IHK-Vollversammlung verabschiedet Positionspapier zur Schieneninfrastruktur

IHK-Vollversammlung verabschiedet Positionspapier zur Schieneninfrastruktur
© IHK

Stand: 05.03.2021

Eine Verlängerung der Linien S 8 oder der S 28, die Einrichtung einer Universitätslinie Düsseldorf-Mönchengladbach-Eindhoven oder die Schaffung einer Revierbahn für das Rheinische Braunkohlerevier – es gibt viele Ansätze zur Verbesserung des Schienenpersonenverkehrs (SPV) am Mittleren Niederrhein. Welche Möglichkeiten das heutige Schienennetz und die Bahnanlagen bieten und wie groß der Bedarf ist, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein analysieren lassen. In der Sitzung der IHK-Vollversammlung stellte Lothar Krenge, Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Verkehr und Logistik, die Analyse vor. „Das Ergebnis ist ernüchternd. 50 Prozent mehr Zeitfenster beziehungsweise Trassen wären nötig, um dem zunehmenden Personenverkehr gerecht zu werden“, so Krenge. „Alle Prognosen des Bundesverkehrswegeplans sind bereits heute übertroffen.“ IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz ergänzte: „Hinzu kommt in den nächsten Jahren ein deutliches Wachstum im Güterverkehr.“

Vor diesem Hintergrund und auf Basis der neuen Analyse hat die Vollversammlung der IHK ein Positionspapier zur Schieneninfrastruktur verabschiedet. Demnach kann es gelingen, durch eine Reihe von Maßnahmen als Ergänzung zu den Vorhaben im Bundesverkehrswegeplan ein zukunftsfähiges Schienennetz zu schaffen. Aus dem Gutachten wird ein Katalog von 16 Maßnahmen zur Stärkung des Schienennetzes abgeleitet. Dazu gehören der Ausbau der Viersener Kurve und ein Um- und Neubau des Rheydter Dreiecks als herausragende Projekte, die zum Teil im Bundesverkehrswegeplan bereits vorgesehen sind. Aber auch weniger komplizierte Projekte stehen auf der Liste. So soll der zweigleisige Ausbau der Strecke Kaldenkirchen – Dülken vorangebracht und einige ergänzende Maßnahmen an der Schienenstrecke Krefeld – Neuss umgesetzt werden.

„Die Maßnahmen in kleinere Arbeitspakete aufzuteilen, hat den Vorteil, dass sie je nach Finanzierungs- und Planungslage umgesetzt werden können“, erläuterte Krenge. „Jede Teillösung führt bereits dazu, das Gesamtnetz zu stärken.“ Sowohl Güter- also auch Personenverkehr auf der Schiene sind für die Unternehmen von großer Bedeutung. Die Vollversammlung der IHK appelliert an die Verantwortlichen in der Region, das Schienennetz so zu stärken, dass für beide Verkehre ausreichend Platz auf den Gleisen ist.

Für die IHK hat der Verkehrsträger Schiene auch großes Potenzial, Umwelt- und Infrastrukturbelastungen zu reduzieren. „Doch ehe wir über ein verbessertes Angebot für den Personenverkehr und die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene nachdenken, muss das Netz erst einmal die Kapazitäten bieten“, erklärte Steinmetz. „Dieser Netzausbau sollte im gemeinsamen regionalen Interesse sein.“

Die Verabschiedung ihres Positionspapiers wird die IHK zum Anlass nehmen, die Gebietskörperschaften der Region, die Verkehrsverbünde, die Deutsche Bahn AG, die verantwortlichen Ministerien und die politischen Vertreter in Land und Bund zu einer Schienenkonferenz für das Rheinland einzuladen. Ziel ist es, gemeinsam den regionalen Bedarf zu formulieren und gemeinsam Lösungen für den Ausbau des Netzes zu entwickeln.