Großbritannien: Der Brexit und seine Folgen

Großbritannien: Der Brexit und seine Folgen
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Die Staats- und Regierungschefs der 27 verbleibenden EU-Mitglieder haben sich am 21. März 2019 darauf geeinigt, den eigentlich für den 29. März 2019 vorgesehenen EU-Austritt Großbritanniens zunächst auf den 12. April 2019 zu verschieben. Vorausgegangen war ein Antrag Londons, die Austrittsfrist zu verlängern. Falls London den Austrittsvertrag annimmt, verlängert sich die Frist bis zum 22. Mai 2019.

Am 25. November 2018 hatten sich EU und britische Regierung nach langen und ungewissen Verhandlungen auf einen Entwurf eines Austrittsabkommens geeinigt. Der Vertragsentwurf sieht vor, dass trotz Austritts der Status Quo der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU bis Ende 2020 vorerst erhalten bleibt. Danach soll das Vereinigte Königreich Mitglied einer Zollunion mit der EU werden, bis die dauerhaften zukünftigen Beziehungen ausgehandelt worden sind. Als wahrscheinlichste Variante gilt hier ein umfassendes Freihandelsabkommen zwischen Brüssel und London.

Am 15. Januar 2019 und erneut am 12. März 2019 hat das britische Parlament jedoch den Entwurf des Austrittsvertrages mit großer Mehrheit abgelehnt. Sollte eine Annahme des Austrittsvertrags bis zum 12. April 2019 nicht zustande und es damit zum ungeregelten Austritt kommen, dann würde Großbritannien nicht mehr der Zollunion und dem europäischen Binnenmarkt angehören. Damit würde es handelsrechtlich sofort gegenüber der EU auf den Status eines Drittstaates zurückfallen. Zoll- und Passkontrollen würden kurzfristig wieder eingeführt mit den dann zu erwartenden kilometerlangen LKW-Schlangen an der britischen Grenze.

Unternehmen sollten sich daher auf ein Worst-Case-Szenario einstellen.

Checkliste zur Vorbereitung auf den Brexit

Ob im Zollbereich oder bei der Mitarbeiterentsendung: Im Geschäftsverkehr mit Großbritannien werden sich mit dem Brexit zahlreiche Änderungen und bürokratische Zusatzlasten ergeben, auf die sich Betriebe frühzeitig einstellen sollten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat die Checkliste „Are you ready for Brexit?” herausgegeben, die Unternehmen bei ihrer Vorbereitung auf den Brexit unterstützen kann. In 18 Themenfeldern zeigt die Liste auf, wo Anpassungsbedarf in den Unternehmen herrscht. Sie wird im Lichte der Verhandlungsergebnisse schrittweise erweitert und aktualisiert. Die Checkliste ist im Download-Bereich erhältlich.

NRW-Studie: Unternehmensbefragung zeigt, dass sich viele Firmen auf den Brexit vorbereitet haben

Ein geregelter Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union bietet für Nordrhein-Westfalen nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Dies ist das zentrale Ergebnis eines Studienprojekts des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des NRW Wirtschaftsministeriums. Darüber hinaus macht die Studie deutlich, dass die Unternehmen im Land sich von den Entwicklungen in Großbritannien bislang nicht verunsichern lassen.
 
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:
 
  • Britische Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit verlagern wollen, finden in Nordrhein-Westfalen einen vergleichbaren Wirtschaftsraum mit vielen Standortvorteilen vor. Das gilt vor allem für die im Vergleich höhere Arbeitsproduktivität und die geringeren Lohnstückkosten.
  • Ein Vergleich der nordrhein-westfälischen und britischen Regionen zeigt, dass vor allem im Norden Englands ähnliche Wirtschaftsstrukturen zu finden sind. Hier bieten sich daher besonders gute Perspektiven für ein zielgerichtetes Standortmarketing. Die größten Unterschiede zeigen sich dagegen in Nordirland, Schottland und London
  • Insbesondere ein weicher Brexit kann auch zu positiven Effekten für die NRW-Wirtschaft führen, etwa durch neue Zulieferverträge mit europäischen Unternehmen, die bisher mit britischen Firmen zusammengearbeitet haben. Gleiches gilt für Fachkräfte aus dem Vereinigten Königreich, die in Zukunft in Nordrhein-Westfalen arbeiten könnten.
  • Mehr als zwei Drittel der NRW-Unternehmen haben Maßnahmen zur Vorbereitung auf den Brexit getroffen. Einzelinterviews zeigen, dass diese häufig bereits weit im Vorfeld – oftmals in zeitlicher Nähe zum Brexit-Referendum 2016 – eingeleitet wurden.

Brexit-Glossar

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hat einen Brexit-Glossar herausgegeben, welches dazu dienen soll, die wichtigsten Begriffe im Zusammenhang mit dem Brexit kurz und knapp zu erklären. Das Glossar wird im Rahmen der weiteren Brexit-Verhandlungen stets aktualisiert und ergänzt. Das Glossar ist im Download-Bereich erhältlich.

Was passiert nach dem Brexit?

DIHK-Brexitexperte Mathias Dubbert zeigt drei mögliche Post-Brexit Szenarien auf:

Quelle: DIHK