesen, Am Katenberg 4, 46284 Dorsten, Mobil 0176 51563550, (E-Mail: ethuxel@web.de)

  • otc-effektiv Seminare / Online-Kurse, Ulla Hallmann, Fronackerweg 11, 75417 Mühlacker, (Internet: www.otc-effektiv.de)

  • Apothekerin Frau Christa Kade / Schulungen vor Ort und Onlinekurse, Dunckerstr. 20, 10437 Berlin, Telefon 030 69207073, (E-Mail: kontakt@sachkunde-arzneimittel.de; Internet: www.sachkunde-arzneimittel.de


Weitere Ausbildungsträger nennt Ihnen die für Sie zuständige Industrie- und Handelskammer.

Literaturhinweise

Bücher

  • Freiverkäufliche Arzneimittel - Vorbereitung auf die Sachkenntnisprüfung und Leitfaden für die Praxis im Einzelhandel, (Fresenius-Niklas-Schilcher, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart, ISBN 3-8047-1840-X)

  • Arzneimittel im Einzelhandel - Ein Leitfaden für den Handel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln, (Reuter, Kiehl Verlag, ISBN 3-470-80199-1)

  • Freiverkäufliche Arzneimittel im Einzelhandel (Beer/Hartmann, Springer- Verlag GmbH Heidelberg, ISBN 978-3-642-10281-3)

Fragenkatalog

  • Freiverkäufliche Arzneimittel – Sachkunde für den Handel mit freiverkäuf- lichen Arzneimitteln (DIHK Publikationen Service, Werner-von-Siemens- Straße 13, 53340 Meckenheim, Telefon 02225  8893594, Fax 02225  8893595)

Einschlägige Gesetzestexte in der jeweils aktuellen Fassung

  • Verordnung über den Nachweis der Sachkunde für den Einzelhandel

  • Verordnung über den Nachweis der Sachkenntnis im Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln

  • Gesetz über die Werbung auf dem Gebiete des Heilwesens

  • Verordnung über die Zuständigkeiten im Arzneimittelwesen

  • Verordnung über apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel

  • Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz)

Drogensammlung

Drogen, die in der Sachkundeprüfung für freiverkäufliche Arzneimittel außerhalb von Apotheken geprüft werden können:

Anisfrüchte, Arnikablüten, Baldrianwurzel, Bärentraubenblätter, Birkenblätter, Brennnesselkraut, Eibischwurzel, Eichenrinde, Enzianwurzel, Fenchelfrüchte, Flohsamen, Gewürznelken, Hagebutten, Heidelbeere, Holunderblüten, Hopfenzapfen, Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Kürbissamen, Lavendelblüten, Leinsamen, Lindenblüten, Löwenzahnkraut, Malvenblüten, Melissenblätter, Mistelkraut, Pfefferminzblätter, Primelwurzel,
Ringelblumenblüten, Rosmarinblätter, Salbeiblätter, Schachtelhalmkraut, Schafgarbenkraut, Spitzwegerichkraut, Süßholzwurzel, Tausendgüldenkraut, Thymiankraut, Wacholderbeeren, Weißdornblätter mit Blüten, Wermutkraut.