Risikobarometer Mittlerer Niederrhein

Risikobarometer Mittlerer Niederrhein
© IHK Mittlerer Niederrhein

IHK und Creditreform: Auch bei konjunktureller Erholung bleibt das Risiko hoch

Im Frühjahr 2020 begann in Deutschland eine Ausnahmesituation, die bis heute
andauert. Im März stiegen die Zahlen der mit dem Corona-Virus infizierten Menschen massiv an, Lieferketten brachen infolge von Grenzschließungen zusammen, Mitarbeiter waren aufgrund von Schulschließungen schlechter verfügbar. Die weltweite Wirtschaft und die Wirtschaft am Mittleren Niederrhein wurden gleichermaßen in eine tiefe Krise geführt. Hinzu kamen erschwerte Rahmenbedingungen durch international weiter aufkeimende Protektionismustendenzen und der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union zum Jahresende 2020.

Vor allem aber ist die Pandemie-indizierte Unsicherheit bezüglich der kurz- und langfristigen Auswirkungen auf die Unternehmen im Jahresverlauf eher noch gewachsen. Denn der anzunehmende weitere Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung vieler
Betriebe ist zu stark abhängig davon, wie lange dieser Ausnahmezustand die Firmen noch beeinträchtigen wird.

Letztlich gilt die gestiegene Prognose-Unsicherheit damit auch für die Wahrscheinlichkeiten des Marktausscheidens von Unternehmen, welche die IHK Mittlerer Niederrhein gemeinsam mit der Creditreform Düsseldorf / Neuss seit 2019 in einem jährlichen Risikobarometer näher untersucht. Die Ausfallrisiken der Unternehmen haben wir deshalb für das Jahr 2021 in drei unterschiedlichen Szenarien betrachtet. Die Grundannahme variiert dabei von einer Erholung in kurzer Zeit bis zu einer Erholungsdauer von 2 Jahren und länger.

Die Ergebnisse der letzten Konjunkturumfragen von IHK und Creditreform deuten zwar auf eine insgesamt langsame, aber anhaltende Erholung der wirtschaftlichen Lage im Vergleich zum Sommer bzw. zum Frühjahr hin. Dennoch bewerten am Mittleren Niederrhein zum Jahresende immer noch 33 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als schlecht, nur 29 Prozent hingegen als gut.

Das Risikobarometer Mittlerer Niederrhein ist ein Instrument zur Abschätzung der
derzeitigen Risikosituation vor allem derjenigen Unternehmen und Branchen in der Region, die sich gerade in einer schlechten oder schwierigen Geschäftslage befinden. Dadurch werden mögliche Gefährdungspotenziale und ein Rahmen möglicher Konsequenzen für die Gesamtwirtschaft am Mittleren Niederrhein abgesteckt. Letztlich hilft dies auch, frühzeitig gezielte Gegenmaßnahmen zu identifizieren.

Der Blick unserer Studie geht dabei über die Betrachtung reiner Insolvenzzahlen  hinaus, da diese zum einen eine bereits sehr hohe Eskalationsstufe darstellen und zum anderen durch die Aufhebung der Insolvenzpflicht innerhalb der vergangenen 12  Monate nur eine verminderte Aussagekraft aufweisen. Das Risikobarometer betrachtet daher vor allem die Bonität und die Stabilität der Unternehmen.