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IHK präsentiert Analyse für den Kreis Viersen

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© IHK Mittlerer Niederrhein

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Stand: 27.06.2018

Im Kreis Viersen haben sich in den vergangenen Jahren das Wirtschaftswachstum und die Wertschöpfung im Vergleich zum Landesdurchschnitt unterdurchschnittlich entwickelt. Dennoch sind seit 2008 über 10.000 neue Beschäftigungsverhältnisse entstanden und haben dafür gesorgt, dass einige Wirtschaftsbranchen an Bedeutung gewonnen haben. Gleichzeitig schneidet der Kreis Viersen bei den Standortfaktoren „Verkehrsanbindung“ und „Qualität der Innenstädte“ gut ab. Unzufrieden sind die Unternehmen dagegen mit den kommunalen Kosten, der Arbeitskräfteverfügbarkeit und der Breitbandinfrastruktur. Das sind die wesentlichen Ergebnisse einer Standortanalyse, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein dem Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen (WFG) vorgestellt hat. Sie basiert auf einer Studie des Regionalökonomen Prof. Dr. Rüdiger Hamm von der Hochschule Niederrhein sowie einer Umfrage der IHK unter 400 Betrieben aus dem Kreis Viersen mit insgesamt rund 6.000 Beschäftigten.

„Die Unternehmen sind insgesamt zufrieden. Dennoch sollte weiter an den Rahmenbedingungen für die Wirtschaft gearbeitet werden“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Die befragten Unternehmen bewerteten mehr als 50 Standortfaktoren hinsichtlich ihrer Qualität vor Ort und ihrer Bedeutung. „Insgesamt geben die Unternehmen ihrer Stadt die Note ‚Zwei Minus‘. Es gibt also durchaus noch Verbesserungspotenzial.“

Die Branchen Land- und Forstwirtschaft und das Nahrungs- und Genussmittelgewerbe gehören zu den 15 beschäftigungsstärksten im Kreis Viersen. Sie sind dort zudem deutlich stärker vertreten als in NRW.
„Besonders groß war der Beschäftigungszuwachs im Dienstleistungssektor. Allerdings blieb das Beschäftigungsplus im Kreis Viersen hinter dem im Land zurück“, erklärte Gregor Werkle, Leiter des IHK-Bereichs Wirtschaftspolitik, bei der Vorstellung der Analyse. Zwischen 2008 und 2017 entstanden in Dienstleistungsbranchen, darunter im Verkehrsgewerbe, im Gastgewerbe, im Bereich Gesundheit und Soziales sowie bei sonstigen Diensten für Unternehmen mehr als 7.000 neue Arbeitsplätze. Die größten Beschäftigungseinbußen mussten Branchen aus dem produzierenden Gewerbe hinnehmen. In der Gummi- und Kunststoffindustrie und dem Fahrzeugbau war der Stellenabbau am stärksten. Hier sind insgesamt mehr als 1.300 sozialversicherungspflichtige Stellen verloren gegangen.

Im Schnitt geben die Unternehmer aus dem Kreis Viersen der Standortqualität vor Ort insgesamt die Schulnote „Zwei minus“. 61 Prozent der Betriebe bewerten den Standort mit der Note „Sehr gut“ oder „Gut“. Eine „Drei“ oder „Vier“ vergeben 37 Prozent der Unternehmen. Nur für gut zwei Prozent der Gewerbetreibenden sind die Bedingungen im Kreis mangelhaft oder ungenügend. Die Ergebnisse für die Gesamtregion Mittlerer Niederrhein fallen etwas schlechter aus.

„Dass die Unternehmen insgesamt mit dem Kreis Viersen als Wirtschaftsstandort zufrieden sind, liegt vor allem an der guten Straßenverkehrsinfrastruktur und an der Qualität der Innenstädte“, erläuterte Steinmetz. Die Erreichbarkeit des Standorts per Flugzeug und Straße wird außerordentlich gut bewertet. Kritisiert wird dagegen die Verkehrsanbindung an die Schienenwege. „Es reicht für einen guten Wirtschaftsstandort nicht aus, dass er nur über die Straße gut angeschlossen ist, Schienenwege müssen auch ausreichend vorhanden sein – sowohl für Güter als auch für Personen“, so Steinmetz. „Eine Verlängerung der Schienenstrecke Mettmann-Kaarst nach Willich und Viersen würde die Erreichbarkeit der kreisangehörigen Kommunen deutlich verbessern.“

Die gute Bewertung der Innenstädte im Kreis Viersen zeigt zudem, dass die Unternehmer die Aufenthaltsqualität dort als positiv empfinden. Kritisiert wird allerdings das unzureichende Parkplatzangebot in den verschiedenen Zentren. Diese Kritik ist im Kreis Viersen jedoch bei Weitem nicht so gravierend wie in anderen Teilregionen des IHK-Bezirks. Steinmetz wies jedoch darauf hin, dass gerade die Ortszentren kleinerer Kommunen nur dann gegenüber dem Online-Handel und den Einkaufszentren in den großen Städten wettbewerbsfähig sind, wenn die Erreichbarkeit gegeben ist.

Die kommunalen Kosten wurden dagegen negativer bewertet. „Das ist ein Hinweis darauf, dass Handlungsbedarf besteht“, sagte Steinmetz. Darüber hinaus beurteilen die Unternehmen die Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren als nicht zufriedenstellend. „Allerdings werden die kommunalen Kosten und Leistungen im Kreis Viersen durchweg besser bewertet als am Mittleren Niederrhein insgesamt“, so der Hauptgeschäftsführer.

Kritisch betrachten die Unternehmer die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Für 41 Prozent der Betriebe ist die Qualität dieses Standortfaktors „weniger befriedigend“ oder „schlecht“. Diese Bewertung hat sich seit der vergangenen Befragung im Jahr 2012 deutlich verschlechtert. „Die Anforderungen sind gestiegen und werden in Zukunft auch weiter steigen. Für die meisten Unternehmen ist eine gute Breitbandversorgung für die reibungslose Abwicklung ihrer Geschäfte grundlegend“, erklärte Steinmetz. „Wir wissen, dass im Kreis Viersen bereits einiges getan wurde, um Gewerbegebiete mit Breitband zu versorgen. Dennoch sollte sich die Kreisverwaltung auch weiterhin mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass eine flächendeckende und leistungsfähige Breitbandversorgung gewährleistet wird.“

In der anschließenden Diskussion kritisierten einige Aufsichtsratsmitglieder die mangelnde Bereitschaft mancher Unternehmen, die Angebote von Breitbandversorgern auch anzunehmen. Steinmetz sicherte zu, bei den Mitgliedsunternehmen dafür zu werben, entsprechende Angebote auch wahrzunehmen. Mit Blick auf die Kritik der Unternehmen an der Schienenanbindung des Kreises appellierten die Mitglieder des Gremiums an die IHK, bei der Stadt Mönchengladbach dafür zu werben, den Ausbau der Regiobahnlinie S 28 zu unterstützen. Der IHK-Hauptgeschäftsführer versprach, das Anliegen des Kreises in seinen Gesprächen in der Nachbarstadt zu unterstützen. Steinmetz gab den Aufsichtsratsmitgliedern noch einige konkrete Handlungsempfehlungen mit auf den Weg: „Gehen Sie die Weiterentwicklung des ehemaligen Militärflughafens Elmpt zügig an, forcieren Sie den Ausbau der Landstraße 26, pflegen Sie die Qualität und das Profil Ihrer Innenstädte und sorgen Sie für eine nachhaltige Haushaltspolitik in Ihren Kommunen.“

Die Standortanalyse für den Kreis Viersen kann unter folgendem Link heruntergeladen werden: www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/18398

Bildunterschrift: Sie diskutierten über die IHK-Standortanalyse für den Kreis Viersen (v.l.): Gregor Werkle (Leiter des Bereichs Wirtschaftspolitik der IHK Mittlerer Niederrhein), Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein), Dr. Andreas Coenen (Landrat des Kreises Viersen) und Dr. Thomas Jablonski (Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Viersen mbH).     
Foto: IHK