Strukturwandel stellt Gemeinde vor große Herausforderung

Strukturwandel stellt Gemeinde vor große Herausforderung
© IHK Mittlerer Niederrhein

Stand: 03.07.2019

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Beschäftigtenzahl in Grefrath stark gesunken, die Kaufkraft hingegen ist auf einem guten Niveau, und die Unternehmen bewerten ihren Standort insgesamt als durchschnittlich. Das sind wesentliche Erkenntnisse einer Analyse des Wirtschaftsstandorts Grefrath der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Deren Herzstück ist eine breit angelegte Unternehmensumfrage. „Die Unternehmer sind zwar kritischer als an anderen Standorten in der Region. Es gibt jedoch auch Achtungserfolge“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz bei der Vorstellung der Standortanalyse im Grefrather Eis-Sport & EventPark.

Insgesamt ähnelt die grobe Wirtschaftsstruktur Grefraths der Wirtschaftsstruktur von NRW. Das zeigen die Daten aus der amtlichen Statistik, die die IHK ausgewertet hat. Grefrath ist weiterhin ein Standort des produzierenden Gewerbes. 28 Prozent der Beschäftigten finden einen Job in diesem Wirtschaftszweig – trotz des starken Beschäftigungsrückgangs in den vergangenen 20 Jahren. „In der Industrie sind alleine in den vergangenen zehn Jahren die Beschäftigtenzahlen um mehr als 60 Prozent zurückgegangen“, erklärte Dana Sülberg, Referentin für Wirtschaftspolitik bei der IHK. Die Beschäftigtenzahl insgesamt ist seit 1998 in Grefrath um 41 Prozent zurückgegangen. In keiner anderen Kommune der Region ist sie anteilsmäßig so stark gesunken. Damit wird deutlich, vor welchen Herausforderungen der Standort aufgrund von Werksschließungen und Verkleinerungen ehemals leistungsfähiger Betriebe steht.

Ein weiterer wichtiger Baustein der IHK-Analyse ist ein interkommunaler Standortvergleich. Vergleicht man Grefrath mit Kommunen ähnlicher Größe, dann wird deutlich, dass der Standort bei Indikatoren wie der Kaufkraft und den Kassenkrediten auf relativ gute Werte, bei der Beschäftigungsentwicklung und der Steuereinnahmekraft auf relativ schwache Werte kommt. „Die Beschäftigungsentwicklung und die geringe Steuereinnahmekraft sind mitunter auf die gleiche Ursache – die Insolvenz wichtiger steuerstarker Unternehmen – zurückzuführen“, sagte die Referentin.

Die Resultate aus der Umfrage bei den Grefrather Unternehmen konnten auch mit den Ergebnissen einer Umfrage aus dem Jahr 2005 und den Werten anderer IHK-Umfragen verglichen werden. „Auf einer Vierer-Skala erhält der Standort von den Grefrather Unternehmen die Durchschnittsnote 2,30“, erklärte Steinmetz. Damit erhält die Gemeinde eine etwas schlechtere Bewertung als die in den vergangenen Jahren analysierten Standorte im Durchschnitt.

„Die Unternehmer schätzen die Verkehrsanbindung, und auch die Bewertung der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, wozu unter anderem die Verfügbarkeit von schnellem Internet und ein störungsfreies Mobilfunknetz gehören, ist auf einem akzeptablen Niveau“, sagte der Hauptgeschäftsführer. Gut bewertet werden auch die Fachhochschulen in der Region. Die Innenstadt erhält eine ambivalente Bewertung. „Wichtig für Ortszentren ist die Erreichbarkeit“, erklärte Steinmetz. Während das Thema „Parkplätze“ (Gebühren und Verfügbarkeit) gut bewertet wird, kritisieren die Unternehmer insbesondere den Zustand des innerstädtischen Straßennetzes.

Das Standort-Image wird kritischer gesehen. „Dies dürfte auch damit zusammenhängen, dass wichtige Unternehmen nicht mehr da sind“, sagte der Hauptgeschäftsführer. Auch die kommunalen Kosten und Leistungen werden von den Unternehmen kritisiert. „Der Gewerbesteuerhebesatz ist der dritthöchste aller kreisangehörigen Kommunen am Mittleren Niederrhein. Das ist schon eine Hypothek im Standortwettbewerb“, betonte Steinmetz. Bei den kommunalen Leistungen hofft die IHK, dass die Neuorganisation der Wirtschaftsförderung mittelfristig Früchte trägt und die Ergebnisse verbessert. „Es braucht Zeit, bis eine solche Reorganisation zu Erträgen führt. Es ist aber gut, dass sich die Gemeinde hier neu aufgestellt hat.“ Steinmetz empfiehlt der Gemeinde, sich als wirtschaftsfreundliche Kommune zertifizieren zu lassen. „Das wäre ein starkes Signal nach außen.“

In der anschließenden Diskussion mit IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz, Bürgermeister Manfred Lommetz, Dr. Klaus Weirich (Geschäftsführer der Hugo Josten Berufskleiderfabrik GmbH & Co KG) und Prof. Dr. Helmut Pasch (Geschäftsführer der GVE GIRMES Vermarktungs- und Entwicklungs-GmbH) war man sich einig, dass die Vorzüge des Wirtschaftsstandorts Grefrath besser herausgestellt werden müssen. „Ich bin davon überzeugt, dass die Stimmung der Unternehmen insgesamt besser ist, als es die Analyse vermuten lässt“, erklärte der Bürgermeister. Allerdings müsse man darüber nachdenken, wie man das Standort-Image verbessern kann. „Wir müssen den Leuten konkreter sagen, was Grefrath zu bieten hat.“ Für Steinmetz ist das ein richtiger Ansatz. „Ich wünsche mir aber, dass sich darüber hinaus Politik und Verwaltung die Dinge noch einmal genau anschauen, die die Unternehmen in der Umfrage nicht ganz so gut bewertet haben“, appellierte er.

Am Ende der Diskussion bat Lommetz um Unterstützung beim Thema Breitbandausbau. „Es wäre hilfreich, wenn uns die IHK dabei unterstützt, die Industrie und Gewerbetreibenden davon zu überzeugen, sich an dem Ausbau zu beteiligen.“ Der Hauptgeschäftsführer erklärte, dass die IHK gerne dabei helfe, die Unternehmen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Bildunterschrift:

Sie diskutierten über den Wirtschaftsstandort Grefrath (v.l.): Jürgen Steinmetz (IHK-Hauptgeschäftsführer), Dr. Klaus Weirich (Geschäftsführer der Hugo Josten Berufskleiderfabrik GmbH & Co KG), Prof. Dr. Helmut Pasch (Geschäftsführer der GVE GIRMES Vermarktungs- und Entwicklungs-GmbH), Beate Kowollik (Moderatorin) und Bürgermeister Manfred Lommetz. Foto: IHK