Vom Wollknäuel zum Einhorn

Vom Wollknäuel zum Einhorn
© IHK Mittlerer Niederrhein

Stand: 24.09.2019

Zwei Accessoires standen zum Start des Netzwerk-Events #GemeinsamUnternehmen, zu dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein Start-ups und Unternehmen nach Krefeld eingeladen hatte, im Mittelpunkt: Das eine, eher ungewöhnliche, war ein Wollknäuel; das andere, für die meisten Besucher weniger überraschend, ein gehäkeltes Einhorn. Mitgebracht hatte die beiden Utensilien Johannes Ellenberg. Der Start-up-Experte und Unternehmer-Coach stimmte seine Zuhörer unter dem Titel „Der Startup Code – was wir von Start-ups lernen können“ auf den Tag ein.

Zuvor hatten Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, und Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer einen Blick auf die Gründerregion geworfen. „In den vergangenen drei Jahren haben wir Fahrt aufgenommen“, erklärte Steinmetz. Das habe sicherlich mit der engen Kooperation mit dem Digihub Düsseldorf/Rheinland zu tun, aber auch mit der Gründung des Vereins nextMG in Mönchengladbach und des Vereins #silkvalley in Krefeld. „Als IHK unterstützen wir diese Plattformen.“

„Dank der vielen tollen Unternehmensgründungen in den vergangenen Monaten und Jahren haben wir gute Chancen, uns als Gründer- und Start-up-Stadt zu etablieren“, so Oberbürgermeister Frank Meyer. „Wir optimieren kontinuierlich die Rahmenbedingungen dafür. Um kreative Köpfe bestmöglich zu unterstützen, braucht es unter anderem weitere Coworking-Spaces. Also Orte, an denen gemeinsam gearbeitet und getüftelt werden kann – sowie auch mehr solcher Matching-Veranstaltungen wie heute, die gestandene Unternehmen
und Jungunternehmer zusammenbringen.“

Für Johannes Ellenberg steht das Wollknäuel symbolisch für ein Start-up. „Start-up ist eine Phase im Lebenszyklus eines Unternehmens“, erklärte Ellenberg. Das Geschäftsmodell eines Start-ups beruhe auf einer Idee, einem Problem oder dem Bedürfnis einer Kundengruppe. Ansonsten herrsche Chaos – eben wie bei einem Wollknäuel, das man entwirren möchte. Während etablierte Unternehmen einen Plan zur Entwirrung des Knäuels vielleicht sogar bei einem externen Berater in Auftrag geben, macht sich das Start-up selbst ran. Lösungen werden gesucht, ausprobiert, verworfen, Fehler werden gemacht – und dann ist die Lösung da. „Bevor ich die nicht habe, benötige ich keinen Businessplan“, betonte Ellenberg.

Ist das Knäuel entwirrt, brauche man eine Häkelnadel, also die wichtigen Werkzeuge, um es weiterzuentwickeln. „Und irgendwann ist ein Start-up kein Start-up mehr“, sagte Ellenberg. Dann ist es ein etabliertes Unternehmen, vielleicht sogar ein Einhorn, also ein Unternehmen, das vor einem Börsengang steht und eine Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar hat.

Schließlich stellte Ellenberg seinen Startup Code vor. „Dabei handelt es sich um sieben Prinzipien, die erforderlich sind, um überhaupt erst zu einem etablierten Unternehmen zu werden.“ Umgekehrt sollen diese Prinzipien Mittelständlern auf dem Weg in die digitale Welt von morgen helfen: „Stellen Sie das Warum an den Anfang“, „Suchen Sie die Wahrheit außerhalb des Unternehmens“, „Setzen Sie um und lernen Sie daraus“, „Betrachten Sie Fehler als Chance“, „Bevorzugen Sie Zugang vor Besitz“, „Stellen Sie den Menschen in den Mittelpunkt“ und „Geben Sie zuerst“.

Der Impulsredner Dr. Marc Thom kümmert sich bei Sony um die strategischen Partnerschaften und Allianzen im Bereich des Internet of Things (IoT) und verantwortet den Venture-Capital-Bereich, in dem die Investments in Start-ups vergeben werden. In seinem Vortrag „Strategie der digitalen Transformation – Wie sehen nachhaltige Geschäftsmodelle aus?“ fand er klare Worte. Er animierte die Unternehmer, aus ihrer Komfortzone herauszutreten. Von seinem Vorredner griff er den Hinweis „Bevorzugen Sie Zugang vor Besitz“, auf und machte dies an den Beispielen wie Uber und Airbnb fest.

Thom machte deutlich, dass gerade im IoT-Bereich neue Partnerschaften notwendig sind, um die Automatisierung und neue Business-Modelle für die Industrie zu ermöglichen. Geschäftsmodelle müssen auf den Prüfstand gestellt werden. Für diesen Prozess seien Netzwerke, Kooperationen und Partnerschaften unerlässlich. Zudem seien Mehrwerte und emotionale Kundenbindung wichtiger denn je. IoT und neue Technologien würden die bekannten Spielregeln auf den Kopf stellen, was sich auch auf die unternehmerischen Strukturen und Verantwortlichkeiten auswirke. Wer das verstanden habe, wisse, worauf er sich in Zukunft einstellen müsse, so Thom.

Weitere Impulse und verschiedene Podiumsdiskussionen zu den Fragen „Start-ups und KMU: Wirklich zwei Welten?“ und „Start-ups und KMU: Wo trifft man sich?“ sowie Sessions, bei denen sich 15 Start-ups vorstellten, rundeten das Netzwerk-Event ab. Darüber hinaus präsentierten sich 25 Jungunternehmer in der IHK im Rahmen einer Ausstellung.


Bildunterschrift:
Der Start-up-Experte Johannes Ellenberg stimmte die Besucher des Netzwerk-Events auf den Tag ein. Foto: IHK