Mittlerer Niederrhein im Deutschlandvergleich

Die IHK hat aktuellste volkswirtschaftlichen Indikatoren der Region Mittlerer Niederrhein (Krefeld, Mönchengladbach, Rhein-Kreis Neuss und Kreis Viersen) mit den durchschnittlichen Werten des Landes und des Bundes verglichen. Dies soll Einblicke in die Attraktivität der Region für Unternehmen geben. Die Indikatoren decken die folgenden Themenfelder ab:

1. Wirtschaftskraft

2. Beschäftigung

3. Arbeitslosigkeit 

4. Kaufkraft

5. Steuern

6. Gewerbeanzeigen

7. Bevölkerungsstruktur

 

Wirtschaftskraft

 Produktivität: BIP in jeweiligen Preisen je Erwerbstätigem 

Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Erwerbstätigem wird häufig als Maß für die Produktivität herangezogen. Am Mittleren Niederrhein lag das BIP 2019 bei 73.328 Euro je Erwerbstätigem. Das ist weniger als im nordrhein-westfälischen und deutschen Durchschnitt (74.361 und 76.190 Euro je Erwerbstätigem).

Am größten ist das BIP je Erwerbstätigem mit 87.156 Euro im Rhein-Kreis Neuss. In Krefeld ist es mit 74.276 Euro je Erwerbstätigem durchschnittlich, in Mönchengladbach und dem Kreis Viersen dagegen deutlich geringer (65.855 Euro und 66.026 Euro).

 

Wachstum der Produktivität seit 2010 (2010=100)

Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder

In allen Teilregionen ist die Produktivität seit 2010 deutlich gestiegen. Im Schnitt lag der Anstieg am Mittleren Niederrhein bei gut 15 Prozent. Besonders stark war der Anstieg in Mönchengladbach und im Kreis Viersen. Dennoch bleibt das Produktivitätswachstum hinter dem Deutschlands zurück.

 

Exportquoten der Industrie

Quelle: IT.NRW 

Mit 51,6 Prozent ist die Exportquote (gemessen als Anteil der Auslandsumsätze an den Gesamtumsätzen) der Industrie am Mittleren Niederrhein deutlich größer als die der Industrie in Deutschland oder NRW. Besonders exportstark ist dabei der Rhein-Kreis Neuss. Auch Krefeld weist eine Quote von mehr als 50 Prozent auf.

 

Beschäftigung

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung 2021 (absolute Zahlen)

Quelle: Agentur für Arbeit

Am Mittleren Niederrhein gab es im Jahr 2021 insgesamt rund 449.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Mehr als ein Drittel (157.192) von ihnen arbeitet im Rhein-Kreis Neuss, 23 Prozent in Mönchengladbach (102.296) und je rund 21 Prozent in Krefeld (94.912) und dem Kreis Viersen (95.454).

 

Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung seit 2010 (2010 = 100)

 

Quelle: Agentur für Arbeit

2010 waren es noch 373.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Mittleren Niederrhein. Somit ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung am Mittleren Niederrhein im Jahr 2021 seit 2010 um 20,6 Prozent gewachsen. In Nordrhein-Westfalen lag das Beschäftigungswachstum im gleichen Zeitraum bei 20,7 Prozent, in Deutschland bei 20,9 Prozent. Damit bleibt das Beschäftigungswachstum geringfügig hinter dem Deutschlands zurück.

 

Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Qualifikation

Quelle: Agentur für Arbeit

Am Mittleren Niederrhein haben 59,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen anerkannten Berufsabschluss. In allen Teilregionen des Mittleren Niederrheins liegt dieser Anteil bei rund 60 Prozent. In Nordrhein-Westfalen haben im Schnitt 58,8 Prozent einen anerkannten Berufsabschluss, in Deutschland sind es mit 61,2 Prozent etwas mehr. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ohne anerkannten Berufsabschluss ist am Mittleren Niederrhein mit 14,6 Prozent vergleichbar zu dem in Nordrhein-Westfalen, liegt jedoch etwas über dem in Deutschland (12,3 Prozent). In allen Teilregionen am Mittleren Niederrhein liegt dieser Anteil über dem Deutschlandschnitt, in Mönchengladbach ist es mit 16,3 Prozent besonders deutlich. Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit akademischem Abschluss liegt am Mittleren Niederrhein bei 13,3 Prozent. In Nordrhein-Westfalen sind es 16,2 Prozent, in Deutschland 17,4 Prozent.

 

Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nach Wirtschaftsbereichen

Anteil an Gesamtbeschäftigung in Prozent, jeweils zum 30.06.2020 Deutschland Nordrhein-Westfalen Mittlerer Niederrhein
Insgesamt

 

   
A Land- und Forstwirtschaft, Fischerei 0,8 0,5 0,9
B Bergbau 0,2 0,2 *
C Verarbeitendes Gewerbe 20,6 19,3 19,4
D Energieversorgung  0,8 0,9 1,0
E Wasserversorgung; Abwasser- und Abfallentsorgung 0,8 0,9 1,1
F Baugewerbe 5,8 5,1 5,1
G Handel 13,5 14,3 18,3
H Verkehr und Lagerei 5,5 5,6 6,9
I Gastgewerbe 3,1 2,5 2,2
J Information und Kommunikation 3,5 3,3 1,6
K Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 2,9 2,9 2,6
L Grundstücks- und Wohnungswesen 0,8 0,8 0,6
M freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen  6,9 7,3 5,1
N sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen  6,6 7,1 7,5
O Öffentliche Verwaltung, Verteidigung 5,6 5,3 4,7
P Erziehung und Unterricht 4,0 3,9 2,5
Q Gesundheits- und Sozialwesen 15,0 16,5 16,4
R Kunst, Unterhaltung und Erholung 0,9 0,9 1,0
S sonstige Dienstleistungen 2,5 2,6 2,3
T Private Haushalte mit Hauspersonal 0,1 0,2 0,2
U Exterritoriale Organisationen und Körperschaften 0,1 0,0 *

Quelle: Agentur für Arbeit

Die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verteilen sich auf die verschiedenen Wirtschaftsbereiche. Einige Branchen sind, gemessen an ihren Beschäftigtenanteilen, am Mittleren Niederrhein anders stark vertreten als in Deutschland oder Nordrhein-Westfalen, sodass sich hier zum Teil eine wirtschaftliche Prägung des Standortes spiegelt. So sind vor allem der Handel und die Verkehr- und Logistikbranche am Mittleren Niederrhein anteilig deutlich stärker vertreten als in Deutschland oder Nordrhein-Westfalen. Dagegen sind Branchen wie das Gastgewerbe, Information und Kommunikation, die Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen oder der Bereich Erziehung und Unterricht gemessen an der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung am Mittleren Niederrhein weniger stark vertreten. Im Gesundheitsbereich arbeiten am Mittleren Niederrhein und auch in NRW anteilig mehr Beschäftigte als in Deutschland insgesamt.

 

Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über 50

Quelle: Agentur für Arbeit

Am Mittleren Niederrhein gibt es anteilig insgesamt etwas mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Alter von über 50 Jahren als in Nordrhein-Westfalen und Deutschland. Dementsprechend ist der Anteil der unter 50-jährigen am Mittleren Niederrhein etwas geringer. Schaut man sich die Altersstrukturen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Teilregionen des Mittleren Niederrheins an, ist der Anteil von Arbeitnehmern über 50 Jahre im Rhein-Kreis Neuss am größten und in Mönchengladbach am geringsten.

 

Arbeitslosigkeit

Arbeitslosenquoten 2020

Quelle: Agentur für Arbeit

Im Jahr 2020 lag die durchschnittliche Arbeitslosenquote (aller zivilen Erwerbspersonen) für die Region Mittlerer Niederrhein bei 7,7 Prozent. Die Quote war damit geringfügig größer als in Nordrhein-Westfalen (7,5 Prozent) und lag 1,8 Prozentpunkte über dem deutschlandweiten Durchschnitt. In den Städten am Mittleren Niederrhein, Krefeld und Mönchengladbach, waren die Quoten mit 11,1 und 10 Prozent dabei deutlich größer als im Rhein-Kreis Neuss und im Kreis Viersen, wo sie bei 5,9 und 6 Prozent lagen.

 

Arbeitslosenquoten im Zeitverlauf

Quelle: Agentur für Arbeit

Im Zeitverlauf ist zu erkennen, dass die Arbeitslosenquoten seit 2014 in Deutschland, Nordrhein-Westfalen und den Teilregionen des Mittleren Niederrheins rückläufig waren. Erst das Krisenjahr 2020 hat diesen Trend beendet.

 

 Altersarbeitslosigkeit 2010, 2015 und 2020

 

Quelle: Agentur für Arbeit

Die Quote der Altersarbeitslosen (55 bis unter 65-jährigen) liegt am Mittleren Niederrhein mit 7,4 Prozent leicht über dem NRW-Schnitt (7,3 Prozent) und deutlich über dem Deutschlandschnitt (6,0 Prozent). In Krefeld liegt sie bei 10,9 Prozent, in Mönchengladbach bei 9 Prozent. Im Rhein-Kreis Neuss und im Kreis Viersen ist sie dagegen etwas geringer (5,6 und 6,4  Prozent). Seit 2010 ist diese Quote überall gesunken.

 

 Jugendarbeitslosigkeit 2010, 2015 und 2020

Quelle: Agentur für Arbeit

Die Quote der Jugendarbeitslosen (unter den 15 bis unter 25-jährigen) liegt am Mittleren Niederrhein mit 6,5 Prozent geringfügig über dem NRW-Schnitt (6,4 Prozent) und einen Prozentpunkt über dem Deutschlandschnitt (5,5 Prozent). Sie ist dabei mit 8 Prozent und 10,1 Prozent in Krefeld und Mönchengladbach höher als im Schnitt am Mittleren Niederrhein, im Rhein-Kreis Neuss und im Kreis Viersen ist sie dagegen etwas geringer (jeweils 4,6 Prozent). Die statistisch ausgewiesene Jugendarbeitslosigkeit ist seit 2010 überall rückläufig.

 

Langzeitarbeitslosigkeit 2010, 2015 und 2020

Quelle: Agentur für Arbeit

Die Quote der Langzeitarbeitslosen liegt am Mittleren Niederrhein mit 2,9 Prozent leicht über dem NRW-Schnitt (2,8 Prozent) und etwas über dem Deutschlandschnitt (1,8 Prozent). Sie ist dabei mit 4,9 Prozent und 3,8 Prozent besonders in Krefeld und Mönchengladbach hoch, im Rhein-Kreis Neuss und im Kreis Viersen ist sie dagegen etwas geringer (2,5 und 2,8 Prozent), befindet sich jedoch immer noch über dem Deutschlandschnitt. Positiv ist zu beobachten, dass die statistisch ausgewiesene Langzeitarbeitslosigkeit seit 2010 überall rückläufig ist.

 

Kaufkraft und Zentralität

Quelle: MB Research

Der Kaufkraft-Index von 102,5 ist am Mittleren Niederrhein ist im Vergleich zu Deutschland und Nordrhein-Westfalen etwas größer (100 und 98,4). Während Krefeld (97,6) und insbesondere Mönchengladbach (92,0) etwas geringere Werte aufweisen und die Kaufkraft im Kreis Viersen bei 101,7 liegt, ist die Kaufkraft im Rhein-Kreis Neuss mit 111,4 besonders hoch.

Die Zentralitätskennziffer des Einzelhandels ist am Mittleren Niederrhein mit 103,6 etwas größer als in Nordrhein-Westfalen und Deutschland (101,5 und 100). Ein Wert über 100 spiegelt hier wider, dass der Mittlerer Niederrhein insgesamt etwas mehr Kaufkraft anzieht als aus ihm selbst abfließt. Die Zentralitätswerte sind dabei am Mittleren Niederrhein unterschiedlich verteilt. In den Städten  Krefeld (122,7) und Mönchengladbach (115,2) findet ein deutlicher Kaufkraftzufluss statt, während aus den Kreisen Neuss und Viersen eher Kaufkraft abfließt (97,1 und 90,8).

 

Steuern

Hebesätze

Quelle: IHK NRW

Die Grundsteuerhebesätze (B) am Mittleren Niederrhein sind größer als im Schnitt in Deutschland. Auch in NRW sind die Hebesätze hoch. Den größten Hebesatz am Mittleren Niederrhein weist Mönchengladbach auf, am geringsten ist sind sie im Schnitt im Kreis Viersen. Auch die Gewerbesteuerhebesätze sind am Mittleren Niederrhein deutlich größer als im Deutschlandschnitt.

 

Steuerkraft

Quelle: IT.NRW und Statistisches Bundesamt

Die Realsteueraufbringungskraft am Mittleren Niederrhein liegt mir 783 Euro je Einwohner etwas unter dem NRW-Schnitt, wo der Wert bei 809 Euro je Einwohner liegt. In den Teilregionen des Mittleren Niederrheins erreicht der Rhein-Kreis Neuss mit 901 Euro je Einwohner den höchsten Wert, gefolgt von Krefeld mit 834 Euro je Einwohner, dem Kreis Viersen mit 687 Euro je Einwohner und Mönchengladbach mit 646 Euro je Einwohner.

 

Gewerbeanzeigen

Quelle: IT.NRW und Statistisches Bundesamt

Der Saldo der Gewerbeanzeigen zeigt die Differenz zwischen den erfolgten Gewerbean- und abmeldungen eines Jahres. Ist er positiv, gab es, auf 1.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gerechnet, mehr Gewerbeanmeldungen als Abmeldungen. Am Mittleren Niederrhein ist der Saldo in den letzten Jahren überwiegend positiv gewesen, 2020 lag er bei 1,67. Dies ist geringer als in Nordrhein-Westfalen und Deutschland (3,57 und 3,58).

Besonders in Krefeld gab es 2020 mehr Gewerbeabmeldungen als Anmeldungen (-3,31). In Mönchengladbach, dem Rhein-Kreis Neuss und dem Kreis Viersen waren die Salden hingegen positiv (1,87, 3,48 und 3,59).

 

Bevölkerungsstruktur und Schulabgänger

Altersstruktur der Bevölkerung

Quelle: IT.NRW und Statistisches Bundesamt

Der Jugendlastquotient misst die Anzahl der Einwohner unter 15 Jahre, die auf 100 Einwohner im erwerbsfähigen Alter kommen. Der Jugendlastquotient am Mittleren Niederrhein liegt bei 21,9. Das ist geringfügig größer als in NRW (21,7) oder Deutschland (21,5). In Krefeld, Mönchengladbach und im Kreis Viersen ist er dabei etwas geringer (21,6, 21,7 und 20,7), im Rhein-Kreis Neuss dagegen liegt er bei 20,7.

Der Alterslastquotient stellt die Einwohner im Alter von 65 Jahren und älter in den Vergleich zur erwerbsfähigen Bevölkerung (15 bis unter 65 Jahre). Am Mittleren Niederrhein liegt dieser Quotient bei 34,7 und ist damit etwas größer als in NRW und Deutschland (33,1 und 34,2). In Krefeld liegt der Alterslastquotient bei 34,5 und in Mönchengladbach bei 32,9. Im Rhein-Kreis Neuss und im Kreis Viersen sind die Quotienten dagegen größer (35,3 und 35,6).

 

Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss

Quelle: IT.NRW und Statistisches Bundesamt

In Nordrhein-Westfalen haben im Schuljahr 2019/2020 5,4 Prozent der Schüler die Schulen ohne mindestens einen Hauptschulabschluss verlassen. Am Mittleren Niederrhein waren es - ebenso wie in Deutschland - insgesamt 6 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil der Schüler ohne Abschluss in Krefeld (8,7 Prozent) und Mönchengladbach (7,3 Prozent). Im Rhein-Kreis Neuss sind es 4,5 Prozent und im Kreis Viersen 4,8 Prozent.