Großbritannien: Der Brexit und seine Folgen

Großbritannien: Der Brexit und seine Folgen
© bluedesign - Fotolia.com

Nach mehr als drei Jahren Verhandlungen und mehrfacher Verschiebung des Austrittstermins ist es nun soweit. Das Vereinigte Königreich ist am 31. Januar 2020 aus der Europäischen Union (EU) ausgeschieden. Der am 17. Oktober 2019 zwischen der EU und der britischen Regierung unter Premierminister Boris Johnson ausgehandelte Entwurf eines Austrittsabkommens fand im Januar 2020 sowohl im britischen als auch europäischen Parlament seine erforderliche Zustimmung.

Damit läuft vom 1. Februar bis zum 31. Dezember 2020 eine Übergangsphase, in der sich für die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU grundsätzlich nichts ändert. Denn auch wenn Großbritannien formal aus der EU ausgeschieden ist, wird es für die Übergangsphase wie ein EU-Mitglied angesehen und auch behandelt. Damit verbleibt Großbritannien für diese Zeit im Binnenmarkt, wie auch in der Zollunion.

Konkret bedeutet das u.a.:

  • Lieferungen nach Großbritannien werden als innergemeinschaftliche Lieferungen behandelt, auch aus umsatzsteuerlicher Sicht.
  • Bezüge aus Großbritannien werden als innergemeinschaftliche Erwerbe behandelt, auch aus umsatzsteuerlicher Sicht.
  • Die Regelungen zu Verbote und Beschränkungen finden weiterhin Anwendung.
  • Auf dem Gebiet der Produktzulassungen sowie bei CE-Kennzeichnungen, Zertifikaten etc. gibt es keine Änderungen.

Nach Rechtsauffassung der Europäischen Kommission wird für die Übergangsphase Großbritannien auch für die Zwecke internationaler Übereinkünfte wie ein Mitgliedstaat der Europäischen Union behandelt. Das gilt im Besonderen in Bezug auf die Anwendung von Freihandelsabkommen der EU mit Drittstaaten und den damit verbundenen ursprungsrechtlichen Auswirkungen. Daraus resultierende Erkenntnisse besonders für die Anerkennung und Ausstellung von Präferenznachweisen können der Internetpräsenz der Zollverwaltung entnommen werden.

Die Übergangsphase kann einmalig bis spätestens 31. Dezember 2022 verlängert werden. Der britische Premierminister Boris Johnson hat allerdings bislang signalisiert von dieser Option keinen Gebrauch zu machen.

In der Übergangsphase laufen die Verhandlungen zu den künftigen Beziehungen. Als wahrscheinlichste Variante gilt hier ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen Brüssel und London. Sollten die entsprechenden Verhandlungen scheitern, müssen sich die Beteiligten dann auf einen „harten“ Brexit einstellen. Für den Warenaustausch bedeutet das u.a. die volle Berücksichtigung von Zöllen.

Nach Ablauf der Übergangsphase wird Großbritannien ein „echtes“ Drittland. Unabhängig davon, ob ein Handelsabkommen besteht oder nicht. Für den Warenverkehr beginnen dann die Spielregeln des Zoll- und Außenwirtschaftsrecht. Damit werden Zollanmeldungen erforderlich und an den Grenzen zwischen der EU und Großbritannien kommt es zu Zollabwicklungen und damit auch zu zeitlichen Verzögerungen. Die Zeit des Übergangs ist also auch die Zeit, sich auf die Phase danach vorzubereiten.

 

 

Vorbereitung auf den Brexit

Ob im Zollbereich oder bei der Mitarbeiterentsendung: Im Geschäftsverkehr mit Großbritannien werden sich mit dem Brexit zahlreiche Änderungen und bürokratische Zusatzlasten ergeben, auf die sich Betriebe frühzeitig einstellen sollten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat die Checkliste „Are you ready for Brexit?” herausgegeben, die Unternehmen bei ihrer Vorbereitung auf den Brexit unterstützen kann. In 19 Themenfeldern zeigt die Liste auf, wo Anpassungsbedarf in den Unternehmen herrscht. Sie wird im Lichte der Verhandlungsergebnisse schrittweise erweitert und aktualisiert.

Weitere Informationen:

 

 

Umfragen und Studien

NRW-Studie: Unternehmensbefragung zeigt, dass sich viele Firmen auf den Brexit vorbereitet haben

Ein geregelter Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union bietet für Nordrhein-Westfalen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Dies ist das zentrale Ergebnis einer NRW-weiten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des NRW-Wirtschaftsministeriums. Darüber hinaus macht die Studie deutlich, dass die Unternehmen im Land sich von den Entwicklungen in Großbritannien bislang nicht verunsichern lassen. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Britische Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit verlagern wollen, finden in Nordrhein-Westfalen einen vergleichbaren Wirtschaftsraum mit vielen Standortvorteilen vor. Das gilt vor allem für die im Vergleich höhere Arbeitsproduktivität und die geringeren Lohnstückkosten.
  • Ein Vergleich der nordrhein-westfälischen und britischen Regionen zeigt, dass vor allem im Norden Englands ähnliche Wirtschaftsstrukturen zu finden sind. Hier bieten sich daher besonders gute Perspektiven für ein zielgerichtetes Standortmarketing. Die größten Unterschiede zeigen sich dagegen in Nordirland, Schottland und London.
  • Insbesondere ein weicher Brexit kann auch zu positiven Effekten für die NRW-Wirtschaft führen, etwa durch neue Zulieferverträge mit europäischen Unternehmen, die bisher mit britischen Firmen zusammengearbeitet haben. Gleiches gilt für Fachkräfte aus dem Vereinigten Königreich, die in Zukunft in Nordrhein-Westfalen arbeiten könnten.
  • Mehr als zwei Drittel der NRW-Unternehmen haben Maßnahmen zur Vorbereitung auf den Brexit getroffen. Einzelinterviews zeigen, dass diese häufig bereits weit im Vorfeld – oftmals in zeitlicher Nähe zum Brexit-Referendum 2016 – eingeleitet wurden

 

Studie Bertelsmann Stiftung: Der Brexit und die Potenziale des Binnenmarktes für NRW

Weiterhin sind in einer Studie der Bertelsmann Stiftung die ökonomische Folgen des Austritts des Vereinigten Königreiches für die EU-Länder und Regionen ermittelt worden.

Download der Studien:

 

Auswirkungen des Brexit: Sonderauswertung Going International

Die Ergebnisse der Sonderauswertung 2019 zeigen unter anderem, dass der Brexit die Auslandsgeschäfte bremst und die Stimmung der exportorientierten deutschen Wirtschaft trübt.

  

 

Brexit: Die wichtigsten Begriffe

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat ein Brexit-Glossar herausgegeben, welches dazu dienen soll, die wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit dem Brexit kurz und knapp zu erklären. Das Glossar wird während der weiteren Brexit-Verhandlungen stets aktualisiert und ergänzt. Das Glossar ist im Download-Bereich erhältlich.

 

 

Brexit Vorbereitungen des Vereinigten Königreiches

Das Vereinigte Königreich hat Informationen zur Vorbereitung auf den ungeregelten Austritt, No Deal-Brexit, veröffentlicht. Diese englischsprachigen Informationen bieten Ihnen einen Überblick über u. a. Warenhandel, Kennzeichnungsvorschriften sowie Transporte. Ebenfalls haben Sie hier die Möglichkeit an kostenfreien Online-Schulungen (Webinare) teilzunehmen.

  

Was passiert nach dem Brexit?

DIHK-Brexit-Experte Mathias Dubbert zeigt drei mögliche Post-Brexit-Szenarien auf:

Wenn Sie auf diesen Platzhalter klicken, werden Inhalte von www.youtube.com nachgeladen. Dabei erhält der Anbieter Zugriff auf personenbezogene Daten wie ihre IP-Adresse. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.ihk-krefeld.de/de/home/datenschutzerklaerung
Wenn Sie auf diesen Platzhalter klicken, werden Inhalte von www.youtube.com nachgeladen. Dabei erhält der Anbieter Zugriff auf personenbezogene Daten wie ihre IP-Adresse. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.ihk-krefeld.de/de/home/datenschutzerklaerung

Quelle: DIHK

Webinar: Brexit aus zoll- und außenwirtschaftsrechtlicher Sicht

Was ist bei Warenlieferungen zu berücksichtigen, wenn das Vereinigte Königreich zum 31. Oktober 2019 ohne Abkommen aus der EU austreten sollte? Welchen Einfluss hat ein harter Brexit auf den Präferenzursprung von Waren? Welche Änderungen ergeben sich für die Beantragung von Ursprungszeugnissen? Jörg Schouren von der IHK Mittlerer Niederrhein beantwortet in dem Webinar vom 22. Oktober 2019 diese und weitere zoll- und außenwirtschaftsrechtliche Fragen zum Brexit.

Wenn Sie auf diesen Platzhalter klicken, werden Inhalte von www.youtube.com nachgeladen. Dabei erhält der Anbieter Zugriff auf personenbezogene Daten wie ihre IP-Adresse. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.ihk-krefeld.de/de/home/datenschutzerklaerung
Wenn Sie auf diesen Platzhalter klicken, werden Inhalte von www.youtube.com nachgeladen. Dabei erhält der Anbieter Zugriff auf personenbezogene Daten wie ihre IP-Adresse. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.ihk-krefeld.de/de/home/datenschutzerklaerung