Dormagen 2024

Dormagen 2024
© IHK Mittlerer Niederrhein

In der vorliegenden Untersuchung werden die Eigenschaften der Stadt Dormagen als Wirtschaftsstandort detailliert untersucht. Dabei werden sowohl die Branchenstrukturen als auch ihre Entwicklung betrachtet. Zusätzlich werden verschiedene volkswirtschaftliche Indikatoren herangezogen, bei denen Dormagen mit anderen Kommunen einer ähnlichen Größe und Struktur vom Mittleren Niederrhein und aus Nordrhein-Westfalen verglichen wird. So kann überprüft werden, wie Dormagen als Wirtschaftsstandort hinsichtlich verschiedener Kennzahlen im Standortwettbewerb positioniert ist. Den Kern der Analyse bilden die Ergebnisse der Standortbefragung unter Unternehmen aus Dormagen. Dabei haben knapp 150 Unternehmen verschiedene Standortfaktoren hinsichtlich ihrer Bedeutung und Qualität bewertet.

Ziel der Analyse ist es, Verbesserungsmöglichkeiten für die Stadt Dormagen als Wirtschaftsstandort zu identifizieren und sie dabei zu unterstützen, den Wirtschaftsstandort zukunftsgerecht aufzustellen. Die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein zieht aus den Ergebnissen wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen, die den Abschluss dieser Analyse bilden.


 

1. Wirtschaft in Dormagen



1.1 Branchenstrukturen und Beschäftigungsentwicklung

Beschäftigungsentwicklung

In Dormagen arbeiteten zum 30.06.2023 insgesamt gut 20.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Seit 1999 ist die Beschäftigung gewachsen (13,9 Prozent), Land und Kreis sind allerdings stärker gewachsen. Im Land NRW und im Rhein-Kreis Neuss gab es im gleichen Zeitraum ein Wachstum von 25,8 beziehungsweise 29,6 Prozent. Insbesondere in den Jahren bis 2015 stagnierte die Beschäftigtenzahl in Dormagen. Im Anschluss wuchs die Beschäftigung allerdings ähnlich stark wie im Rhein-Kreis und sogar etwas stärker als im nordrhein-westfälischen Durchschnitt.

Wirtschaftsstrukturen

Betrachtet man, wie sich die Beschäftigten in Dormagen auf die verschiedenen Wirtschaftszweige verteilen, fällt als Erstes ins Auge, dass die produzierenden Unternehmen überdurchschnittlich stark präsent sind. Der Anteil ist mit 36,8 Prozent größer als in Nordrhein-Westfalen und im Rhein-Kreis Neuss. Mit Brüggen existiert am Mittleren Niederrhein nur ein Wirtschaftsstandort, bei dem dieser Anteil noch höher als in Dormagen ist. Dormagen ist also ein echter Industriestandort. Auch die distributiven Dienste sind mit einem Beschäftigtenanteil von 26,4 Prozent stärker vertreten als in NRW (22,3 Prozent), allerdings schwächer als im Rhein-Kreis Neuss (28,6 Prozent). Weniger stark vertreten sind die sonstigen Dienstleistungen (36,0 Prozent). Die Werte dieser Branche sind in NRW (52,0 Prozent) und im Rhein-Kreis (44,9 Prozent) höher.

Beschäftigungsentwicklung (Produzierendes Gewerbe)
Beschäftigungsentwicklung Handel Gastgewerbe und Verkehr
Beschäftigungsentwicklung (Handel und Dienstleistungen

In den letzten zehn Jahren hat es im Produzierenden Gewerbe einen überdurchschnittlichen Beschäftigungsaufbau gegeben. Die Beschäftigtenzahl ist um 9,6 Prozent gestiegen, während das Plus im Rhein-Kreis (4,9 Prozent) und in NRW (3,8 Prozent) deutlich darunter lag. Bei den distributiven Diensten (Handel, Gastgewerbe und Verkehr) fand mit einem Anstieg von 13,9 Prozent ebenfalls ein spürbarerer Beschäftigungsanstieg statt, der über dem Wert des Rhein-Kreises (7,4 Prozent) aber unterhalb des nordrhein-westfälischen Durchschnitts (+17,6 Prozent) liegt. Die Beschäftigungsentwicklung der sonstigen Dienstleister in Dormagen war in den vergangenen zehn Jahren zwar deutlich positiv (+20,1 Prozent), lag aber unterhalb des Wachstums von NRW (25,7 Prozent) und deutlich unterhalb des Anstiegs im Rhein-Kreis Neuss (39,9 Prozent).

1.2 Detailstrukturen

Die Analyse der Detailstrukturen wird durch die Datenverfügbarkeit erschwert. Für einige Branchen liegen aus Geheimhaltungsgründen keine konkreten Beschäftigtendaten vor. Dennoch lassen sich anhand der Daten einige Merkmale des Standorts Dormagen herausarbeiten.

Landwirtschaft in Dormagen überdurchschnittlich vertreten

Schaut man zunächst in den Bereich Land- und Forstwirtschaft, zeigt sich, dass dieser Wirtschaftsbereich Dormagen im Vergleich zu NRW im Schnitt überdurchschnittlich stark vertreten ist. Dies ist am sogenannten Lokalisationsquotienten ablesbar. Der Lokalisationsquotient setzt den Beschäftigtenanteil einer Branche in der Stadt Dormagen ins Verhältnis zu dem Beschäftigungsanteil dieser Branche in Nordrhein-Westfalen. Ein Wert unter 1 spiegelt dabei einen Anteil, der unter dem in Nordrhein-Westfalen liegt. Ein Wert über 1 zeigt einen höheren Beschäftigungsanteil als im Land an. Für die Land- und Forstwirtschaft in Dormagen zeigt der Wert von 1,7 also an, dass der Beschäftigtenanteil um das 0,7-Fache höher ist als im Land. Der Anteil an der Gesamtbeschäftigung aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Dormagen liegt dabei in der Land- und Forstwirtschaft bei 0,8 Prozent. Er ist in den letzten zehn Jahren spürbar gestiegen.

Mehr als 5.300 Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe

Im Verarbeitenden Gewerbe arbeiten in Dormagen mit 5.330 Beschäftigten 25,9 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Mit Brüggen existiert am Mittleren Niederrhein nur ein Wirtschaftsstandort, bei dem dieser Anteil noch höher ist. Dormagen ist also ein echter Industriestandort. Im Land Nordrhein-Westfalen liegt der Anteil nur bei 18,1 Prozent. Die Beschäftigung ist in diesem Bereich in Dormagen seit 2013 deutlich gestiegen (+15,1 Prozent). Auch im Rhein-Kreis gab es ein Plus (4 Prozent) bei der Industriebeschäftigung, im Land blieb sie nahezu unverändert.

Aus Gründen der Geheimhaltung liegen nur für einen Teil der Branchen des Verarbeitenden Gewerbes genauere amtliche Beschäftigungsdaten vor, sodass an dieser Stelle nicht über alle Branchen Auskunft gegeben werden kann. Besonders beschäftigungsstark ist in Dormagen die Chemische Industrie. Knapp 4.700 Beschäftigte arbeiten in dieser Branche. Der Beschäftigtenanteil von 22,7 Prozent ist mehr als 16-mal so hoch wie in Nordrhein-Westfalen. Beschäftigtenzahlen von mehr als 100 Mitarbeitern weisen darüber hinaus im Bereich der Industrie der Maschinenbau und die Hersteller von Metallerzeugung aus. Die Bedeutung beider Branchen ist jedoch in Dormagen im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen unterdurchschnittlich, abzulesen am Lokalisationsquotienten von jeweils 0,2.

Baugewerbe weniger stark gewachsen als in NRW

Betrachtet man das Baugewerbe, in dem 5,0 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort Dormagen tätig sind, sieht man, dass es einen leicht geringeren Anteil an der Gesamtbeschäftigung als in NRW (5,3 Prozent) hat. Der Lokalisationsquotient liegt bei 0,9. Dabei konnte die Branche in Dormagen in den letzten zehn Jahren mit 6,5 Prozent auch nicht so stark wachsen wie in NRW (23,7 Prozent) oder im Rhein-Kreis Neuss (44,7 Prozent). Hervorzuheben innerhalb der Bauindustrie ist der Bereich „Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe“. In diesem Segment arbeiten gut 800 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in Dormagen. In diesem Bereich lag das Beschäftigungswachstum in den vergangenen zehn Jahren bei 15 Prozent.

14,2 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Handel

Im Handel insgesamt arbeiten in Dormagen gut 2.900 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das sind 14,2 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Der Lokalisationsquotient liegt bei 1,01 – das zeigt, dass der Beschäftigtenanteil dieser Branche geringfügig höher als in NRW im Schnitt ist. Die Branche ist in Dormagen in den vergangenen zehn Jahren – um 3 Prozent – geschrumpft. Dagegen ist der Handel im Land und im Kreis gewachsen. Im Land legte er sogar um 11,9 Prozent zu, im Kreis nur um 3,7 Prozent.

Der Handel lässt sich in drei Teilbereiche untergliedern. Während der Beschäftigungsanteil im Großhandel und im KfZ-Handel im Vergleich zum Land NRW nur unterdurchschnittlich hoch ist (Lokalisationsquotient: 0,9), ist der Einzelhandel stärker vertreten (Lokalisationsquotient: 1,1). Sowohl im Kfz-Handel (-8,0 Prozent) als auch im Einzelhandel (minus 6,6 Prozent) ist die Beschäftigtenzahl in den vergangenen zehn Jahren spürbar gesunken. Im Großhandel gab es ein Plus von 6,7 Prozent. Der Anstieg ist stärker als im Rhein-Kreis (0,5 Prozent), bleibt jedoch hinter dem Plus im Land zurück.

Verkehr und Lagerei mit überdurchschnittlicher Bedeutung

Die Branche Verkehr und Lagerei weist in Dormagen eine überdurchschnittliche Bedeutung auf. Dies liegt insbesondere an der verkehrsgünstigen Lage und an den auf die Chemische Industrie spezialisierten Logistikunternehmen. In den Unternehmen der Branche arbeiten 9,4 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Der Lokalisationsquotient liegt bei 1,7. Die Branche ist in Dormagen in den letzten zehn Jahren deutlich gewachsen (41,9 Prozent) – deutlich höher als im Land und Kreis (Wachstum: 31,7 Prozent und 9,4 Prozent). Sowohl die Lagerbranche als auch die Unternehmen aus dem Landverkehr sind überdurchschnittlich bedeutsam (Lokalisationsquotient: 2,1 beziehungsweise 1,9). In beiden Sparten gab es einen spürbaren Beschäftigungsaufbau von 53 beziehungsweise 28 Prozent.

Viele Dienstleistungsbereiche mit unterdurchschnittlicher Bedeutung

Die weiteren Dienstleistungsbranchen sind in Dormagen zum Großteil von unterdurchschnittlicher Bedeutung. Dies gilt etwa für die Informationswirtschaft, die Finanz- und Versicherungswirtschaft und das Grundstücks- und Wohnungswesen. All diese Branchen haben – zum Teil deutlich – weniger als 200 Beschäftigte. Nur in den Wirtschaftsbereichen „Kunst, Unterhaltung und Erholung“ sowie „Erbringung von sonstigen Dienstleistungen“ werden noch Lokalisationsquotienten von 1,5 und höher ermittelt.

Unterdurchschnittliche Bedeutung des Gesundheitswesens

Eine eher unterdurchschnittliche Bedeutung weist auch das Gesundheits- und Sozialwesen in Dormagen auf. 11,7 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Dormagen arbeiten in dieser Branche. Das sind insgesamt 2.400 Beschäftigte. Der Anteil ist damit deutlich geringer als im Land (Lokalisationsquotient: 0,7), wobei das Wachstum der Branche in den letzten zehn Jahren mit 32,0 Prozent geringer war als im Kreis (46,8 Prozent), jedoch über dem Niveau des Landes (31,0 Prozent) lag.

1.3 Volkswirtschaftliche Kennzahlen im Vergleich

Die einzelnen Wirtschaftsstandorte stehen in einem stetigen Wettbewerb um Investoren, Unternehmen und damit auch um Arbeitsplätze. Anhand von regionalwirtschaftlich relevanten Indikatoren wird im folgenden Kapitel überprüft, welche Position die Stadt Dormagen im Vergleich mit anderen Standorten einnimmt. Dabei wird Dormagen zunächst mit Städten der Region Mittlerer Niederrhein verglichen, die eine ähnliche Größe aufweisen. Dies sind die Städte Grevenbroich, Meerbusch, Viersen und Willich. Zusätzlich werden die Durchschnittswerte des Rhein-Kreises und für Nordrhein-Westfalen für die Einordnung der Werte herangezogen.

Arbeitslosenquote

Arbeitslosenquote und Entwicklung

Die Arbeitslosenquote lag in Dormagen im Jahresdurchschnitt 2023 bei 5,4 Prozent. Sie ist damit deutlich niedriger als in NRW und leicht niedriger als im Rhein-Kreis Neuss. In drei der vier weiteren untersuchten Kommunen liegt die Arbeitslosigkeit leicht unter dem Dormagener Wert, in Viersen deutlich darüber. Seit 2013 ist die Arbeitslosenquote in Dormagen nahezu konstant geblieben, während in den anderen Kommunen und auch in NRW beziehungsweise dem Rhein-Kreis Neuss ein Rückgang festgestellt werden konnte.

Kaufkraft und Zentralität

Kaufkraft und Zentralität

Mit einem Wert von 101,4 ist die einzelhandelsrelevante Kaufkraft in Dormagen im Vergleich zu Deutschland (100) und NRW (99,0) etwas höher. Der Rhein-Kreis Neuss (107,4) kommt im Schnitt auf einen deutlich höheren Wert. Mit Blick auf die Vergleichskommunen liegt Dormagen auf dem Niveau von Grevenbroich, leicht unter Willich, deutlich unter Meerbusch und über Viersen. Die Zentralitätskennziffer gibt an, wie viel der Kaufkraft im Ort selbst verbleibt, also vor Ort auch ausgegeben wird. Ein Wert von über 100 zeigt dabei an, dass Kaufkraft aus anderen Kommunen in die jeweilige Kommune zufließt, ein Wert von unter 100 deutet auf einen Kaufkraftabfluss hin. Der Wert von 86,0 zeigt also an, dass in Dormagen Kaufkraft in das Umland abfließt. Dies ist der unmittelbaren Nähe zu den Oberzentren Neuss und Köln geschuldet.

 IndustrieumsätzeIndustrie- und Bergbauumsätze

Diese Grafik zeigt die absoluten Umsätze aus den Wirtschaftszweigen Industrie und Bergbau in Dormagen und den Vergleichskommunen. Dies verdeutlicht noch einmal, wie hoch die Bedeutung der Industrie für den Standort Dormagen einzuschätzen ist. Der Industrieumsatz ist etwas höher als am Bergbaustandort Grevenbroich, mehr als viermal so hoch wie in Willich und Viersen und fast 60-mal so hoch wie in Meerbusch.

Steuereinnahmekraft und Realsteueraufbringungskraft

Steuereinnahmekraft
Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer
Steuereinnahmekraft
Entwicklung der Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer

Trotz niedriger Arbeitslosigkeit und hohem Industrieumsatz gehört Dormagen nicht zu den steuerstarken Standorten in der Region und im Rhein-Kreis Neuss. Das zeigt sich auch durch die Steuereinnahmekraft und die Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer. Beide Werte liegen unter dem NRW- und dem Rhein-Kreis-Neuss-Schnitt. Bei der Steuereinnahmekraft ist von den Vergleichskommunen innerhalb und außerhalb des IHK-Bezirks nur Viersen schwächer.

Von 2017 bis 2022 ist bei der Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer sogar ein leichter Rückgang sichtbar. Die Steuereinnahmekraft stieg schwächer als im Durchschnitt des Landes NRW und in allen Vergleichskommunen. Hierzu sei allerdings auch angemerkt, dass das Jahr 2017 ein Hochkonjunkturjahr war, von dem Dormagen als Chemiestandort im Besonderen profitiert hat. Die vergangenen Jahre waren in vielen energieintensiven Industriebranchen von einer Konjunkturabkühlung gekennzeichnet.

Realsteuerhebesätze


Hebesatz Gewerbesteuer

Hebesatz Grundsteuer (B)

Nordrhein-Westfalen ist das Flächenland mit den höchsten Grund- und Gewerbesteuerhebesätzen. Beide Hebesätze sind in Dormagen im Jahr 2023 angehoben worden und gehören nun zu den höchsten in der Region. Der Gewerbesteuerhebesatz ist in Dormagen mit 500 Punkten der höchste am gesamten Mittleren Niederrhein. Auch die kreisfreien Städte haben niedrigere Gewerbesteuerhebesätze. Von den Vergleichskommunen kommt nur Troisdorf auf diese Höhe.

Beim Hebesatz der Grundsteuer B liegt Dormagen in Relation mit den Vergleichskommunen vom Mittleren Niederrhein ebenfalls auf einem hohen Niveau, auch wenn mit Grevenbroich eine Kommune einen noch höheren Satz bei der Grundsteuer B hat. Im Vergleich mit den Kommunen außerhalb des IHK-Bezirks liegt Dormagen allerdings unterhalb des gewichteten Mittelwerts. 

 

2. Ergebnisse der Unternehmensbefragung

Um die Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandorts Dormagen zu ermitteln, führte die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein im Herbst 2023 eine Unternehmensbefragung durch, bei der knapp 150 Betriebe antworteten. Die Antwortenden repräsentieren dabei circa 4500 Beschäftigte und damit gut 20 Prozent der Beschäftigten am Arbeitsort Dormagen. Vertreten sind Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche.

Bei der Befragungsaktion bewerteten die Betriebe rund 40 Standortfaktoren unter zwei Gesichtspunkten: einmal hinsichtlich der Bedeutung (Wichtigkeit) für den eigenen Betrieb und einmal ihre Zufriedenheit mit dem jeweiligen Faktor. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von sehr wichtig beziehungsweise sehr zufrieden darstellt und 6 für vollkommen unwichtig beziehungsweise sehr unzufrieden steht.

Die Ergebnisse werden im Folgenden aufgegliedert in Kategorien:

  1. Harte Standortfaktoren
  2. Innerörtliche Standortfaktoren
  3. Kommunale Kosten und Leistungen
  4. Arbeitsmarktrelevante Standortfaktoren

Zur Einordung der Ergebnisse werden die Zufriedenheitsbewertungen in Dormagen zusätzlich mit den Ergebnissen der vorherigen Standortbefragungen am Mittleren Niederrhein seit Ende 2019 sowie mit den Ergebnissen in Dormagen in der letzten Befragung im Jahr 2019 verglichen.

2.1 Dormagen als Wirtschaftsstandort

Gesamtnote

In der Befragung sollten die Unternehmer zunächst Dormagen allgemein als Wirtschaftsstandort bewerten. Hierbei erhielt Dormagen die Note 2,87. Bei vergangenen Standortanalysen der IHK Mittlerer Niederrhein seit 2019 lag die Durchschnittsnote bei 2,60. Mit dieser Bewertung schneidet Dormagen also schlechter ab als der Durchschnitt der Wirtschaftsstandorte am Mittleren Niederrhein in den letzten Jahren. Im Jahr 2019 waren die Unternehmen allerdings zufriedener und gaben die Durchschnittsnote 2,48. Gleichzeitig hat sich aber auch die Stimmung in der Wirtschaft insgesamt verschlechtert. Zwar hat eine konjunkturelle Delle keinen Einfluss auf die Beurteilung des Wirtschaftsstandorts – mittlerweile liegen allerdings vier Krisenjahre (Corona, Russland-Krieg) hinter den Unternehmen, die nicht mit einer normalen Konjunkturdelle gleichzusetzen sind. Zugleich hat die Debatte über strukturelle Probleme des Standorts Deutschlands an Fahrt aufgenommen. Diese Unzufriedenheit macht sich auch in einer schlechteren Bewertung des lokalen Wirtschaftsstandorts bemerkbar.

Zufriedenheit nach Themenfeldern

Schaut man in die einzelnen Themenfelder und ihre Zufriedenheitsbewertungen, ergibt sich ein erster Einblick in die komparativen Stärken und Schwächen von Dormagen im Vergleich mit den anderen Kommunen am Mittleren Niederrhein. Die verschiedenen Standortfaktoren werden insgesamt im Durchschnitt in Dormagen mit der Zufriedenheit 3,29 bewertet. Das ist etwas schlechter als im Schnitt am Mittleren Niederrhein in den letzten Jahren (3,22). Sehr kritisch und kritischer als am gesamten Mittleren Niederrhein ist die Bewertung der Dormagener Unternehmen zu den kommunalen Kosten und Leistungen mit einer Bewertung von 3,66 (Mittlerer Niederrhein im Schnitt: 3,44). Bei allen weiteren Themenfeldern gibt es in der Durchschnittsnote wenig Auffälligkeiten: Etwas besser als am Mittleren Niederrhein im Schnitt werden die harten Standortfaktoren bewertet. Die innerstädtischen Standortfaktoren haben die beste Durchschnittsnote. Am Mittleren Niederrhein im Schnitt sind die Unternehmen allerdings noch zufriedener.

Die 10 wichtigsten Standortfaktoren:

Wie sich diese Bewertungen zusammensetzen und welche Standortfaktoren besonders für gute oder schlechtere Bewertungen in den Themenbereichen verantwortlich sind, ergibt sich aus der genauen Analyse der einzelnen Standortfaktoren im nächsten Kapitel. Die zehn wichtigsten Standortfaktoren lassen sich in drei Kategorien packen und verweisen somit darauf, welche drei Themen den Unternehmen besonders wichtig sind:

  1. Standortfaktoren, die mit dem Fachkräftemangel und dessen Linderung zusammenhängen: Lernqualität an den Berufsschulen, Lernqualität an allgemeinbildenden Schulen, Qualifikation der lokalen Arbeitskräfte, gutes Wohnumfeld für Mitarbeitende, lokale Verfügbarkeit von Arbeitskräften, Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  2. Standortfaktoren, die auf die Erreichbarkeit über Straße oder Datenleitungen einzahlen: Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz, Informations- und Kommunikationsinfrastruktur
  3. Kostenfaktoren: Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes, Höhe der öffentlichen Gebühren

2.2 Bewertungen im Detail

Im Folgenden werden die einzelnen Standortfaktoren in den Themenfeldern im Hinblick auf ihre Bedeutung und die durch die Unternehmer gegebene Zufriedenheitsbewertung untersucht. Die Abweichung der Zufriedenheitsbewertung zum Mittleren Niederrhein wird anhand der Bewertungslücke (Differenz zwischen Note in Dormagen und dem Schnitt des Mittleren Niederrheins seit 2019) gekennzeichnet. Eine große negative Lücke zeigt dabei an, dass die Bewertung in Dormagen schlechter ist als am Mittleren Niederrhein.

Um auch die individuelle Entwicklung des Standorts zu berücksichtigen, werden die Zufriedenheitsbewertungen der aktuellen Umfrage in Dormagen mit den Ergebnissen aus der letzten Befragung im Jahr 2019 verglichen. Da die Bewertungen damals nicht auf einer 6er-Skala, sondern auf einer 4er-Skala vorgenommen wurden, werden nun jeweils die Anteile der Antworten verglichen, die bezogen auf die jeweilige Skala überdurchschnittlich waren: also eine 1, 2 oder 3 auf der 6er-Skala beziehungsweise eine 1 oder 2 auf der 4er-Skala. Folglich wird nun der Anteil zufriedener Unternehmer aus der aktuellen Umfrage (Note 1, 2 oder 3) mit dem Anteil zufriedener Unternehmer in der letzten Umfrage im Jahr 2019 (Note 1 oder 2) verglichen, um eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse herzustellen.

2.2.1 Harte Standortfaktoren

Bewertung der harten Standortfaktoren (Teil1)

Bewertung der harten Standortfaktoren (Teil 2)

Gute Noten für die Verkehrsanbindung

Der wichtigste Faktor in diesem Themenfeld bezieht sich auf die Verkehrsinfrastruktur. Mit einer Zufriedenheitsbewertung von 2,25 fällt die Note für die Verkehrsanbindung in Dormagen positiv aus. Die Bewertung ist in weiten Teilen des IHK-Bezirks allerdings deutlich besser. Der Zustand der überörtlichen Straßen wird mit 3,08 bewertet. Dass beide Bewertungen schlechter sind als im Durchschnitt des Mittleren Niederrheins, ist sicherlich auf den schlechten Zustand der B9 und die nach wie vor unbefriedigende Situation um die fehlende A57-Abfahrt in Delrath zurückzuführen. Positiv wird die Anbindung an den ÖPNV bewertet. Die Note von 2,95 ist deutlich besser als in vielen anderen Kommunen am Mittleren Niederrhein. Zwei weitere Anbindungsfaktoren, die Anbindung an Schienenwege und den Luftverkehr, werden von den meisten Unternehmen als weniger bedeutend betrachtet. Beide Standortfaktoren können aber natürlich von impulsgebenden Betrieben von existenzieller Bedeutung sein. Auch hier zeigt sich, dass die Dormagener Unternehmen den Verkehrsstandort schätzen. Bei beiden Standortfaktoren werden im Vergleich zum Mittleren Niederrhein im Schnitt sehr gute Ergebnisse erzielt.

Zufriedenheit mit IuK-Infrastruktur steigt und ist überdurchschnittlich hoch

Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (IuK-Infrastruktur) umfasst sowohl die Breitbandinfrastruktur als auch den Mobilfunkempfang. Sie erhält von den Unternehmen in Dormagen die Note 3,30. Die Bewertung ist damit spürbar besser als vor fünf Jahren, wenngleich an dem Gap zum Mittleren Niederrhein im Schnitt ebenfalls deutlich wird, dass Anstrengungen auf diesem Gebiet auch weiterhin notwendig sein werden.

Unternehmen zufrieden mit Angebot unternehmensnaher Dienste

Auch das Angebot unternehmensnaher Dienste wird gut und besser als am Mittleren Niederrhein im Schnitt bewertet. Zum einen liegt dies an der überdurchschnittlichen Präsenz von Logistikdienstleistern. Zum anderen dürfte auch hier die räumliche Nähe zur Landeshauptstadt Düsseldorf und zu den beiden Oberzentren der Region, Krefeld und Mönchengladbach, eine positive Rolle spielen. Gleiches gilt auch für die Nähe zu wichtigen Kunden, die zwar etwas weniger bedeutend, dafür sogar noch besser bewertet wird.

Energiekosten werden kritisch bewertet

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Unternehmen sind die Energiekosten. Sie werden mit 3,82 bewertet. Die Bewertung spiegelt die aktuelle Problematik, wie sie auch den Rest der Wirtschaft in Deutschland und in der Region betrifft. Dass die Bewertung in Dormagen schlechter ist als am Mittleren Niederrhein, liegt auch daran, dass die Energiepreise aktuell besonders hoch sind, der Mittelwert für den Mittleren Niederrhein sich jedoch auf die durchschnittlichen Angaben der letzten viereinhalb Jahre bezieht. Dies liegt nicht im Verantwortungsbereich der Stadt. Dennoch ist die Betroffenheit höher als in vielen anderen Kommunen am Mittleren Niederrhein. Auch bei den Kommunen, die nach dem Kriegsbeginn zwischen Russland und der Ukraine bewertet wurden, nimmt Dormagen eine Spitzenposition ein. Das zeigt, wie energieintensiv die lokale Wirtschaft ist.

Angebot an unternehmensnahen Dienstleistern erhält 2,82

Auch die räumliche Nähe zu Kunden sowie das Angebot an unternehmensnahen Dienstleistern haben eine vergleichsweise große Bedeutung für viele Unternehmer in Dormagen. Und beide Standortfaktoren erhalten mit einer Bewertung von 2,58 beziehungsweise 2,82 eine Bewertung, die besser ist als am Mittleren Niederrhein im Durchschnitt. Dies zeugt von einem guten Netzwerk der Betriebe in Dormagen und in der gesamten Region.

Durchschnittliche Bewertung des Standortimages

Die Stadt Dormagen ist als Chemiestandort überregional bekannt. Das Image und der Bekanntheitsgrad des Standorts werden mit 3,15, ebenso wie am Mittleren Niederrhein im Durchschnitt, bewertet. Die Bewertung hat sich seit 2019 etwas verschlechtert. Die Miet- und Pachtpreise und die Grundstückspreise werden ebenfalls kritischer bewertet als am Mittleren Niederrhein. Beim Wohnungsangebot sind die Bewertungen in Dormagen etwa so wie am Mittleren Niederrhein im Durchschnitt.

Faktoren für nachhaltiges Wirtschaften mit unterdurchschnittlicher Bewertung

Der Faktor „Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften am Standort“ wird erst seit 2021 mit erhoben. Das nachhaltige Wirtschaften am Standort erhält jedoch mit 3,24 eine Bewertung, die schlechter ist als am Mittleren Niederrhein im Schnitt. Die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge, wenngleich weniger bedeutsam, erhält mit einer 3,82 dagegen keine zufriedenstellende Note, obwohl diese immer noch besser als am Mittleren Niederrhein im Schnitt ist.

2.2.2 Innerstädtische Standortfaktoren

Bewertung der innerstädtischen Standortfaktoren 

Zustand des innerstädtischen Straßennetzes und innerstädtische Straßenverhältnisse mit ordentlicher Bewertung

Der wichtigste Standortfaktor in diesem Bereich ist der Zustand des innerstädtischen Straßennetzes. Mit der Bewertung von 2,99 gehört dieser Faktor immerhin zu den drei am Besten bewerteten in diesem Kapitel – die Bewertung ist etwas besser als im Schnitt der Gesamtregion. Passend dazu werden die innerstädtischen Straßenverhältnisse mit einer Bewertung von 3,00 überdurchschnittlich und sogar etwas besser als am Mittleren Niederrhein im Durchschnitt bewertet.

Parkgebühren und Parkplatzangebot stoßen bei Dormagener Betrieben auf Kritik

Anders als der fließende Verkehr erhalten die Möglichkeiten für den ruhenden Verkehr in Dormagen keine gute Bewertung aus Kreisen der Unternehmer. Das Parkplatzangebot erhält eine Bewertung von 3,33 und wird damit etwas schlechter bewertet als am Mittleren Niederrhein. Die Höhe der Parkgebühren wird mit einer Bewertung von 3,18 von den Unternehmen etwas kritischer beurteilt. Allerdings wird gerade in vielen kleinen Ortszentren am Mittleren Niederrhein keine Parkgebühr erhoben. In den Oberzentren (Krefeld, Mönchengladbach, Neuss) ist die Bewertung deutlich kritischer.

Sicherheit in der Innenstadt: Die Unternehmen sind noch zufrieden

Die Dormagener Unternehmen sind mit der Sicherheit in der Innenstadt insgesamt zufrieden. Sie geben die Note 2,84. Allerdings fällt die Bewertung etwas schlechter aus als am Mittleren Niederrhein. Zudem hat sich die Bewertung in den vergangenen Jahren verschlechtert. Letzterer Punkt gilt auch für das Stadtbild sowie für den Branchenmix. Beide Standortfaktoren erhalten zudem innerhalb dieses Themenfelds eher mäßige Bewertungen von 3,32 und 3,23. Das Naherholungs- und Freizeitangebot sowie das kulturelle Angebot erhalten dagegen sehr zufriedenstellende Bewertungen von 2,89 beziehungsweise 3,03. Beide Standortfaktoren werden allerdings von den Dormagener Unternehmen als weniger wichtig betrachtet.

2.2.3 Kommunale Kosten und Leistungen

Bewertung der kommunalen Kosten und Leistungen

 

Gewerbesteuerhebesatz wichtigster Standortfaktor

Im Themenfeld der kommunalen Kosten und Leistungen ist die Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes für die Unternehmen der wichtigste Faktor. Er wird mit 4,24 schlechter bewertet als am Mittleren Niederrhein im Schnitt. Die Gewerbesteuererhöhung im Jahr 2023 hat dafür gesorgt, dass Dormagen der steuerteuerste Standort am Mittleren Niederrhein ist. Auch der Grundsteuerhebesatz und die öffentlichen Gebühren sind den Unternehmen wichtig. Beide Standortfaktoren werden ebenfalls kritischer bewertet als am Mittleren Niederrhein.

Kommunale Leistungen: Bewertung im Schnitt der Gesamtregion

Bei vielen kommunalen Leistungen insgesamt schneidet Dormagen etwa wie der Mittlere Niederrhein im Durchschnitt ab – so bei der Kommunikation mit der Kommunalverwaltung, den behördlichen Reaktionszeiten, dem Digitalisierungsgrad der Kommunalverwaltung oder dem Service beziehungsweise den Netzwerkangeboten der Kommunalverwaltung. Auffällig ist: Vor fünf Jahren waren die Bewertungen noch besser als am Mittleren Niederrhein – nun sind sie durchschnittlich – dies ist vielfach damit zu begründen, dass die Unternehmer angesichts des höheren Preises (Gewerbesteuererhöhung) auch eine bessere Leistung erwarten.

Kritische Bewertung für Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren

Die beste Bewertung in diesem Themenfeld erhalten der Service und die (Netzwerk-) Angebote der Wirtschaftsförderung. Das zeigt, dass sich die Kritik eher an andere Ämter mit wirtschaftlichen Belangen richtet. Am kritischsten bewerten die Betriebe etwa die Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren.

2.2.4 Arbeitsmarktrelevante Standortfaktoren

Arbeitsmarktfaktoren 

Fachkräftemangel belastet Dormagener Betriebe überdurchschnittlich stark

Im Themenfeld der arbeitsmarktrelevanten Standortfaktoren geht es vor allem um jene Faktoren, die die Bildung, Bindung und Akquise von Fachkräften beeinflussen. Am kritischsten bewerten die Unternehmen hierbei die lokale Verfügbarkeit von Arbeitskräften sowie deren Qualifikation. Bei beiden Standortfaktoren sind die Unternehmerinnen und Unternehmer in Dormagen zudem kritischer als in der Gesamtregion. Das zeigt, dass die Dormagener Unternehmen vom Fachkräftemangel überdurchschnittlich stark betroffen sind – sicherlich auch durch die unmittelbare Nachbarschaft zum Oberzentrum Köln.

Möglichkeiten zur Vereinbarkeit werden besser bewertet als in der Gesamtregion

Ein wichtiges Instrument, um den Fachkräftemangel mittelfristig zu lindern, ist die Lernqualität an den Berufsschulen und den allgemeinbildenden Schulen. Mit beiden Standortfaktoren, die zudem die wichtigsten in diesem Themenfeld sind, sind die Betriebe weniger zufrieden – insbesondere bei der Lernqualität an den allgemeinbildenden Schulen ist die Unzufriedenheit der Dormagener Unternehmerinnen und Unternehmer höher als in der Gesamtregion. Den Unternehmen ist zudem ein gutes Wohnumfeld für die Mitarbeitenden wichtig. Hier sind die Unternehmen auch eher zufrieden, abzulesen an der Bewertung von 2,97. Die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden in Dormagen besser bewertet als in der Gesamtregion. Dies ist auch ein Verdienst der Kita-Politik in der Stadt. Positiv heraus sticht auch das Angebot der (Fach-)Hochschulen im Umkreis. Hier dürfte die Nähe zum Hochschulstandort Köln eine positive Auswirkung haben.  

 

3. Fazit und Handlungsempfehlungen

Der Standort Dormagen hat sich in den vergangenen Jahren bei vielen volkswirtschaftlichen Indikatoren positiv entwickelt. Dies zeigt sich durch die positive Beschäftigungsentwicklung und die weiterhin äußerst niedrige Arbeitslosigkeit. Allerdings: Die Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer je Einwohner liegt unter dem Schnitt des Rhein-Kreises Neuss. Und die Einzelhandelszentralität weist darauf hin, dass überdurchschnittlich viel Kaufkraft abfließt. Letzteres ist allerdings auch der Nähe zu Köln und Neuss geschuldet.

Die Unternehmensbefragung zeigt, dass an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden sollte, damit sich der Standort auch in Zukunft positiv entwickelt, denn die Beurteilung der Standortqualität durch die Unternehmen ist zwar zufriedenstellend, war allerdings bei der vergangenen Befragung besser. Gleichzeitig hat sich aber auch die Stimmung in der Wirtschaft insgesamt verschlechtert. Zwar hat eine konjunkturelle Delle keinen Einfluss auf die Beurteilung des Wirtschaftsstandorts – mittlerweile liegen allerdings vier Krisenjahre hinter uns, die nicht mit einer normalen Konjunkturdelle gleichzusetzen sind.

Kommunale Kosten im Blick haben

Insbesondere die kommunalen Kosten werden kritischer beurteilt als noch bei der Vorumfrage und auch deutlich kritischer als am Mittleren Niederrhein. Dies liegt sicherlich in erster Linie an der deutlichen Gewerbesteuererhöhung im vergangenen Jahr. Gerade die Deutlichkeit der Steuererhöhung sollte noch einmal überdacht werden. Dormagen ist der Standort am Mittleren Niederrhein mit dem höchsten Gewerbesteuerhebesatz. Dormagen ist als Standort der energieintensiven Industrie besonders stark von der Entwicklung der Energiekosten betroffen. Dies äußert sich auch bei der kritischen Bewertung des Standortfaktors Energiekosten, die jedoch nicht im Verantwortungsbereich der Stadt liegen. Allerdings sind diese eine wichtige Rahmenbedingung für die heimische Wirtschaft, auf die die Stadtverwaltung Rücksicht nehmen muss.

Zertifizierung als Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung

Höhere Kosten sorgen auch dafür, dass die Ansprüche der Unternehmen an die kommunalen Leistungen steigen. Dies ist ein Grund, warum auch viele Standortfaktoren aus dem Themenbereich der kommunalen Leistungen kritischer beurteilt werden als noch vor fünf Jahren. Die beste Bewertung im Themenbereich erhält der Service (und die Netzwerkangebote) der Wirtschaftsförderung. Allerdings: Deutlich kritischer als 2019 werden etwa die Erreichbarkeit und die behördlichen Reaktionszeiten eingeschätzt. Dies kann nicht nur an den erhöhten Ansprüchen liegen. Es spricht vieles dafür, bei einer Zertifizierung als „Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung“ Stärken und Schwächen durch einen externen Auditor zu identifizieren. 

Erfolgreiche Arbeit bei Verbesserung der IuK-Infrastruktur fortsetzen

Die IuK-Infrastruktur wird besser beurteilt als noch vor fünf Jahren – und das bei deutlich erhöhten Anforderungen. Das ist auch den Aktivitäten der Stadtverwaltung / Wirtschaftsförderung zu verdanken, die weiterhin auf hohem Niveau gehalten werden sollten. Schließlich zeigt die Bewertung, dass es weiterer Anstrengungen bedarf, um die Bewertung der Unternehmen zu verbessern.

Fachkräftemangel von besonderer Bedeutung

Besser als in der Region werden die Möglichkeiten beurteilt, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Das ist auch den Anstrengungen der Stadt Dormagen bzüglich der Kinderbetreuung zu verdanken. Dies ist ein gutes Instrument, um den Mangel an qualifizierten Fachkräften zu lindern. Dormagen ist schließlich als Mittelzentrum, das durch zwei Oberzentren eingerahmt wird, überdurchschnittlich stark vom Fachkräftemangel betroffen. Um den Mangel zu lindern, kommt den Schulen eine hohe Bedeutung zu. Die Lernqualität an den Berufsschulen sowie an den allgemeinbildenden Schulen wird allerdings negativ beurteilt. Hier sind auch die Schulträger gefordert.

Entwicklungsgebiet Silbersee: In die Entwicklung gehen

Die Stadt Dormagen verfügt mit dem Entwicklungsgebiet Silbersee noch über eine der wenigen großen zusammenhängenden Entwicklungsflächen in der Region. Die IHK spricht sich dafür aus, mit Blick auf die Gewerbeflächenverfügbarkeit nun in die konkrete Umsetzung zu kommen. Langfristig dürfte sich die Entwicklung des Gewerbegebiets am Silbersee auch positiv auf den Haushalt auswirken. Die Ansiedlung von steuerstarken Unternehmen, die dann auch einen substanziellen Beitrag für eine breitere Ertragsbasis leisten können, bedingt allerdings auch wettbewerbsfähige Realsteuerhebesätze.

Überörtliche Straßeninfrastruktur: Planung für AS Delrath umsetzen, B9 entlasten und sanieren

Die Anbindung an das überörtliche Straßen- und Autobahnnetz erhält an anderen Standorten in der Region eine deutlich bessere Bewertung. Daher setzen wir uns dafür ein, dass die Planungsbeteiligten die Anschlussstelle Delrath an der A57 schnellstmöglich umsetzen. Mit der Anschlussstelle Delrath würde zudem auch eine deutliche Entlastung der viel befahrenen B9 erreicht. Der Zustand der B9 ist mitunter für die kritische Bewertung des Zustands der überörtlichen Straßeninfrastruktur verantwortlich. Unabhängig von der Notwendigkeit der Anschlussstelle Delrath ist eine Sanierung der B9 als heute wichtigste Erschließung Dormagens vom Norden her erforderlich. Für die seitens des Landesbetriebs Straßen.NRW im Sommer 2023 angekündigte Verschiebung der bereits avisierten Maßnahme zeigt die IHK grundsätzliches Verständnis. In Zeiten knapper personeller Ressourcen und vielerorts maroder Infrastruktur – allen voran die systemrelevanten Rheinbrücken – müssen zwangsläufig Prioritäten gesetzt werden. Die seitens des Landesbetriebs in diesem Zusammenhang geäußerte Absicht, dass bei einem erneuten Angehen dieses Projekts die dann vorherrschende Verkehrssituation berücksichtigt wird, wird ausdrücklich begrüßt. Auf diese Weise könnte auch der gestiegenen Anforderungen an diesen Straßenabschnitt Rechnung getragen werden und die verkehrlichen Belange der Logistik- und Industriestandorte entlang der B9 im Neusser Süden könnten stärkere Berücksichtigung finden. Die Sanierung der B9 ergänzend zum Ausbau der A57-Autobahnausfahrt Delrath wird den Fluss des Verkehrs und damit auch die Leistungsfähigkeit des Gewerbestandorts deutlich aufwerten. Dabei gilt es die beiden Baumaßnahmen zeitlich und organisatorisch so aufeinander abzustimmen, dass eine Erreichbarkeit der anliegenden Unternehmen auch in der Zeit der Bauphasen gewährleistet ist.

Ambivalente Bewertung der Innenstadtfaktoren: Hohes Aktivitätslevel beibehalten

Bei den innerstädtischen Faktoren zeigt sich ein ambivalentes Bild. Wichtige Faktoren wie das Stadtbild werden etwas schlechter als in der Region im Schnitt beurteilt. Städte ähnlicher Größe schneiden aber insgesamt schlechter ab. Die Innenstadt ist eine Visitenkarte des Wirtschaftsstandorts. Deswegen bleibt es in jedem Fall wichtig, dass sich die Wirtschaftsförderung des Themas Innenstadt, wie zum Beispiel durch das Sofortprogramm Innenstadt, annimmt.

Industrieakzeptanz der Bevölkerung weiterhin stärken – Initiativen wie Lokale Allianz Dormagen weiterhin im Blick halten

Dormagen ist einer der Chemiestandorte Nummer eins in Deutschland. Die Akzeptanz der Bevölkerung ist ein wichtiger Standortfaktor für die Unternehmen. Akzeptanz von und Begeisterung für Industrie sollten von der gesamten Stadtgesellschaft und damit auch von der Kommunalpolitik und -verwaltung vorgelebt werden. Sorgen und Ängste von Bürgern dürfen nicht abgetan werden. Aber Kommunalpolitik hat die Aufgabe, diese Sorgen korrekt einzuordnen und – bei aller berechtigen Berücksichtigung von Einzelinteressen – das Gemeinwohl im Blick zu haben. Initiativen wie die Lokale Allianz Dormagen sollten weiterhin gestärkt werden.