Quereinsteiger nutzt seine Chance

Quereinsteiger nutzt seine Chance
© Bundesministerium für Bildung und Forschung

Stand: 06.07.2020

Seit dem Start des Projekts „ValiKom Transfer“ im vergangenen Jahr ist das Interesse groß. Das Verfahren, das von der Ausbildungs-GmbH der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein betreut wird, soll berufliches Können sichtbar machen. Der Projektname „ValiKom“ steht für „Validierung informell und non-formal erworbener Kompetenzen“. Es richtet sich an Quereinsteiger aus anderen Berufen und an Personen ohne Berufsabschluss, die ihre Fähigkeiten und Kompetenzen bewerten lassen möchten. Das hat Hüseyin Kirbas gerade hinter sich. Nach einer erfolgreichen Bewertung hält er ein IHK-Zertifikat in Händen, das die Gleichwertigkeit zum Referenzberuf bestätigt – im Fall des
46-Jährigen zum Fachlageristen.

Das Verfahren besteht aus mehreren Schritten, die von der IHK begleitet werden. „Zunächst wird ein Referenzberuf festgelegt, also ein IHK-Beruf, der der Tätigkeit ähnelt“, sagt Silke Fuchs, die das Projekt für die IHK Ausbildungs-GmbH betreut. „Zusätzlich müssen die Teilnehmer ihr Können in einer praktischen Situation unter Beweis stellen.“ Das Verfahren schließt mit einem IHK-Zertifikat ab, das eine „volle Gleichwertigkeit“ oder die „teilweise Gleichwertigkeit“ zum Referenzberuf bestätigt.

Die Voraussetzung für eine Teilnahme ist das Mindestalter von 25 Jahren, auch Migranten und Flüchtlinge sind angesprochen. „Menschen, die ihre Fähigkeiten nicht mit einem Zeugnis oder Zertifikat nachweisen können, werden leicht übersehen oder unterschätzt. Und das, obwohl sie womöglich über jahrelange Praxiserfahrung verfügen und kompetente Fachkräfte wären“, sagt Silke Fuchs, die das Projekt für die IHK Ausbildungs-GmbH betreut. Zu ihr hat Hüseyin Kirbas seinerzeit Kontakt aufgenommen, nachdem er von dem Projekt erfahren hatte. Der gebürtige Mönchengladbacher hat zunächst eine Ausbildung zum Damen- und Herrenfriseur abgeschlossen, anschließend als Lagerhelfer und zuletzt als Bereichsleiter in einem Betrieb für Lagerlogistik gearbeitet. „Das erste Telefonat und die Erklärung zum Verfahren im Beratungsgespräch bei der IHK waren sehr gut“, erzählt er. „Im Gespräch mit dem Berufsexperten war dann schon klar, was ungefähr in der Bewertung auf mich zukommt. Insgesamt war das wirklich klasse, und ich kann nur empfehlen, an dem Validierungsverfahren teilzunehmen."

Bewertet wurde er von Reiner Geiser, Geschäftsführer der ABZ GmbH, der sich als Berufsexperte für das Projekt zu Verfügung gestellt hat. Auch er ist von dem Projekt überzeugt: „Valikom ist ein Fingerzeig in die richtige Richtung. Es gibt viele Beschäftigte, die sich aus verschiedenen Gründen gegen eine Ausbildung entschieden haben. Für Menschen ohne Berufsabschluss, auch zum Teil für Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, ist die klassische Lehre nicht immer das einzige Produkt – die Zukunft sieht anders aus. Bei Valikom geht es um den Menschen und das echte Können.“

Besonders erfreulich: Gleich nach der erfolgreichen Bewertung und der Gleichwertigkeit zum Fachlageristen hat Hüyesin Kirbas eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten. „Das ist ein toller Service, der für alle Beteiligten Nutzen bringt“, sagt Silke Fuchs. „Die Teilnehmer verbessern dadurch ihre Beschäftigungsfähigkeit, machen ihre Potenziale sichtbar und können sich gezielt weiterbilden – für die Unternehmen bedeutet das Projekt Mitarbeiterbindung und Fachkräftesicherung.“

Interessierte am Projekt „ValiKom Transfer“ können sich bei Silke Fuchs (Tel. 02131 9268-556, E-Mail: silke.fuchs@mittlerer-niederrhein-gmbh.ihk.de) melden. Sie steht am 21. Juli von 13.30 bis 15 Uhr in einer Telefonhotline für alle Fragen rund um das Thema zur Verfügung. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.